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News

23.02.12

Zweite TRAc Doktoranden-Akademie

Auch in diesem Jahr nahmen insgesamt ca. 80 Promovierende aller Fachbereiche an der dreitägigen Veranstaltung teil.
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21.02.12

Reinhard Zintl in Georgien

Der Politikwissenschaftler lehrte ein Semester an der Universität Tiflis
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Ergebnisse des TRAc Zwischenevaluationsberichts 2011

Die Ergebnisse des Zwischenberichts sind jetzt in voller Länge im Intranet einsehbar
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TRAc Jahresberichte

Alle bisher verfassten Jahresberichte sind im Intranet einsehbar
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Netzwerke bilden: Aktivitäten von TRAc im Überblick

TRAc nimmt regelmäßig an Tagungen und Netzwerktreffen in den Bereichen Hochschulpolitik und Wissenschaftsmanagement teil.
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"Wachheit, politisches Interesse, Beherztheit"

Prof. Dr. Reinhard Zintl lehrte ein Semester an der Universität Tiflis, Georgien


von Trimberg Research Academy


Über viele Jahre hatte er den Lehrstuhl für Politische Theorie an der Universität Bamberg inne – und auch über seine Pensionierung im Jahr 2010 hinaus ist Prof. Dr. Reinhard Zintl weiterhin an der Universität Bamberg aktiv. So wird er als Mitglied der Trimberg Research Academy (TRAc) in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal sein fächerübergreifendes Doktorandenkolloquium „Wissenschaftstheorie für alle“ anbieten. Zuvor aber verbrachte er das vergangene Wintersemester  als Herder-Gastprofessor  an der Staatlichen Iwane-Dschawachischwili-Universität Tiflis in Georgien, um dort zu lehren und zugleich weitere Kooperationsmöglichkeiten mit der Universität Bamberg auszuloten .

 

Prof. Dr. Reinhard Zintl an der Universität Tiflis (Foto: DAAD)

Sie haben ein Semester an der Uni Tiflis Politikwissenschaft gelehrt. Georgien ist ein recht ungewöhnliches Land für einen akademischen Austausch. Wie ist es dazu gekommen?

Es gibt schon seit längerem vielfältige Kontakte zwischen der Universität Bamberg und Universitäten in den Ländern südlich des Kaukasus, insbesondere mit der Universität Tiflis. Hier hatte ich zuerst im Sommer 2010 Gelegenheit, eine politikwissenschaftliche Lehrveranstaltung (als Blockveranstaltung) zu halten und zugleich mit der dortigen Universitätsleitung über Fragen des Bologna-Prozesses zu sprechen. Dabei wurde das Interesse der Universität Tiflis an einer engeren und auf Dauer gestellten Kooperation, womöglich in Form eines gemeinsamen politikwissenschaftlichen Studienprogramms, deutlich. Kurz danach kam die Einladung aus Tiflis, dort ein Semester als Gastprofessor zu verbringen.

Dieser Austausch ist auch vom DAAD unterstützt worden?

Ja, die Universität Tiflis hat den DAAD um Unterstützung im Rahmen der Stiftungsinitiative Johann Gottfried Herder gebeten. Dieses Programm wird gemeinsam vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung sowie dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft getragen. Ich musste den dazu passenden Antrag stellen, der dann für den Winter 2011/2012 auch tatsächlich bewilligt wurde. Im Übrigen hat mich der DAAD auch an Ort und Stelle sehr gut unterstützt.

In Georgien bot Prof. Zintl unter anderem eine Veranstaltung über politische Systeme an (Foto: R. Zintl)

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Kollegen und den Studierenden gemacht?

