Es ist eines, wenn nicht das Zentrum des islamischen Orients. Mit einer Geschichte von fast 1.500 Jahren und über 15 Millionen Einwohnern ist Kairo aber vor allem eine Stadt, die ein angehender Islamwissenschaftler zumindest einmal gesehen haben sollte. Im Oktober haben sich deshalb zwanzig Studenten der Bamberger Orientalistik zusammengefunden, um in das Herz Ägyptens zu reisen. Eine einwöchige Exkursion unter der Leitung von Lale Behzadi, Lorenz Korn und Abdel Halim Ragab stand auf dem Plan. Mit einem straffen Zeitplan erkundete die Gruppe alle wichtigen und viele weniger wichtige Monumente und bekam einen Überblick über die Forschungsstätten und Institutionen in der Metropole. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) war dabei genauso vertreten wie das Deutsche Archäologische Institut (DAI) und die Ägyptische Nationalbibliothek.

Natürlich reicht eine Woche nicht aus, um die Stadt voll zu erfassen. Trotzdem wollten wir so viel wie möglich aus den acht Tagen herausholen. Nach der Akklimatisierung – der Umstellung auf "Vollzeit-Schwitzen" – ging das Programm los. Unser Busfahrer, den wir im Laufe der Woche ins Herz schließen sollten, steuerte uns zum Museum für moderne islamische Kunst in Nachbarschaft zu Kairoer Oper. Dort hieß es, sich auf der Suche nach neuer Erkenntnis durch die enorme Anzahl der Werke zu kämpfen. Unverständnis blieb dabei nicht aus. Wofür steht das Ei doch gleich? Und warum sind die Farben so kitschig? Das waren nur einige der Fragen, die sich auftaten. Im Anschluss an den Museumsbesuch galt es, sich einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Und was wäre dafür besser geeignet als der Aussichtsturm, eines der höchsten Gebäude der Stadt? Der erste Tag, der für den einen oder anderen wohl mit einem kleinen Kulturschock einherging, endete in einem Restaurant am Nil.

Der zweite Tag begann mit dem etwas kargen Frühstück, das im Verlauf der Reise immer weniger Zuspruch finden sollte. Obwohl das auch den Temperaturen und der zarteren Konstitution einiger Teilnehmer geschuldet sein mochte. Aber viel Zeit zum Frühstücken blieb ohnehin nie, denn schon hatten wir den nächsten Termin. Man erwartete uns schon in der Nationalbibliothek, wo wir eine respektable Sammlung von Handschriften bewundern konnten und uns gezeigt wurde, wie sorgfältig man diese Werke digitalisiert und so einem breiteren Publikum zugänglich macht. Zu Fuß ging es von dort aus zur Ibn-Tulun-Moschee, die ebenso wie die Sultan-Hassan-Moschee die Teilnehmer zu begeistern wusste. Die Gruppe erreichte schließlich die Kairoer Zitadelle, die auch nach vielen Jahrhunderten (errichtet im 12. Jh.) immer noch einen imposanten Anblick macht, nicht zuletzt wegen der Muhammad-Ali-Moschee, die als die prächtigste Moschee von ganz Kairo gilt. Der Rest des Tages war frei, und so konnten die Teilnehmer sich ins ägyptische Leben stürzen, Essensmöglichkeiten finden und sich mit dem lokalen Handel für ägyptisches Bier anfreunden.
Am dritten Tag stand der Besuch des DAI an, wo uns der Direktor Prof. Dr. Stephan Seidlmayer empfing und uns eine kleine Einführung in die Arbeit des Instituts gab. Die umfangreiche Bibliothek des Hauses stellte sich als äußerst attraktiv dar, und so ist wohl damit zu rechnen, dass der eine oder andere Bamberger Student bei seiner Forschungsarbeit öfter dort anzutreffen sein wird. Das "Kairo des 19. und 20. Jahrhunderts" zu erlaufen, war die nächste Aufgabe, der sich die 20 Studenten stellten. Zu Fuß ging es durch die Metropole, vorbei an prächtigen Einkaufshäusern, kleinen Programmkinos und wundervoll gestalteten Hausfassaden, denen der Glanz vergangener Tage anzusehen war. Damit aber nicht genug. Der freie Nachmittag wurde kurzerhand dazu genutzt, sich die Pyramiden anzusehen, wenn man schon mal in Kairo ist. Dank unseres Busfahrers ging die Fahrt wieder schnell und unkompliziert, was angesichts des Kairoer Verkehrs nicht genug gewürdigt werden kann.

