Professionalisierung von Lehrpersonen im tertiären Bereich - Mathematische und mathematikdidaktische Lehrerfortbildungen
Grafische Darstellungen und Bearbeitungshilfen im Sachrechnen
Die im Folgenden beschriebenen Forschungsschwerpunkte sind nicht hierarchisch und auch nicht chronologisch, sondern integrativ zu verstehen. In Projekten wird mal der eine und mal der andere Schwerpunkt intensiv in den Fokus gerückt. Alle bleiben jedoch jeweils aktuell von großem Interesse und fließen insbesondere auch in die Lehre und Nachwuchsförderung ein. Oftmals können auch Überschneidungen identifiziert werden, die wechselseitige Synergien bedingen.
Schon seit den früher 1990er Jahren gilt mein Interesse dem Bereich des Schulanfangs und der mathematischen Bildung im Kindergartenalter. Während in den Anfängen auch in der damals aktuellen Fachdidaktik das Interesse maßgeblich auf der Feststellung von Vorkenntnissen und ihrer Bedeutung für die Ausgestaltung des Anfangsunterrichts mit der erkannten Heterogenität stand, ist im 21. Jahrtausend der Fokus auf das Design von Lern- und Anregungsumgebungen im Kindergarten selbst verlagert worden. Innerhalb der Projekte KiDZ und TransKiGS konnte ich meine Forschungen in diesem Gebiet vorantreiben und insbesondere die Bedeutung der Professionalisierung von Erzieherinnen und Erziehern herausarbeiten. Im Projekt TransKiGS wurde darüber hinaus auch der Unterricht in der Schulanfangsphase in den Blick genommen, demzufolge wurde Anregungsmaterialien im Sinne eines fließenden Übergangs vom Kindergarten bis zum Ende der Jahrgangsstufe 2 entwickelt. Die Grundvoraussetzung anschlussfähiger Bildung wurde dabei auch in Dokumentationsmaterialien (Lerndokumentation Mathematik; vgl. Publikationen) deutlich.
Insbesondere in der Promotion, aber auch bereits vorab in der Mitarbeit im Projekt mathe 2000 standen Zahlenmuster und Zahlbeziehungen und ihre Bedeutung für die Kompetenzentwicklung von Kindern im Arithmetikunterricht im Mittelpunkt. Die Bedeutung beziehungsreicher, operativer Aufgabenstellungen wurde auch im Projekt SINUS (hier insbesondere Modul 1) vertieft erforscht.
In der Übersetzung der bundeweiten Bildungsstandards in eben solche tragfähigen Aufgaben, konnte die Expertise in die Entwicklungsarbeit von Aufgaben und Lernumgebungen sowie in die Beratung der Mitglieder der Projektgruppe Süd im Projekt ESMaG fruchtbar gemacht werden.
Im Anschluss an die Beschäftigung mit Zahlbeziehungen, ist der Forschungsschwerpunkt auf algebraische Denkentwicklungen auch als konsequente Erweiterung zu verstehen. Für ein algebraisches Verständnis von Gleichungen, von der konkreten (arithmetischen) Lösung, dem Ergebnis, abgerückt werden. Dies beginnt damit, Beziehungen zwischen Zahlen zu sehen, ohne das Ergebnis zu bestimmen bzw. bestimmen zu müssen. Ebenso können Gleichungen als Deutungen bzw. Übersetzungen von geometrischen Mustern bzw. von verbalen Ausdrücken (Zahlenrätseln) gesehen werden. Die Gleichung wird dabei als Verkürzung bzw. als ‚andere Sprache‘ kennen gelernt. Gleichheit kann auch darin bestehen, dass auf eine bestimmte Zahl Operationen ausgeübt werden, die jeweils die gleiche Wirkung haben. Dabei ist zu beachten, dass sich Operationen und Gegenoperationen aufheben und eine Operation auch durch verschiedene Teiloperationen ersetzt werden kann und umgekehrt.
Der Fokus der Untersuchung im Projekt Kinder auf dem Weg zur Algebra, das in einem Pre-Post-Testdesign angelegt ist und begleitend einen Quasi-Längsschnitt mit qualitativen Analysen von Videointerviews nutz, liegt darauf, Erweiterungen und Veränderungen der Sichtweise des Symbols des Gleichheitszeichens und der Veränderung der Sicht von Gleichungen als arithmetische ‚Ausführungsaufgaben‘ zu beziehungsreichen, algebraischen Aufgaben herauszuarbeiten. Universitätsinterne Forschungsmittel konnten die Auswertungen der Daten unterstützen. Die Ergebnisse werden im derzeitigen Buchprojekt (vgl. Publikationen) veröffentlicht.
In jüngsten bildungswissenschaftlichen Studien wurde die Bedeutung der Fachkompetenzen bei Lehrerinnen und Lehrern herausgestellt und damit die Schlussfolgerung nahe gelegt, die universitäre Ausbildung in diesem Sinne neu zu bewerten. Unter dem Schlagwort der Hochschuldidaktik kursieren etliche Ansätze, die den augenscheinlich gewachsenen Ansprüchen an Lehrpersonen gerecht zu werden versuchen. Insbesondere in Bezug auf fachliche Kompetenzen bleibt die Definition jedoch vielfach naturgemäß unpräzise, wenn sie aus bildungswissenschaftlicher Expertise heraus erwächst. Der aktuelle beantragte Forschungsansatz (BMBF und DFG) möchte hingegen die fachliche Fundierung dieser Definition in den Mittelpunkt stellen.
Ein weiterer Aspekt der Professionalisierung liegt in der Entwicklung geeigneter Instrumente zur Erfassung der passiven Kompetenzen (ggf. träges Wissen) und ebenso ihrer Performanz durch Lehrerinnen und Lehrern. Die vorliegenden Instrumente bleiben auch hier zumeist unspezifisch und thematisieren allgemeine Qualitäten von Unterrichtsgestaltung und -durchführung. Für die DFG Projektgruppe BiKS konnten erste Instrumente gezielt für den mathematischen Unterricht (hier in der Schulanfangsphase bis Ende Jahrgang 2) entwickelt werden. Die Adaption dieser ersten Instrumente für den Mathematikunterricht in weiteren Jahrgangsstufen bietet Potenziale für die Zukunft.