Das akademische Leben und die universitären Strukturen sind schon ein wenig anders als hier. Das Studium ist stärker verschult, das Ausmaß auch an bürokratischen Formen der Kontrolle nicht nur der Studierenden ist höher. Die Studierenden sind sehr aufgeschlossen und guten Willens. Die Tatsache, dass ich meine Lehrveranstaltungen in englischer Sprache hielt, war sicher einerseits eine Hürde, zugleich wurde es von denen, die die Veranstaltungen besuchten, eindeutig als Chance empfunden: Englisch löst bei den jungen Leuten Russisch als lingua franca ab; ein Studium im Ausland ist ein Traum – also wird alles, was dazu helfen kann, freudig angenommen.
Von den Veranstaltungen, die ich anzubieten hatte, war die Demokratietheorie am besten besucht, danach kam ein Kurs über Europäische politische Systeme, erst an dritter Stelle die politische Theorie in eher philosophischem Sinne – was ich unter den gegebenen Umständen vollkommen verständlich fand – obwohl ich natürlich finde, dass nichts praktischer ist als eine gute Theorie. Die Lehrenden waren sehr freundlich und hilfsbereit, auch interessiert an meinen Sachen. Allerdings gab es unterschiedlich gute Möglichkeiten des Austauschs – manche, meist die Älteren – sprechen nur Russisch und Georgisch.

Die Staatliche Iwane-Dschawachischwili-Universität in Tiflis (Foto: R. Zintl)

Demokratietheorie in einem Land wie Georgien zu lehren, in dem demokratische Strukturen und rechtsstaatliches Handeln noch sehr jung sind, ist sicher auch für einen deutschen Professor für Politische Theorie etwas Besonderes?

Ja. Die Studierenden haben die politische Gegenwart immer wieder in den Kurs eingebracht, und zwar oftmals ausgesprochen kritisch. Die Wachheit, das politische Interesse und auch die Beherztheit waren für mich einerseits erfreulich; auf der anderen Seite war für mich sicherlich eine gewisse Zurückhaltung angebracht. Vor allem habe ich versucht, den Studierenden immer wieder nahezubringen, dass sie nicht so sehr auf die Momentaufnahme fixiert sein sollten, sondern vor allem darauf schauen sollten, wohin der Weg geht und aus welchen Gründen er wohin geht. Das haben sie mir nicht übel genommen; und sie waren durchaus dankbar, dass ich versucht habe, ihnen ein analytisches Instrumentarium auch der distanzierten Beurteilung und Deutung von Vorgängen und Zuständen zu vermitteln.

Sie haben dort nicht nur gelehrt, sondern mit den Kollegen der Fakultät auch über ein Joint Masters Programm nachgedacht. Wie weit sind die Überlegungen gediehen? Wird es ein gemeinsames Programm mit Tiflis geben? Welchen Wert kann so ein Programm für Bamberger Studierende haben?

Ein Freund und Kollege in Tiflis, Alexandre Kukhianidze, und ich haben in den vergangenen vier Monaten einen Entwurf gebastelt, der von dem dortigen Politikdepartment, der Fakultät und der Universitätsleitung rückhaltlos unterstützt wird. Diesen Entwurf habe ich zugleich den Kollegen hier in Bamberg vorgelegt. Was es am Ende geben wird, hängt von ihnen, von der Fakultät und von der Universität ab. Das Interesse der georgischen Studierenden an einem solchen Programm ist offensichtlich (es existieren bereits vergleichbare Kooperationen in der Rechtswissenschaft, der Verwaltungswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft mit deutschen Universitäten, die sich regen Zuspruchs erfreuen).
Für deutsche Studierende kann der Studiengang insofern interessant sein, als er die Möglichkeit einer außergewöhnlichen Spezialisierung auf politische, soziale und wirtschaftliche Themen der Kaukasusregion bietet, die sicher zukunftsweisend ist. Abgesehen davon denke ich, dass es vielleicht nicht nur Klugheitsargumente dafür gibt, mit Ländern akademisch zu kooperieren, in denen die Menschen sich bemühen, stabile rechtsstaatliche und demokratische Verhältnisse zu erreichen.