Die Frage der philosophischen Normbegründung und ihrer Methode ist nicht nur für die theoretische Grundlegung der Moralphilosophie als philosophische Teildisziplin, sondern auch für die Menschenrechtsdebatte, die angewandte Ethik sowie die in den letzten Jahren neu entfachte Naturrechtsdiskussion bedeutsam. Daher stellt das Thema der philosophischen Normbegründungsverfahren auch einen Überschnittsbereich der Arbeitsschwerpunkte der beiden Bamberger Lehrstühle für Philosophie dar. Die Frage der Normbegründung war, aus jeweils anderer Perspektive, in den Veröffentlichungen der beiden Lehrstuhlinhaber und ihrer Mitarbeiter bislang ein wiederkehrendes Thema. Die Forschungsstelle „Methoden der Normbegründung“ setzt sich zum Ziel, den sensiblen und heiß umstrittenen Bereich der philosophischen Grundlegung in der Diskussion um Gültigkeit, Geltung und Reichweite von Normen zum Thema gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeitens zu machen. Dass die Grundlegung als eine philosophische verstanden werden soll, bedeutet, dass im Mittelpunkt der Forschungsarbeit die Frage steht, wie eine sekundärreflexive Vergewisserung erreicht werden kann, die Normen und ihre methodische Begründung weder als politisch pragmatisch und historisch kontingent entwickelbar ansieht, noch allein aus der Praktikabilität in der Anwendung rechtfertigt. Das schließt geschichtliche, exemplarische, theologische oder politiktheoretische Vorgehensweisen nicht aus, sondern bindet diese in eine philosophische Grundlagenreflexion ein.
An der Universität 2, 96047 Bamberg |
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Thomas von Aquin - De malo
Thomas von Aquin beschäftigt sich in den Questiones disputatae de malo methodisch mit grundlegenden Fragen der Definition, der Erklärung und des Zustandekommens des Üblen in der Welt. In der Auswahlinterpretation zu De malo werden Artikel zur Frage des ontologischen Status von Übeln, zur Freiheitsproblematik und Tugendethik sowie zur Emotionenlehre behandelt. Zwei längere Exkurse zur thomasischen Handlungstheorie und zur Verhältnisbestimmung von Privation und Negation komplettieren den Band, der im Akademie-Verlag erscheinen wird.
Kolloquia und Tagung zum Gesetzesbegriff in der Spätscholastik
In Kooperation mit Nachwuchswissenschaftlern der Universitäten Halle/Saale, Frankfurt/Main und Hamburg wird seit 2011 eine Reihe von Kolloquia durchgeführt, die die Untersuchung der Begründung und der Transformation des Gesetzesbegriffs in der spanischen Spätscholastik zum Gegenstand haben. Diese Reihe wird 2013 durch eine interdisziplinäre Tagung in Bamberg abgeschlossen werden.
Rezeption der Gerechtigkeitstheorie des Aristoteles im Mittelalter
Das zwei Jahre von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderte Habilitationsprojekt untersucht die Rezeption der aristotelischen Gerechtigkeitstheorie durch verschiedene mittelalterliche Autoren (Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Jakob von Viterbo, Gottfried von Fontaines). Neben dem historischen Forschungsinteresse steht hierbei die systematische Problematik der Konzeption von praktischer Vernunft sowie der Begründung universaler praktischer Normativität im Vordergrund.
Thyssen-Projekt zur Transformation des Naturrechts im Übergang zur Neuzeit (Vázquez und Spinoza)
Das von der Thyssen-Stiftung geförderte Projekt untersucht die Umformung des Naturrechtsbegriffs im Übergang von der Spätscholastik zur Neuzeit anhand der beiden Autoren Gabriel Vázquez und Baruch Spinoza. Der Fokus liegt hierbei auf der Frage nach dem veränderten Verständnis der systematischen Grundlegung von Ethik und deren Bezug auf Theologie und Philosophie.
Gabriel Vázquez, De lege – Das Gesetz
Im Zusammenhang mit dem genannten Thyssen-Projekt zur Transformation des Naturrechts im Übergang zur Neuzeit entsteht eine Übersetzung von ausgewählten Stellen von Gabriel Vázquez‘ Kommentar zum Gesetzestraktat aus der Summa theologiae des Thomas von Aquin.