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04.04.13

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Forschende Frauen 2009

Die Referentinnen Sarah Hoffmann (vierte v. l.), Lina Hörl, Susan Brähler, Kerstin Schorch und Sigrid Piaschinski mit den Universitätsfrauenbeauftragten Prof. Dr. Ada Raev (dritte v. l.), Prof. Dr. Margarete Wagner-Braun (rechts) und Prof. Dr. Mirjam Schambeck sf (links) sowie der Mitarbeiterin im Frauenbüro, Johanna Bamberg-Reinwand (zweite v. l.)

Forschende Frauen 2009 - Kolloquiumsbericht

von Sophie Strauß

Am Mittwoch, den 10. Juni 2009, fand im Alten Senatssaal der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zum zweiten Mal das Kolloquium „Forschende Frauen in Bamberg“ statt, das die Universitätsfrauenbeauftragten initiiert haben, um junge Frauen auf dem Weg in die wissenschaftliche Karriere zu fördern. Das Kolloquium bietet den Doktorandinnen die Möglichkeit, Vortragspraxis zu sammeln und erste Ergebnisse ihrer Arbeit Revue passieren zu lassen. Außerdem werden alle Beiträge in einem Sammelband veröffentlicht.
Zu Beginn begrüßte die stellvertretende Universitätsfrauenbeauftragte Frau Prof. Dr. Schambeck sf alle Anwesenden herzlich und stellte die „Forschenden Frauen 2009“ kurz vor. Frau Prof. Dr. Schambeck sf betonte, dass die folgenden Beiträge viele Bereiche der Forschung näher beleuchten und das Kolloquium eine gute Basis sei, um innovative Untersuchungsbereiche vorzustellen. Es sei ein wichtiges Anliegen der Universitätsfrauenbeauftragten, „einen solchen Tag zu kreieren“, um junge Frauen gezielt zu fördern und zu unterstützen.

„Wer A sagt, muss auch B sagen…“

Frau Diplom-Germanistin Sarah Hoffmann ging im ersten Vortrag des Tag der Frage nach, ob Sprichwörter in der heutigen Alltagskommunikation noch eine Rolle spielen und welche Funktion sie im Gespräch einnehmen können: „Wer A sagt, muss auch B sagen: Sprichwörter in der Argumentation“. Frau Hoffmann vertritt die These, dass Sprichwörter durchaus eine argumentative Funktion in einer Konversation erfüllen, und nicht nur als sprachspielerische Komponente betrachtet werden können. Ihre Arbeit basiert auf einer Zusammenstellung von etwa 70 besonders bekannten Sprichwörtern, deren Verwendung Frau Hoffmann anhand von Zeitungsinterviews untersucht. Die anschließende Diskussion zeigte den Facettenreichtum des Forschungsgebietes, die Referentin konnte souverän auf Anregungen reagieren und die Eingrenzung ihres Themas anschaulich begründen.

Wie führen Führungskräfte?

Nach einer kurzen Pause stellte Frau Diplom-Psychologin Kerstin Schorch erste Ergebnisse zum Thema „Transformationale Führung und Selbstdarstellung im Fokus der Führungskräfteentwicklung: Konzeption und Evaluation eines Coachingansatzes“ vor. Hinter dem zunächst sehr theoretisch anmutenden Titel verbarg sich eine spannende Untersuchung verschiedener Möglichkeiten des Führungskräftecoachings, das sich nicht als Psychoanalyse bzw. Psychotherapie für Manager versteht, sondern praktische Einzelberatung für Berufstätige sein will. Die transformationale Führung stellt eine Form des sozialen Austausches dar, in den sowohl die Führungskraft als auch die Mitarbeiter eingebunden sind. Mitarbeiter sollen gezielt angesprochen und gefördert werden, der Manager möchte vor allem positive Emotionen wecken und den Angestellten seine Visionen und Ziele vermitteln. Der Ansatz der transformationalen Führung lässt sich trotz seines idealisierten Charakters empirisch nachweisen. Frau Schorch untersuchte in einer Fragebogenstudie zum einen das Selbstbild von Führungskräften und zum anderen die Beurteilung der Führungskraft durch die Mitarbeiter und konnte zeigen, dass vor allem zu Beginn des Coachings eine doch erhebliche Diskrepanz in der Wahrnehmung zwischen Manager und Angestellten vorherrschte, die im Verlauf des Coachings abgebaut werden soll.

