Während eines vierwöchigen Untersuchungszeitraumes wurden bei Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren (n=38; davon 17 Jugendliche mit hochriskantem Alkoholkonsum) Trinkmotive, Affektivität und Alkoholkonsum mithilfe täglicher Online-Fragebogeneinträge erhoben. Die Studie wurde publiziert:
Wurdak, M., Dörfler, T., Eberhard, M. & Wolstein, J. (2010). Tagebuchstudie zu Trinkmotiven, Affekten und Alkoholkonsum bei Jugendlichen. In: Sucht, 56, (3-4), 175-182.
1. Welche Motive haben Jugendliche für den Alkoholkonsum? Gibt es Unterschiede zwischen hoch- und niedrigriskant konsumierenden Jugendlichen?
- Interessant ist, dass bei Jugendlichen mit einem hochriskanten Alkoholkonsum personeninterne Motive eine größere Rolle spielen als bei Niedrigrisikokonsumenten. Das bedeutet, dass hochriskant konsumierende Jugendliche stärker aufgrund von Verstärkungs- oder Bewältigungsmotiven trinken, also mithilfe von Alkohol eine positive Stimmung verstärken oder negative Gefühle bewältigen möchten.
2. Wie hängen Affektivität, Trinkmotive und Alkoholkonsum zusammen?
- Zwischen der konsumierten Alkoholmenge und der Motivstärke besteht ein signifikanter Zusammenhang. Je stärker die Jugendlichen unterschiedlichen Motiven zustimmen, desto mehr Alkohol konsumieren sie. Bei den hochriskant konsumierenden Jugendlichen hängen die Verstärkungs- und Bewältigungsmotive signifikant mit dem negativen Affekt sowie mit der konsumierten Alkoholmenge zusammen.
3. Variieren die Motivstärken tagesabhängig?
- Die längsschnittliche Erfassung von Trinkmotiven anhand des Tagebuchs gibt u.a. Hinweise dafür, dass Motive nicht über verschiedene Trinkereignisse hinweg stabil bleiben, sondern zumindest zum Teil Schwankungen unterliegen.
Eine mögliche Schlussfolgerung der Studie ist, dass differenzierte Präventionsmaßnahmen für Hochrisikokonsumenten interne Motive (Verstärkungs- und Bewältigungsmotive) fokussieren sowie Bewältigungsstrategien einbeziehen sollten, die den Umgang mit negativem Affekt erleichtern.
Wir möchten uns ganz herzlich bei den Jugendlichen bedanken, die mit großem Eifer und Durchhaltevermögen an der Studie teilgenommen haben. Ohne ihr Engagement wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen.