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News

24.04.13

Prüfungsvorbesprechungen

Die Prüfungsvorbesprechungen (BA-V-Modulprüfung und Magister/Diplom) werden im Rahmen eines Kandidatenseminars am 14.05.2013 stattfinden.
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17.04.13

BA-Arbeit im WS 2013/14

Seit heute können sich alle BA-Studierende, die planen, ihre Abschlussarbeit im WS 2013/14 zu schreiben, in eine Liste einschreiben, die am Schwarzen Brett aushängt.
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Karikaturenausstellung: Grobe Wahrheiten - Wahre Grobheiten


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Bamberg - Lemberg: Kowi-Studierende auf Exkursion in der Ukraine


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Tutorien im Sommersemester 2013 bei Herrn Holger Müller M.A.


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Aktuelle Meldungen aus der KoWi

Von „Gatekeepern“ zu „Gatewatchern“

Christoph Neuberger über den Einfluss des Web 2.0 auf den Journalismus

von Anna-Maria Schatz

Ist der Journalismus in Zeiten des Web 2.0 ein Auslaufmodell? Prof. Dr. Christoph Neuberger gab im Rahmen der Vortragsreihe „Journalismus und Web 2.0“ mit Hilfe seiner neuesten Forschungsergebnisse Antworten auf die Frage „Wie das Web 2.0 den Journalismus verändert“.

Die öffentliche Kommunikation in Zeiten des Web 2.0

[Bildquelle: Heiko Aumüller]

Neuberger widerspricht der Sichtweise, dass das Web 2.0 die Öffentlichkeit stärker fragmentiert. Er argumentiert viel mehr, dass die Öffentlichkeit durch das Web 2.0 eine neue Dimension gewinne, eine integrierte Öffentlichkeit, die sich nicht mehr allein auf den „Gatekeeper“ Journalist stützt. Dafür stehen heute neue Formate wie Weblogs, verschiedene Nutzerplattformen und Suchmaschinen zur Verfügung.


Im Zeitalter des Web 2.0 sieht Neuberger insbesondere drei Vermittlungsleistungen auf die Journalisten zukommen. Erstens, so Neuberger, müssten sie als „Gatewatcher“ beobachten, „was die Schleusen passiert“ und so versuchen, die Qualität der Informationen im Internet sicherzustellen. Zweitens müsse die öffentliche Kommunikation auf den eigenen Nutzerplattformen moderiert werden. Drittens gebe es außerhalb des Internets noch immer „Gatekeeper“, da gewisse Themen weiterhin professionell recherchiert werden müssen.

Identitätsprobleme, Integration oder Komplementarität?

Kann die Partizipation im Web 2.0 diese Aufgaben übernehmen und den Journalist als Vermittler, wenn vielleicht nur in Teilen, ersetzen? Anzeichen dafür gibt es. Zum Beispiel zeigt die Nachrichtenplattform „wikinews“, dass der Partizipationsjournalismus durchaus konkurrenzfähig geworden ist, vor allem wenn es um „special-interest“-Themen geht. Auch lesen die Redaktionen traditioneller Medien Weblogs, was die Themenwahl der Redakteure beeinflusst. Technische Dienste wie RSS-Feeds, „Tagging“ oder Nachrichtensuchmaschinen wie „Google News“ bereiten Artikel auf und stellen sie der Öffentlichkeit zur Verfügung.

[Bildquelle: Heiko Aumüller]

Allerdings sprechen auch viele Anhaltspunkte für eine weiterhin wichtige Rolle des Journalismus. Die Partizipation von Laien im Web 2.0 und der professionelle Journalismus ergänzen sich. Sie berichten übereinander und kritisieren sich gegenseitig. Mittlerweile bezieht der Journalismus das Web 2.0 in seine Arbeit ein. Die Internetauftritte von Zeitungen bieten Plattformen zur Diskussion, bei denen die Journalisten die Beiträge moderieren und organisieren. Die Rheinische Post ermöglicht ihren Lesern, eigene Beiträge und Fotos in ihrem Online-Magazin „Opinio“ zu publizieren. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) ließ bereits auf faz.net veröffentlichte Rohversionen von den Lesern kritisieren und über die Veröffentlichung von Artikeln online abstimmen. Diese Artikel wurden dann in der FAZ mit Kommentaren der Leser abgedruckt.

Profession Journalismus im Wettbewerb

Die Profession Journalismus wird nicht überflüssig, wie Neubergers Forschungsprojekt „Vermittlungsakteure, -strukturen und -leistungen der aktuellen Internetöffentlichkeit“ zeigt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zwischen 2006 und 2008 gefördert wurde. Die befragten Internetredaktionen schätzen Beiträge des klassischen Journalismus im Vergleich zu Weblogs als neutraler und verlässlicher ein. Im Gegensatz dazu werden an Weblogs eher die intensivere Diskussion der Themen und der leichtere Zugang der Nutzer zu den Autoren geschätzt. Auch technische Dienste werden zu Wettbewerbern: Google könnte laut 42 Prozent der Befragten eine große Konkurrenz zu anderen Nachrichtenanbietern werden.

Aus kommerzieller Sicht ist der klassische Journalismus noch nicht durch das Web 2.0 zu ersetzen. Etwa 70 Prozent der kommerziell-orientierten Internetmedien in Deutschland arbeiten noch nicht kostendeckend; im Gegensatz zu den USA, wo bereits viele professionelle Blogger von ihrer Tätigkeit leben.

Moderationsfähigkeit der Journalisten gewinnt an Bedeutung

[Bildquelle: Feki.de]

In der Diskussion im Anschluss an den Vortrag kam die Frage auf, inwiefern sich auch die Journalistenausbildung durch die neuen Anforderungen des Web 2.0 verändern muss. Neuberger ist der Ansicht, dass die Allgemeinbildung und eine klassische journalistische Ausbildung über alle Medien hinweg für einen guten Journalisten noch immer zentral seien. Heute sei es jedoch ebenso wichtig, zwischen dem Web 2.0 und den klassischen Medien vermitteln zu können, das heißt, die Inhalte des Web 2.0 zu nutzen und mit Nutzern in Verbindung treten können. Die Studie zeigt, dass Journalisten heute Internetangebote selbstverständlich zur Recherche heranziehen. Selbst Wikipedia geben vier von fünf Befragten als zuverlässige Quelle an. Der Nutzung des Web 2.0 können sich die Journalisten nicht entziehen - die partizipative Vermittlung unter Beteiligung der Nutzer steht aber noch am Anfang der Entwicklung.

Die Vortragsreihe „Journalismus und Web 2.0“

Die Vortragsreihe „ Journalismus und Web 2.0“ findet seit 2006 jedes Semester statt. Sie wird finanziell und organisatorisch von der studentischen Hochschulgruppe „ externer Link folgt Feki.de“ innerhalb der Veranstaltungsreihe „ externer Link folgt futuredays“ unterstützt.