Auch Tag vier bot reichlich Programm. Zunächst ging es zur Außenstelle des DAAD, wo wir über Förderungsmöglichkeiten und Praktika-Angebote informiert wurden. Im Anschluss fuhren wir zur Ain-Shams-Universität, wo wir vom Direktor der Sprachfakultät empfangen wurden und mit arabischen Germanistik-Studenten einen Rundgang durch die riesige Fakultät mit ihren fast 10.000 Studenten machten.
Unnötig zu erwähnen, dass wir Europäer wohl die Attraktion des Tages waren und entsprechend viele Kontakte knüpfen und Adressen austauschen konnten. Während des Rundgangs führte Frau Behzadi Gespräche, um eine Kooperation zwischen der Uni Bamberg und der Ain Shams festzuklopfen. Exkursionen nach Kairo wird es also auch in Zukunft geben. Der restliche Tag war frei beziehungsweise wurden wir abends zum großen Touristen-Basar gefahren, wo man allerhand Nippes und Tand erwerben konnte. Abseits vom marktschreierischen Gehabe hatte der Basar auch sehr schöne Ecken und Häuser zu bieten, die am Abend und in der Nacht kunstvoll beleuchtet werden.

Am nächsten Tag bot sich unter der gleißenden Mittagssonne ein ganz anderes, aber nicht minder beeindruckendes Bild der Altstadt. Es gab kaum jemanden, der dabei nicht von Herrn Korns Faszination für die zahllosen Gebäude und deren Geschichte angesteckt wurde. Von der imposanten Stadtmauer über die al-Hakim-Moschee ging es diesmal unter der Führung von Herrn Korn ins Zentrum des alt-islamischen Kairo. Das ging nicht spurlos an uns vorbei. Nach etwa fünf besichtigten Moscheen und unzähligen anderen Gebäuden bekamen wir eine kurze Verschnaufpause in der Azhar-Moschee, wo wir uns nach einem Referat die Frage stellten, ob in einer Moschee geschlafen werden darf.
Stark dezimiert, da inzwischen die Mehrheit vor der Hitze und dem unbekannten Essen kapituliert hatte, machten wir uns am sechsten Tag auf, Vertrauteres zu sehen. Es ging ins Koptenviertel. Die hängende Kirche und das koptische Museum waren dort die Höhepunkte. Über das eher trostlose Ausgrabungsgelände von al-Fustat, dem ältesten Teil Kairos, ging es zum Nilometer, das schon im 8. Jahrhundert den Wasserstand des Nils angezeigt hat.
Auch am letzten Tag gab es keine Gnade für die Bamberger Studenten. Noch einmal hieß es, sich in das Kairoer Getümmel zu schmeißen. Nach ein paar mamlukischen Moscheen brachte uns der Bus mitten in die Totenstadt und setzte uns in einem Wochenmarkt ab. Unser Ziel, die Abu-Hanifa-Moschee, mussten wir selbst erreichen, da für den Bus kein Durchkommen mehr war. Vorbei an in der Sonne gammelndem Fisch und anderen Spezialitäten sowie an zahllosen Teppich- und T-Shirt-Verkäufern ging es durch die Totenstadt. Den Abschluss unserer Reise erlebten wir am Grab des Imam Muhammad Ibn Idris al-Shafi'i.
Nach einer Woche, die kaum anstrengender aber auch kaum spannender und interessanter hätte sein können, ging es zurück nach Deutschland. Was bleibt, sind hunderte Erinnerungen und das Wissen, an wen man sich wenden muss, wenn es einen wieder einmal nach Kairo verschlägt, um dort zu forschen oder einfach das dortige Leben zu genießen.