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News

24.04.13

Prüfungsvorbesprechungen

Die Prüfungsvorbesprechungen (BA-V-Modulprüfung und Magister/Diplom) werden im Rahmen eines Kandidatenseminars am 14.05.2013 stattfinden.
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17.04.13

BA-Arbeit im WS 2013/14

Seit heute können sich alle BA-Studierende, die planen, ihre Abschlussarbeit im WS 2013/14 zu schreiben, in eine Liste einschreiben, die am Schwarzen Brett aushängt.
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Karikaturenausstellung: Grobe Wahrheiten - Wahre Grobheiten


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Bamberg - Lemberg: Kowi-Studierende auf Exkursion in der Ukraine


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Tutorien im Sommersemester 2013 bei Herrn Holger Müller M.A.


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Aktuelle Meldungen aus der KoWi

Vortragsreihe "Journalismus und Web 2.0" im SS 08

Die „i-Kanzlerin“

[Bildquelle: Präsentation Wolfgang Stock]

Prof. Dr. Wolfgang Stock hat über den Vodcast von Angela Merkel referiert

Von Kathrin Garbe

Bereits seit vier Semestern findet nun die Vortragsreihe „Journalismus und Web 2.0“ statt – organisiert vom Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft und der Forschungsstelle „Neue Kommunikationsmedien“ (FoNK), finanziert von „feki.de“. In diesem Sommersemester hat sie jetzt Prof. Dr. Wolfgang Stock, geschäftsführender Gesellschafter der PR-Agentur Convincet und Initiator des Video-Podcasts („Vodcast“) der Bundeskanzlerin ( externer Link folgt www.bundeskanzlerin.de), eröffnet.  

Den Zuhörern offenbarte sich während des 45-minütigen Vortrages ein Paradoxon: Ist der Vodcast der Bundeskanzlerin überhaupt im Bereich Web 2.0 anzusiedeln? Ihm fehlt ein entscheidendes Kriterium: die Interaktivität. Nach Angaben von Stock lässt das Bundespresseamt die Kommentarfunktion nicht zu. 

Das „Pod-enzial“ von Angela Merkel  

Stock hat eine Entwicklung der Mediennutzer hin zum „on demand“-Gebrauch beobachtet. Vor allem in Asien sei es alltäglich, das Handy als Fernseher zu benutzen und etwa auf dem Weg zur Arbeit seine Lieblingsserie zu schauen. Video-Podcasts, die MP4-Video-Dateien abspielen können und eine weiterentwickelte Form der Audio-Podcasts darstellen, machen es möglich. Eine neuartige Technik, die in Stocks Augen auch in Deutschland von jemandem repräsentiert werden musste. So kam ihm vor zwei Jahren die Idee, Bundeskanzlerin Angela Merkel – „Die Frau mit dem Handy, die immer simst.“ – wöchentlich „vodcasten“ zu lassen. Als Merkel-Biograph habe er die Kanzlerin damals schon gut gekannt und das Erkennen von Innovationen sei etwas, was die Bundeskanzlerin charakterisiere. Und so war Merkel von Stocks Vorschlag, einen Vodcast ins Leben zu rufen, begeistert und stimmte dem Vorhaben direkt zu. Anders das Bundespresseamt: Es benötigte für die Entscheidung Zeit. Erst einige Wochen später hatte der Vodcast der Bundeskanzlerin dann Premiere. Angela Merkel wurde die weltweit erste vodcastende Regierungschefin.

 

[Bildquelle: Heiko Aumüller]

„Nicht hippig, nicht cool“, aber: in einem jugendlichen Medium 

„Nicht gerade von den Sesseln gerissen“ habe es die Zuschauer der ersten Folgen von „Die Kanzlerin direkt“, erinnert sich Stock. Angela Merkel habe den Spagat schaffen müssen – und dies gelte nach wie vor –, die Würde ihres Amtes in diesem jugendlichen Medium zu bewahren. Sie dürfe „nicht hippig, nicht cool“ auftreten, allerdings auch nicht „staatsmännisch“ und „behäbig“. Die Zielgruppe, die mit dem Vodcast angesprochen werden soll, ist jung, dynamisch und technik-affin. Der Podcast richtet sich an den so genannten stereotypen Podcatcher, der nach Stocks Angaben durchschnittlich Ende 20 und in gehobener Gehaltsklasse angesiedelt ist sowie vornehmlich aus Informations- und Weiterbildungsgründen podcastet. 

An den Gatekeepern vorbei

Im Video-Podcast werden aktuelle Themen und Anlässe angesprochen, über die Presse und Rundfunk sowieso berichten. Warum also der wöchentliche Vodcast? Dies ist eine der zentralen Fragen, die sich der Referent, aber auch die Bundeskanzlerin anfangs gestellt haben. Die Antwort: „Im Idealfall werden Inhalte an den Gatekeepern vorbei direkt in der Zielgruppe platziert.“ Die Kanzlerin direkt, das sei das Ziel gewesen. Mit dem Vodcast könne Merkel komplexe Themen in mehr als nur wenige Sekunden lang dauernden Sound-bites ansprechen. 

Kanzlerin direkt – User indirekt  

Mittlerweile hat der Vodcast laut Stock monatlich eine Millionen Aufrufe, „hartnäckige Fans“ hätten ihn sogar abonniert. Auf der Webseite des Vodcasts besteht aber keine Kommentierungsmöglichkeit für die User. Zu Beginn hatte Angela Merkel die Nutzer noch gebeten, ihr E-Mails zu schreiben. Das habe jedoch nicht funktioniert. Kommunikationswissenschaftsstudenten aus Potsdam hätten daraufhin das Forum externer Link folgt www.direktzurkanzlerin.de  entwickelt, das einen indirekten Austausch ermögliche. 

Quotendruck im Kanzleramt?  

Gerade Stocks Bezeichnung für die User als „Kunden“, aber auch die mangelnden Reaktionsmöglichkeiten des Publikums sorgten im Anschluss des Vortrages für eine lebhafte Diskussion. Wenn Angela Merkel Kunden bedient, gerät sie dann nicht auch unter kommerziellen Druck? Muss eine Kanzlerin zur Entertainerin werden? Stock sieht darin keine Gefahr, da die Bundeskanzlerin in den bestehenden Normen „eingezwängt“ sei. Zugleich wagte er einen Ausblick: Als CDU-Vorsitzende könne sie im kommenden Bundestagswahlkampf eine „peppigere Sendung“ auf der Homepage ihrer Partei versuchen. Nicht zuletzt, weil andere Parteivorsitzende wie Guido Westerwelle (FDP) inzwischen auch in der virtuellen Welt vertreten seien. 

Die „i-Kanzlerin“

[Bildquelle: Heiko Aumüller]

Am Ende blieben Fragen offen  

Was die Studenten außerdem beschäftigte: Will das Bundeskanzleramt überhaupt die Reaktionen aus dem Volk? Sollten Journalisten den Vodcast der Kanzlerin als Quelle für O-Töne tatsächlich nutzen? Nicht alle Fragen konnten an diesem Abend geklärt werden. Vielleicht liefert der nächste Vortrag in der Reihe dazu noch Antworten. 

Nächster Vortrag:„Journalismus – Teilhabe – Aufklärung. Wie viel Partizipation verträgt die Profession?“, Prof. Dr. Barbara Witte, Donnerstag, 26. Juni 2008, 20.15 bis 21.45 Uhr, U7/105 http://www.uni-bamberg.de/kowi/leistungen/transfer/gastvortraege/vortrag_barbara_witte_vom_260608/

 

Hier steht die Präsentation von Wolfgang Stock zum pdf Download bereit.