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News

24.04.13

Prüfungsvorbesprechungen

Die Prüfungsvorbesprechungen (BA-V-Modulprüfung und Magister/Diplom) werden im Rahmen eines Kandidatenseminars am 14.05.2013 stattfinden.
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17.04.13

BA-Arbeit im WS 2013/14

Seit heute können sich alle BA-Studierende, die planen, ihre Abschlussarbeit im WS 2013/14 zu schreiben, in eine Liste einschreiben, die am Schwarzen Brett aushängt.
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Karikaturenausstellung: Grobe Wahrheiten - Wahre Grobheiten


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Bamberg - Lemberg: Kowi-Studierende auf Exkursion in der Ukraine


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Tutorien im Sommersemester 2013 bei Herrn Holger Müller M.A.


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Aktuelle Meldungen aus der KoWi

Die Nachrichten hinter den Nachrichten

Redaktionsleiter Sadrozinski über das Blog von tagesschau.de

[Bildquelle: Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft/ Aumueller]

Von Kathrin Garbe

Den Auftakt der Reihe „Journalismus und Web 2.0“ im Jahr 2008 machte Jörg Sadrozinski vom Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Er leitet seit Mitte 1998 den Internetauftritt der Tagesschau.

Sadrozinski referierte über das Thema „blog.tagesschau.de – der Blick hinter die Nachrichten der Tagesschau“. In seinem Vortrag sprach er über die Entstehung und Entwicklung der Homepage tagesschau.de sowie über die Integration von Weblogs.

 

Der Anfang von tagesschau.de

Den Internetauftritt der Tagesschau, tagesschau.de, gibt es bereits seit 1996. Damals wurden Nachrichtensendungen von ARD-aktuell ins Netz gestellt, ein Angebot, das es laut Sarkozinski in Europa zum ersten Mal in diesem Format gab. Man wollte über das Medium Internet permanent und zeitunabhängig Zugang zu Informationen bieten. Um die neue Sparte auf Dauer zu etablieren, wurde 1999 beschlossen, mit einer Online-Redaktion als Teilbereich der Fernsehredaktion ein eigenes Programm für den Internetauftritt zu entwickeln.  

[Bildquelle: Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft/ Aumueller]

TV und Online im Konflikt

Die Online-Redaktion konnte Themen wegen der schnelleren Produktionsabläufe aktueller präsentieren. Es kam zum Konflikt zwischen den Redaktionen. Die „Fernsehleute“ vertraten die Auffassung, dass tagesschau.de keine anderen Aufmacher haben könne als die Tagesschau im Fernsehen. „Internet funktioniert anders“, versicherte dagegen Sadrozinski. Deswegen wurde schließlich eine autonome Online-Redaktion gebildet, die bis heute dem Norddeutschen Rundfunk unterstellt ist. Diese erarbeitet Dossiers, Hintergrundberichte und aktuelle Meldungen für die Homepage. Zum Teil werden auch Hörfunk-Manuskripte verwendet. „Hörfunk ist dem Internet näher als das Fernsehen“, so Sadrozinski, zumindest was das Texten angehe, da es ebenfalls vom „Kopf-Kino“ lebe.

Korrespondenten als Blogger im Wahlkampf

2004 gab es im Rahmen des amerikanischen Wahlkampfes die ersten Versuche, Hörfunk-Korrespondenten bei tagesschau.de bloggen zu lassen. Allerdings wussten die wenigsten, was eigentlich ein Blog ist. Ein kurzer Einspalter auf der Medienseite der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „ARD mit den Bloggern“ versetzte die ARD-Chefetage in Aufruhr, da niemand von diesem Randprojekt und vor allem niemand etwas mit „Bloggern“ anzufangen wusste. Für Sadrozinski brauchte es noch einige Überzeugungsarbeit zur Durchsetzung des Blogs.

