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Zweimal "Frau" heißt "hübsch"

DQQD XQG SDXO VLQG LQ. Nicht zu entziffern? Die jungen Studenten der Kinderuni Bamberg können das jetzt lesen. Bei der ersten Vorlesung erfuhren sie alles Wissenswerte über unsere und fremde Schriften.

Von Barbara Feneberg

Ausgestattet mit Studentenausweis und Schreibunterlagen lauschten 120 Kinder am 24. Juni dem Sprachwissenschaftler Professor Helmut Glück, der alles über das Schreiben erklärte: ?Aus Punkten werden Striche, aus Strichen werden Wörter und aus Wörter werden Sätze.? Er erklärte den jungen Studenten, warum man das L wie ein L schreibt und nicht wie ein T, warum es Schreiberegeln für alle geben muss und weshalb die Menschen in China unsere Schrift nicht verstehen können. ?In China steht ein Schriftzeichen für eine ganze Silbe und je nach Kombination bedeutet es etwas anderes?, so Professor Glück. ?Steht das Zeichen für ?Frau? zweimal hintereinander, so bedeutet das ?hübsch?.? Alle Fragen rund um das Thema Schrift und Sprache wurden beantwortet: Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt? Worauf wurden früher Briefe geschrieben und wie entziffert man fremde Schriften?

 

Achtung! Geheim!

Begeistert waren die jungen Studierenden vor allem von der neuen Geheimschrift nach Caesar. Kaum war das System der Schrift erklärt, wuchs der Lärmpegel im Hörsaal merklich an. Überall wurde getuschelt und ausgemacht die neue Schrift demnächst in der Schule auszuprobieren.

 

?Später will ich unbedingt studieren!? betont die 9-jährige Mareike nach der Vorlesung. ?Ich weiß zwar noch nicht was, aber ich glaube studieren macht Spaß.? Auch Professor Glück beurteilt die Vorlesung vor Kindern positiv. ?Es ist doch mal etwas anderes und der Stoff ist natürlich viel anschaulicher.? Er habe sich bei seiner Vorbereitung erinnert, welche Fragen seine Kinder in diesem Alter gestellt hätten. ?Als Sprachwissenschaftler wollte ich natürlich etwas aus meinem Gebiet machen und unbekannte Schriften faszinieren immer.?

 

Tatsächlich drängen sich auch noch nach der Vorlesung die Kinder um den Professor und stellen Fragen. Andere begutachten das mitgebrachte Papyrus und die Steine mit fremden Schriftzeichen.

 

Jedes Semester Kinderuni

?Ich finde Kinderuni echt gut?, erklärt der 12-jährige Benedikt, der auch schon im Wintersemester an Vorlesungen teilgenommen hatte. Damals ging es um die Entstehung der Hose und um das Klonen. ?Vor allem ist es viel interessanter als Schule.?

Das liegt wohl in erster Linie an den Themen der Kinderuni. In diesem Semester ging es nicht nur um die Schrift, sondern auch um Kinderrechte und um die Frage, wie früher der Schulalltag aussah. ?Wir versuchen den Kindern speziell zugeschnittene und ungewöhnliche Themen zu bieten?, erklärt Ute Fuhrmann, Organisatorin der Kinderuni. Die gute Resonanz der Kinder zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Deshalb werden auch für das kommende Wintersemester schon wieder Themen gesucht. Vorschläge dazu gibt es bereits von den Kindern: Warum gibt es Geld? Wie wurden die Pyramiden gebaut? Woher kommt der Strom? Fragen, die noch beantwortet werden wollen. Anfang Dezember geht es weiter. HQGH.

 

News Sommersemester 2004 vom 28.06.04