Der moderne ökumenische Dialog unter den Christen unterscheidet gewöhnlich zwischen vier "Kirchenfamilien"
Die zahlenmäßig größte Gruppe innerhalb der "Katholischen Kirchenfamilie" stellt die "Römische Kirche" dar. Sie ist gleichsam die lateinische Ritusfamilie. Im Laufe der Geschichte sind verschiedene Kirchen aus einer anderen "Ritusfamilie" die Kirchengemeinschaft, d.h. eine "Kirchenunion", mit dem Papst in Rom eingegangen. Daher werden sie als "Unierte" Katholische Kirchen bezeichnet.
Die Gruppe der "altorientalischen" Kirchen umfasst in historischer Sicht in erster Linie die Christen des Orients. Sie untergliedert sich einerseits in die "orientalisch-orthodoxen" Kirchen sowie andererseits die "Apostolische Kirche des Ostens", d. h. die Kirche des antiken Perserreiches. Die "orientalisch-orthodoxen" Kirchen teilen ein "miaphysitisches" Christusbekenntnis und stehen untereinander in Kirchengemeinschaft. Die "Kirche des Ostens" hat eine davon unterschiedene eigene Christologie entwickelt, die früher als "nestorianisch" bezeichnet worden ist. Da der moderne ökumenische Dialog zum Ergebnis gebracht hat, dass die Christologie der Kirchen des Orients differenzierter betrachtet werden müssen, sollten die unzutreffenden Bezeichnungen "Monophysiten" und "Nestorianer" für diese Kirchen aufgegeben werden.
Die "orthodoxen" Kirchen der byzantinischen Tradition werden in "kanonische" und "autonome" Kirchen differenziert. Als "kanonische" Kirchen werden dabei jene 14 Kirchen bezeichnet, die ihr eigenes Oberhaupt wählen. Die "autonomen" Kirchen regeln hingegen zwar ihre inneren Angelegenheiten selbst, ihr kirchliches Oberhaupt wird jedoch vom Patriarchen einer der "kanonischen" Kirchen bestimmt. Daneben gibt es noch "unkanonische" Kirchen. Diese sind solche Gemeinschaften, die sich von einer "kanonischen" oder "autonomen" Kirche abgespalten haben und nicht von den anderen "orthodoxen" Kirchen anerkannt werden. Hinsichtlich ihrer Christologie bekennen sich alle "orthodoxen" Kirchen ebenso wie die Katholische Kirche zum Christusglauben des Konzils von Chalkedon (451). Daher werden diese Kirchen auch als die Kirchen der "chalcedonensischen Orthodoxie" angesprochen.
Als Ergebnis der reformatorischen Bestrebungen der frühen Neuzeit ist aus der lateinischen Christentheit die Familie der "reformatorischen Kirchen" entstanden. Zu ihr zählen die verschiedenen "evangelischen" Kirchengemeinschaften ebenso wie etwa die "Anglikanische" oder die "methodistische" Gemeinschaft. Weil sich einige dieser Christen selbst als "reformierte" Christen bezeichnen, hat sich der Oberbegriff einer "reformatorischen" Kirchenfamilie eingebürgert.
Zu den "Ostkirchen" im klassischen Sinn zählen somit die "orthodoxen" Kirchen der byzantinischen Tradition, die "altorientalischen" Kirchen sowie die mit Rom "Unierten" Katholischen Kirchen. Es gibt darüber hinaus auch reformatorische Gemeinschaften. Die Anzahl ihrer Gläubigen ist jedoch zahlenmäßig eher überschaubar.