Bei der Bundestagswahl 2005 versuchte er es ein weiteres Mal mit mobilen Bloggern. Die Berliner Korrespondenten waren angewiesen, von Wahlkampfveranstaltungen zu bloggen, um  einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Dieses „Mob-Blog“ hat laut Sadrozinski so große Resonanz erfahren, dass der Server zusammengebrochen ist. Der Erfolg festigte die Idee, Journalisten auf Dauer bloggen zu lassen. Nicht zuletzt, um jüngeres Publikum anzusprechen. Der Altersdurchschnitt der Tagesschau-Zuschauer liegt nach Angaben von Sadrozinski bei 59 Jahren. Mit Bloggern, die zum Großteil der werberelevanten Gruppe der 14 bis 29 Jahre alten Zuschauer angehören, könne eine Verjüngung erleichtert werden, so Sadrozinski.

[Bildquelle: Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft/ Aumueller]

Start des Corporate-Blogs von tagesschau.de

Mit den Worten „Los geht´s“ startete 2006 ganz offiziell das Corporate-Blog von tagesschau.de. Da der Anfang recht schleppend war und Sadrozinski den Korrespondenten wortwörtlich „hinterherlaufen“ musste, um sie zum Bloggen zu motivieren, musste das Konzept noch einmal verändert werden.

Wer bloggt?

Auf Sadrozinskis Bitte hin erklärten sich die Chefredakteure der Nachrichtenredaktion der Tagesschau, Thomas Hinrichs und Dr. Kai Gniffke, dazu bereit, regelmäßig Einträge zu verfassen. Sie starteten Anfang 2007 aus aktuellem Anlass mit der kontrovers diskutierten Frage, ob man die Hinrichtung Saddam Husseins öffentlich im Fernsehen zeigen dürfe. Das wurde mit 140 Reaktionen der User quittiert.

Die Chefredakteure entwickelten mit der Zeit einen sportlichen Ehrgeiz, wer die meisten Kommentare bekomme. Ihre Hauptmotivation nach Sadrozinski: Das Bloggen ist das „einzige Mal am Tag, an dem die Chefredakteure journalistisch arbeiten können“.

Der Tag ist allerdings manchmal auch die Nacht, denn einige Einträge werden zum Teil um ein Uhr morgens oder noch später verfasst. Das hat schon einige zu der Annahme verleitet, dass der Blog von Ghostwritern geführt werde. Diesen Vorwurf weist Sadrozinski zurück.

[Bildquelle: Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft/ Aumueller]

Wer blockiert?

Inhaltlich würden bewusst keine Regeln auferlegt und man bemühe sich nicht um Objektivität. Den Bloggern werde freie Hand gelassen. Und nur etwa fünf Prozent der Kommentare müssten abgewiesen werden. Die Option der Freischaltung von Kommentaren sei wichtig, da die Konkurrenz unethische und illegale Inhalte gegen den Sender verwenden könnte. Die Öffentlich-Rechtlichen könnten zwar als einzige, so Sadrozinski, „den Mut haben“, sich auf eine Selbstregelung des Blogs zu verlassen, da sie nicht von Werbepartnern abhängig sind, es bleibe aber eine „schwierige Gratwanderung“.

Das Blog wurde 2007 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet. Sadrozinskis Zahlen verzeichnen täglich 5.000 Visits und 20.000 Page Impressions für blog.tagesschau.de. Der durchschnittliche User ist, was mit den Befunden der ARD/ZDF-Online-Studie übereinstimmt, männlich und höher gebildet. Sein Alter liegt mit durchschnittlich 40 Jahren weitaus unter dem normalen Schnitt der ARD-Zuschauer.

Die Redaktion soll vergrößert werden

Es soll noch weiter gehen, besonders was die Anzahl der Blogger betrifft. Sadrozinski möchte Auslandskorrespondenten aus Gegenden, die in der alltäglichen Berichterstattung weniger präsent sind, und Redaktionsmitglieder für das Bloggen gewinnen, um nicht nur die Meinung der Chefs zu haben. Auch Moderatoren wie Tom Buhrow, Sprecher der Tagesthemen, soll hinzugezogen werden.

Für die Journalisten ist die zusätzliche Aufgabe als Blogger insofern eine Bereicherung, als dass sie über den direkten Kontakt mit den Usern und deren Feedbacks eine Möglichkeit haben, den eigenen Beruf zu reflektieren und kritischer mit der eigenen journalistischen Arbeit umzugehen.

 

Für weitere Informationen steht die Präsentation von Jörg Sadrozinski zum pdf Download bereit.