An mehreren deutschsprachigen Universitäten wird das Fach auch als „Vor- und Frühgeschichte" bezeichnet. Diese Benennung ist im wesentlichen synonym mit „Ur- und Frühgeschichte", "Vorgeschichtlicher Archäologie" und "Prähistorischer Archäologie". Im englischen Sprachraum findet sich meist die Bezeichnung „Prehistory" oder „Prehistoric Archaeology".
Die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie ist eine historisch arbeitende Kulturwissenschaft. Ausgehend von den materiellen Hinterlassenschaften (Funde und Befunde) erforscht sie Umwelt, Wirtschaft und soziale Organisationsform der frühen Menschheit ebenso wie Kunst, Brauchtum und Religion, soweit jene einen materiellen Niederschlag finden. Ihr Ziel ist somit die Analyse und Rekonstruktion kulturgeschichtlicher Zusammenhänge und Entwicklungsprozesse über den zeitlich-räumlichen Rahmen schriftlicher Überlieferung hinaus. Die Ur- und Frühgeschichte beginnt mit dem Auftreten des Menschen und endet zeitlich und räumlich dort, wo neben die Bodenfunde in erheblichem Umfang schriftliche Quellen treten.
Zeitlich umfasst die Urgeschichte die Epochen des Paläo-, Meso- und Neolithikums, der Kupferzeit (Äneolithikum bzw. Chalkolithikum) sowie der Bronze- und Eisenzeit. Die Erforschung des Paläolithikums nimmt hierbei eine Sonderstellung ein, da sie sich infolge der engen Verflechtung mit den Naturwissenschaften (insbesondere Paläoanthropologie und Quartärgeologie) zu einer eigenen Disziplin entwickelt hat.
Die Frühgeschichte Mitteleuropas umfasst den Zeitraum von der Spätantike bis zum Beginn des Hochmittelalters unter Heranziehung vornehmlich archäologischer, aber auch historischer Quellen. Außerhalb Mitteleuropas ist die Abgrenzung zwischen Ur- und Frühgeschichte traditionell durch das Einsetzen schriftlicher Überlieferung gegeben, je nach Kulturraum bestehen entsprechende zeitliche Unterschiede zu Mitteleuropa.
Geographisch wird die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, obgleich prinzipiell nicht räumlich beschränkt, zumeist auf Europa bezogen, wobei auch die angrenzenden Räume West- und Zentralasiens sowie Nordafrikas zu berücksichtigen sind. In den meisten vorgeschichtlichen Epochen kommt den kulturellen Gegebenheiten und Entwicklungen Südosteuropas und des östlichen Mittelmeerraumes eine besondere Bedeutung für das Verständnis der Archäologie Mittel-, Nord- und Westeuropas zu, da die erstgenannten Regionen vielfach eine Mittlerfunktion zu den frühen Innovationszentren Klein- und Vorderasiens und ihren späteren Hochkulturen einnehmen.
Da die Quellen der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie ausschließlich oder überwiegend gegenständlicher Natur sind (Bodendenkmäler und Fundobjekte), unterscheiden sich ihre Methoden von jenen der historischen Fächer im engeren Sinne. Im wesentlichen umfassen sie Methoden der Feldforschung (Prospektion, Ausgrabung), Methoden der Analyse von Funden und Befunden (Klassifikation, relative und absolute Altersbestimmung, räumliche Verbreitung, Material- und Herkunftsbestimmung, Analysen von Funktion und Technologie), archäoökologische Methoden in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Bio- und Geowissenschaften sowie schließlich Methoden der Interpretation und Rekonstruktion kulturgeschichtlicher Verhältnisse und Prozesse (Experiment, historische/ethnologische Analogie, Modellbildung und Verifikation).
Der gegenständliche Charakter archäologischer Quellen der Ur- und Frühgeschichte und die Notwendigkeit des visuellen Erfassens und Vergleichens verleihen Exkursionen zu Museen und Geländedenkmälern einen besonderen Stellenwert innerhalb des Studiums der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie. Ebenso erfordern die möglichen Berufsfelder die Vermittlung praktischer Fähigkeiten und Kenntnisse innerhalb des Studiums in Form von Gelände- (Ausgrabung, Prospektion) und Museumspraktika.
Im Rahmen des Magisterstudiums der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie wird überblickhafte Kenntnisvermittlung durch exemplarisch vertiefende Lehrveranstaltungen ergänzt. Die geographische und zeitliche Breite des Faches macht darüber hinaus eine Abrundung und Vertiefung des Lehrstoffes durch intensives Eigenstudium notwendig. Die Fähigkeit zu derart selbständigem und kritischem Arbeiten zu entwickeln, ist ein wesentlicher Inhalt des Studiums im Hauptfach.
Die Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Neolithikums und der Metallzeiten Europas. Methodisch stehen Landschafts- und Sozialarchäologie im Vordergrund des Interesses. Hier werden insbesondere Geographische Informationssysteme und statistische Auswertungsverfahren eingesetzt. In Zusammenarbeit mit der Physischen Geographie wird ein Arbeitsschwerpunkt Geoarchäologie aufgebaut. Intensive Beziehungen bestehen zur Partneruniversität Poznan, mit der in einem Gemeinschaftsprojekt Ausgrabungen durchgeführt werden. In Oberfranken werden Prospektionen und eine Forschungsgrabung zum Neolithikum durchgeführt. Vgl. http://www.uni-bamberg.de/~ba5vf99/forschungneu.htm
- Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie - Forschungen zur Archäologie Ostmitteleuropas - jungsteinSite (online-Zeitschrift zur Archäologie)