24.04.13
Die Prüfungsvorbesprechungen (BA-V-Modulprüfung und Magister/Diplom) werden im Rahmen eines Kandidatenseminars am 14.05.2013 stattfinden.
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17.04.13
Seit heute können sich alle BA-Studierende, die planen, ihre Abschlussarbeit im WS 2013/14 zu schreiben, in eine Liste einschreiben, die am Schwarzen Brett aushängt.
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Von Kathrin Garbe
Der Titel des Vortrages aus der Reihe „Journalismus und Web 2.0“ – finanziert von
„Feki.de“ – ließ erahnen, dass Prof. Dr. Barbara Witte, Inhaberin der Professur für Rundfunkjournalismus und Onlinekommunikation an der Hochschule Bremen, Journalismus aus Sicht der Aufklärung bis hin zu den neuen Partizipationsmöglichkeiten durch Web 2.0 betrachten würde. Tatsächlich starteten die Zuhörer aber in der Antike, schossen in DSL-Geschwindigkeit von Kant zur Kommentarfunktion der Onlinemedien, um schließlich in einer regen Diskussion über die Form von Journalismus im Zeitalter von Web 2.0 zu landen.
Was hat Sisyphos mit der Aufklärung zu tun oder mit der Profession der Journalisten? Ist es etwa die „ewig wiederkehrende und scheinbar nutzlose Arbeit?“ Witte erläuterte das aufklärerische und journalistische Potenzial des Helden der griechischen Mythologie wie folgt: Sisyphos habe an den Herrschenden gekratzt und erweise sich so als moderner Mensch im Kantschen Sinne. Sisyphos rollender Stein metaphorisiere „die Krux der Inhalte“ im digitalen Zeitalter.
Aus der Perspektive Adornos warf die Referentin anschließend einen kritischen Blick auf die Inhalte von Journalismus und stellte heraus, dass die Programmatik der Aufklärung, vor allem im journalistischen Bereich, „janusköpfig“ sei. Einerseits stehe Kant für die Emanzipation des Menschen, andererseits sei die Reduktion von Komplexität die Kernaufgabe eines Journalisten. Schwierige Inhalte sollten demnach möglichst einfach dargestellt und erklärt werden. Nichtsdestotrotz gehöre die Partizipation der „einfachen Leser“ zum journalistischen Konzept der Aufklärung.
Moderne Beispiele für die Partizipation von Rezipienten sind „bildblog“ oder „indymedia“. Diese und adäquate partizipative Online-Medien haben ihren Ursprung bereits in den 1970er Jahren, wie Witte schilderte. Die Alternativmedien von damals hätten den Anspruch eines Bürgerjournalismus erhoben, Partizipation sei so institutionalisiert worden. Mit der Digitalisierung sei dann die Vereinfachung von Partizipation gekommen, sagte Witte.
Für die Journalisten sei es heute wichtig, zu erkennen, dass Web 2.0 nicht nur einen technischen Fortschritt bedeute, sondern zudem eine Entwicklung von Partizipation. Man dürfe Blogs, Wikis und Co. nicht als „kompletten Unsinn“ abstempeln. Aber wie gehen Journalisten mit der neuen sozialen Software um? Einige Beispiele Wittes zeigen den divergenten Umgang von Journalisten und Medien mit den neuen Partizipationsmöglichkeiten. Während das Nachrichtenportal „zoomer“ seine User bereits darüber abstimmen lässt, in welcher Reihenfolge journalistische Themen auf die Agenda kommen, sind andere Medien vorsichtiger. Auf den Seiten von „sueddeutsche“ und „focus“ ist das partizipative Element der Kommentarfunktion zum Beispiel eingeschränkt. Ein Grund: der große Arbeitsaufwand der Moderation.
Die „Bild“-Zeitung hatte es vorgemacht: Die Einbindung von Fotos und Geschichten von Leserreportern beeinflussen den Journalismus. Online gibt es inzwischen zahlreiche Angebote, die von Amateurjournalisten erstellt werden - etwa „Deutschlandreporter“. Auf deren Seite ist etwa eine Anleitung zu finden, wie man in wenigen Schritten zum Videojournalisten wird. Billiger Content für die Betreiber, ein „Mekka der Partizipation“ für die User, wie Witte sagte. Die Frage nach der Qualität solcher Beiträge wurde in der Diskussion nach dem Vortrag angesprochen. Und: Ist das überhaupt Journalismus und wird er als solcher wahrgenommen? Ein wesentlicher Punkt liegt wohl in der Verbreitung. Die neuen Angebote können den massenmedialen Anspruch nicht erfüllen; sie sind in der Bevölkerung nicht dementsprechend verbreitet.
Der Blick in die Vergangenheit kann Erkenntnisse für die Zukunft bringen. So wird es vermutlich den meisten Zuhörern dieses Vortrages gegangen sein. Eine Erkenntnis aus dem Publikum lautete: Wirklich guter Journalismus ist Information. Der Journalist sollte als Wegweiser durch die Informationsflut fungieren, dann verträgt die Profession auch den steigenden Grad an Partizipation durch die soziale Software.