24.04.13
Die Prüfungsvorbesprechungen (BA-V-Modulprüfung und Magister/Diplom) werden im Rahmen eines Kandidatenseminars am 14.05.2013 stattfinden.
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17.04.13
Seit heute können sich alle BA-Studierende, die planen, ihre Abschlussarbeit im WS 2013/14 zu schreiben, in eine Liste einschreiben, die am Schwarzen Brett aushängt.
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Von Nadine Klaunig
Der Chefredakteur von
www.jetzt.de, Dirk von Gehlen, hat beim ersten Vortrag der Reihe „Journalismus und Web 2.0“ im Wintersemester 2007/08 über User-Generated Content referiert und dabei einen Einblick in die Redaktionsarbeit des Jugendmagazins jetzt.de gegeben.
Dirk von Gehlen beginnt seinen Arbeitstag in der Regel als „normaler“ User der Onlineplattform des Jugendmagazins der Süddeutschen Zeitung. Er ist damit einer von 240.000 Nutzern, die monatlich die Website besuchen. 110.000 von ihnen sind registriert. Seit 2001 setzt die Redaktion auf Community und Blogs. Das Heft, das wöchentlich der SZ beigelegt wurde, ist im Sommer 2002 eingestellt worden. Der Onlineauftritt wurde damit nicht nur zum Hauptboot, sondern auch zum „reichweitenstärksten Webangebot für Jugendliche in Deutschland“, so von Gehlen. Mittlerweile erscheinen wöchentlich zwei gedruckte Seiten in der Süddeutschen Zeitung, auf denen die besten Beiträge teils von den journalistischen Profis, teils aber auch von den Laien veröffentlicht werden. Einmal auf den Bayern-Seiten und einmal im München-Teil. Die Zielgruppe von jetzt.de sind laut von Gehlen „Leute, die mehr Fragen ans Leben haben als Antworten“. Das Onlineangebot soll Menschen mit einer kritischen Grundhaltung ansprechen. Hauptanliegen des Magazins ist es eine Plattform zu sein für „Themen, die mich selbst betreffen und dabei den Anspruch der SZ und junge Glaubwürdigkeit vereinen“, sagt von Gehlen.
Die Nutzer spielen die entscheidende Rolle. Denn sie haben die Möglichkeit, sich öffentlich über bestimmte Themen zu äußern. Aktive Nutzer und Leser haben so die Chance, auf publizistische Prozesse einzuwirken. Das Charakteristikum von User-Generated Content ist, dass die Grenze zwischen Sender und Empfänger verschwimmt. Zu den Aufgaben der Redaktion gehört es dabei vor allem, die Struktur vorzugeben, Themen zu bestimmen und die Rezipienten zu bestimmten Inhalten zu lenken. Nicht nur Profi-Journalisten, sondern beispielsweise auch User wie blümchen84 oder farilari liefern den Input. Die Leistung des Teams von jetzt.de liegt in der Themenfindung und in der Themenergänzung, die klassische Themenbearbeitung fällt größtenteils weg.
Für von Gehlen ist die Vor- und Nachbereitung beinahe gleichgewichtet. Während beim traditionellen Journalismus die Nachbereitung mit der Veröffentlichung aufhört, beginnt sie für die fünf Redakteure von jetzt.de und deren freien Mitarbeitern erst danach.
Die Anzahl der erreichten Rezipienten ist nicht mehr allein ausschlaggebend. Wichtig ist vielmehr, wie die User auf die Texte reagieren. Schreiben, Filmen und Sprechen sind nicht mehr die primären Aufgaben des Onlinejournalisten. Die Auswahl und die Gewichtung der Beiträge durch den Profi werden zunehmend wichtiger. „Die lineare Abfolge Schreiben – Veröffentlichen – Neues beginnen ist aufgebrochen worden“, so der Chefredakteur von jetzt.de. Redaktion und Community müssen stets miteinander verbunden werden. Die Reaktionen auf die publizierten Texte in Form von User-Kommentaren müssen wiederum bearbeitet werden – ein Berufsfeld mit Zukunft, das nach von Gehlen bisher zu wenig beachtet wird.
Auf jetzt.de veröffentlichte Themen müssen mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen: Aktualität, Lebenswelt und Gesprächswelt. Aktuell ist das, was noch nicht behandelt wurde bzw. in einer neuen Form auftaucht. Gesprächswert hat all das, was „ich weitererzählen möchte“, so von Gehlen.
Die Aufgabe des User-Generated Content ist es „Bedürfnisse zu wecken für etwas, von dem wir noch nicht wissen, dass wir dafür Bedürfnisse wecken können“, erläutert von Gehlen. Auf die Frage nach der Zahlungsmoral von jetzt.de antwortete er, dass die Seite auf einer Ebene der Sympathie funktioniere. Die Motivation für eine Veröffentlichung im WorldWideWeb sei nicht finanzieller Art, sondern die, sich mitzuteilen. Dirk von Gehlen geht es darum, neue Wege zum hochwertigen, qualitativen Journalismus interessant zu machen und ihn an das Leben junger Menschen anzupassen. In der Umsonst-Kultur im Internet hat eine große Menge Content nicht unbedingt mit Qualität zu tun. Daher müsse die publizistische Leistung der Redaktion darin gesehen werden, auszuwählen und zu gewichten. Es dürfe nicht negativ darüber geurteilt werden, dass die Laienjournalisten, selbst dann wenn ihre Beiträge in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht würden, kein Geld dafür bekommen. Schließlich würde ihnen die Plattform jetzt.de kostenlos zur Verfügung gestellt.
Über die Erfahrungen, die tagesschau.de mit der Einführung eines Blogs gemacht hat, referiert der Leiter der Onlineredaktion der Tagesschau, Jörg Sadronzinski, beim nächsten Vortrag der Reihe „Journalismus und Web 2.0“. Dieser findet am Donnerstag, den 17.01.08, um 18:30 Uhr statt (An der Universität 7, Hörsaal 105). Nähere Informationen dazu finden Sie hier.