Wie wird man Bürger Bambergs?

In einer dritten Darstellung beschäftigte sich Frau Lina Hörl M.A. mit der Entwicklung des Bürgerrechts in Bamberg: „Worin eigentlich die Würkungen des Grosen und Kleinen Burgerrechts bestehen? Das Bürgerrecht in Bamberg im 17. und 18. Jahrhundert“. Sie stellte anschaulich Rechte und Pflichten der Bürger vor und illustrierte ihre Ausführungen anhand zahlreicher Beispiele aus den Bamberger Bürgerbüchern, die gewissermaßen einen Index aller Bürger Bambergs in der Frühen Neuzeit darstellen. Frau Hörl stützt ihre Arbeit auf die Analyse sieben dieser Bürgerbücher, die im Bamberger Stadtarchiv aufbewahrt werden und erstellte anhand des Archivierungsprogrammes „FAUST“ 8.800 Datensätze. Diese möchte die Vortragende in einem nächsten Schritt systematisch auswerten.

Literarische Darstellung der karibischen Diaspora

Den zweiten Block des Kolloquiums eröffnete Frau Susan Brähler (LA Gym E/F/S) mit dem Thema „Retour au pays pas natal: Das Rückkehrmotiv im Migrationsroman der karibischen Diaspora“. Frau Brähler untersuchte englisch- und französischsprachige Romane, die den Rückkehrwunsch weiblicher Protagonistinnen in die karibische Heimat der Eltern zum Inhalt haben und kommt zu dem Ergebnis, dass dieser Wunsch in drei Phasen zum Ausdruck kommen kann. Zunächst äußert sich ein nostalgischer Rückkehrwunsch, der über einen Prozess der Neuverhandlung verschiedener Rückkehrmotive hin zu einer kreativen Rückkehr, die symbolisch oder gedanklich stattfinden kann, reicht. In manchen Romanen lässt sich als vierte Phase schließlich die Aufgabe des Rückkehrwunsches beobachten. Die Referentin konnte die große Variation des Rückkehrmotivs in den verschiedenen Bildungsromanen anhand zahlreicher Zitate zeigen und beeindruckte die Zuhörer mit ihrer großen Sprachbegabung.

Den gelungenen Abschluss des Kolloquiums „Forschende Frauen 2009“ bildete der Vortrag von Frau Dipl.-Soz. Sigrid Piaschinski mit dem Titel „Die Transformation des nationalen Bildungsfeldes vor dem Hintergrund der Neustrukturierung des europäischen Bildungsraums - PISA und seine Folgen“. Frau Piaschinski betonte den ernormen Effekt der PISA-Studie und die Verhandlung verschiedener Reforminitiativen im öffentlichen Diskurs. Ihre Arbeit basiert auf einer Einteilung des Bildungsfeldes in vier verschiedene Ebenen (international, national, regional, lokal). In jüngster Zeit zeigt sich deutlich eine Überlagerung nationaler Entscheidungsstrukturen durch internationale Organisationen. Diese stellen aktive Mandatsträger im Bildungsbereich dar und gewinnen zunehmend an Bedeutung und Einfluss. Der Diskurs verschiebt sich in Richtung einer Angleichung der verschiedenen nationalen Bildungssysteme, die vor allem durch dritte Akteure, also die internationalen Organisationen, vorangetrieben wird. Die Referentin betonte, dass sich bei näherer Untersuchung der PISA-Studie „faszinierende Erkenntniswelten“ eröffneten, was auch die rege Diskussion im Anschluss an den Vortrag bewies.
Die Universitätsfrauenbeauftragten Frau Prof. Dr. Margarete Wagner-Braun und Frau Prof. Dr. Ada Raev zogen eine positive Bilanz des Kolloquiumstages und entließen die Vortragenden und das Publikum mit den besten Wünschen in einen diskussionsreichen Nachmittag.
Die Beiträge des Kolloquiums 2009 werden noch in diesem Jahr im 2. Band der Reihe „Forschende Frauen“ veröffentlicht. Weitere Informationen zur Erscheinung des ersten Bandes finden Sie hier.