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Unter dem gemeinsamen Dach des "Ostkirchlichen Zentrums" wollen die beteiligten Fächer der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Bamberg ihre Kompetenzen zu allen Fragestellungen rund um die "Ostkirchen" in Forschung und Lehre koordinieren, bündeln und ausbauen. Dabei zeichnen sich derzeit vier Arbeitsschwerpunkte ab:

 

Das Christentum und der Islam

Die "Ostkirchen" spielen für den interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Islam insofern eine wichtige Rolle, als sie seit dem 7. Jh in einem überwiegend muslimisch geprägten Kulturkreis existieren. Es gibt daher seit dieser Zeit eine Vielzahl von "Apologien", d.h. Verteidigungsschriften des Chrsitentums, oder - häufig wohl eher fiktive - " Dialoge" zwischen christlichen und muslimischen Diskussionspartnern. Aus diesen Schriften lassen sich wichtige Erkentnisse für die historisch gewachsene Sichtweise der jeweils anderen Religion gewinnen, was letztlich dem interreligiösen Dialog zugute kommt.

Die interdisziplinäre Beschäftigung mit den "Ostkirchen" kann aber auch zur Willensbildung in politischen Fragen wie einem möglichen EU-Beitritt der Türkei oder der Aufnahme von irakischen Christen in Deutschland durch eine Analyse der gegenwärtigen Lage der Kirchen beitragen.

Schließlich ist aus historischer Sicht die Kirchengeschichte des Osmanischen Reiches noch nicht eingehend untersucht, obwohl noch viele Einschätzungen und rechtliche Rahmenstellungen aus dieser Zeit in die Gegenwart hineinragen.

 

Die "Ostkirchen" und Osteuropa

Über Jahrhunderte haben die "Ostkirchen" die Geschichte Osteuropas geprägt. Dieser Einfluss ist zwar durch die sowjetischen Regime unterbrochen worden, er hat aber durch die politische Wende in den Jahren nach 1989 einen neuen Aufschwung genommen. Auf Grund ihrer Spiritualität, Liturgie, Kirchen- und Klösterarchitektor oder Theologie kann die Bedeutung der "Ostkirchen" für die Sprachen, Literaturen und Künste in den slavischen Ländern daher gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Dazu kommt, dass in der Diskussion der Erweiterung der Europäischen Union nach Ost- und Südosteuropa überwiegend "orthodoxe" Länder in die Europäische Union integriert werden. Für die künftige Ausrichtung der Europäischen Union kann daher die wissenschaftliche Aufarbeitung der multireligiösen und multikonfessionellen Umwelt der übernationalen Reiche wie der Habsburgermonarchie im 19. und 20. Jh oder des Umgangs mit dem Osmanischen Erbe interessant sein.

 

Die "Ostkirchen" im modernen ökumenischen Dialog

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sind im ökumenischen Dialog zwischen der Römisch-Katholischen Kirche einerseits und den "altorientalischen Kirchen" andererseits wichtige Gemeinsamkeiten herausgearbeitet worden. In gleicher Weise hat es im ökumenischen Gespräch zwischen der Katholischen Kirche und den "orthodoxen" Kirchen der byzantinischen Tradition Fortschritte gegeben. Beispielsweise haben der Römische Papst Paul VI. und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Athenagoras, im Juli 1967 die gegenseitige Exkommunikation des Jahres 1054 aufgehoben.

"Orthodoxe", "altorientalische" und verschiedene "reformatorische" Christen arbeiten darüber hinaus in dem im Jahr 1948 in Amsterdam gegründeten "Ökumenischen Rat der Kirchen" zusammen. Im Laufe der letzten 60 Jahre sind auf diese Weise verschiedene bilaterale Dialoge zwischen den Kirchen des Westens und denen des Ostens geführt worden.

Auf europäischer Ebene vollzieht sich dieser Austausch in der "Konferenz europäischer Kirchen" sowie im "Rat der Europäischen Bischofskonferenzen". Im Jahr 2001 hat die "Charta Oecumenica" verschiedene "Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa" formuliert.

Diesen vielschichtigen ökumenischen Dialog aufzuzeigen, wissenschaftlich zu begleiten und auszuwerten, stellt daher eine wichtige Zukunftsaufgabe für den innerchristlichen ökumenischen Dialog dar.

 

"Orthodoxe" und "Altorientalische" Kirchen in Deutschland

Die Christen der zehn "orthodoxen" Kirchen der byzantinischen Tradition sind mittlerweile die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland mit eigenen Hierarchien, Bildungseinrichtungen und Strukturen. Zusammengeschlossen haben sie sich in der "Konferenz orthodoxer Kirchen in Deutschland" (KOKID). Am Ende des Jahres 2006 waren dies 394 Gemeinden und feste Gottesdienststätten. Unter ihnen stellt die Griechische Orthodoxe Metropolie von Deutschland mit 168 Gemeinden und Gottesdienststätten, 69 Priestern und etwa 400.000 Gläubigen die größte Gruppe dar.

Dazu kommen viele Angehörige der sieben "altorientalischen" Kirchen, die seit den 1970er Jahren insbesondere aus der Süosttürkei in der Folge der Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Staat und der Autonomiebewegung der Kurden als Migrantinnen und Migranten nach Deutschland geflohen sind.

Daher gibt es beispielsweise in Nürnberg eine rumänische orthodoxe, eine griechische orthodoxe, eine serbische orthodoxe, eine russische orthodoxe sowie eine syrische orthodoxe und eine armenische apostolische Gemeinde. In Bamberg besteht eine "unierte" griechische katholische Gemeinde.

Die Situation dieser Christen aufzuzeigen, wissenschaftlich zu untersuchen und darzustellen, ist daher eine aktuelle Aufgabe. Diese These gilt insbesondere in Bezug auf den Aufbau, die Organisation und die rechtliche Beratung von Religionsunterricht an staatlichen Schulen.