Das Arbeitsgebiet der Professur für Soziologie ist die sozialwissenschaftliche Globalisierungsforschung. Forschung und Lehre sind an der Art von Sozialwissenschaft orientiert, die Max Weber als "Wirklichkeitswissenschaft" beschrieben hat: "Die Sozialwissenschaft, die wir treiben wollen, ist eine Wirklichkeitswissenschaft. Wir wollen die uns umgebende Wirklichkeit des Lebens, in welches wir hineingestellt sind, in ihrer Eigenart verstehen – den Zusammenhang und die Kulturbedeutung ihrer einzelnen Erscheinungen in ihrer heutigen Gestaltung einerseits, die Gründe ihres geschichtlichen So-und-nicht-anders-Gewordenseins andererseits."
Gesellschaft gibt es nur im Plural. Die Vielfalt sozialer Verbände, ihrer Abgrenzungen und gegenseitigen Abhängigkeiten, die verschiedenen Formen der über die einzelnen Gesellschaften hinausreichenden Vergesellschaftungen und Vergemeinschaftungen, von den Kirchen und Sekten über die Arbeitsmigranten und Flüchtlingen bis zu den globalen Netzwerken der Berufsgruppen und den internationalen sozialen Bewegungen – alle diese sozialen Tatsachen sind keineswegs neu, haben allerdings im Zuge des Fortschritts der Transport- und Kommunikationstechnologien einen enorm gesteigerten Bedeutungszuwachs erfahren. Die etablierten Ordnungsformen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft werden herausgefordert und sind einem tiefgreifenden Wandel unterworfen. Die soziologische Globalisierungsforschung untersucht die Ausgangspunkte und Antriebskräfte dieser Entwicklung, die vielfältigen Konflikte zwischen den alten und neuen Formen der Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung, die Prozesse der Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung sozialer Ordnungen, den Kampf um die Werte, die Macht und Ordnungen legitimieren können.
Obwohl es Gesellschaft nur im Plural gibt, hat sich die an "Theorie" interessierte Soziologie in der Regel nur für "Gesellschaft" im Singular interessiert. Die vergleichende Sozialforschung geht noch immer davon aus, dass ihr Gesellschaftsvergleich völlig für sich stehende Einheiten untersucht. Selbst die gesellschaftsübergreifenden Formen einer internationalen Koordination und Kooperation - durch das Völkerrecht, die Systeme internationaler Beziehungen und internationale Organisationen – haben in der Soziologie so gut wie nie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie als soziale Tatsachen verdienen. Die sozialwissenschaftliche Globalisierungsforschung steht also vor einer doppelten Herausforderung: Eine empirische Erkenntnisgewinnung, was den Wandel von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat unter dem Einfluss der Globalisierung betrifft, und die Entwicklung theoretischer Gesichtspunkte und analytischer Instrumente, die zu einem vertieften Verständnis dieser Entwicklungen und zu Antworten auf die Erklärungsprobleme führen, die durch die Globalisierung aufgeworfen werden.
Im SS 2013 bietet die Professur für Soziologie 5 Lehrveranstaltungen an. Aufgrund eines Freisemesters bietet Prof. Rieger selbst keine Lehrveranstaltungen an. Er steht aber für Prüfungen und die Betreuung von Abschlußarbeiten zur Verfügung. Eine Zusammenstellung der Veranstaltungsbeschreibungen und eine Übersicht, der entnommen werden kann, für welche Studiengänge die einzelnen Lehrveranstaltungen geeignet sind, finden Sie hier. Bitte beachten Sie, dass für den Besuch sämtlicher Lehrveranstaltungen eine Anmeldung über FlexNow notwendig ist!