Der DJ und Autor Thomas Meinecke las aus seinem Roman "Musik"
Der Autor ist DJ, der Roman heißt "Musik" - das lässt flotten Textsound erwarten. Doch Thomas Meineckes wissenschaftsähnliche Prosa über D.H. Lawrence hörte nicht jeder gern.
Thomas Meineckes Stil ist wie Lakritze. Nein, nicht schwarz und aufgerollt, aber der Leser braucht Geduld und Ausdauer, bis er sich zum Kern vorgearbeitet hat. Meineckes Roman "Musik", den der Autor am 9. Dezember im Hörsaal 105 in der Reihe "Literatur in der Universität" vorstellte, kam beim Publikum ein bisschen zäh an. Wie bei Lakritze eben - es schmeckte nicht jedem.
Dabei konnte man anderes erwarten. Thomas Meinecke, 1955 in Hamburg geboren und seit seinem Gender-Trouble-Roman "Tomboy" (2000) ein renommierter Vertreter der Gegenwartsliteratur, ist nämlich auch DJ, selbst Musiker und vor allem großer Plattenfan. Zuhörer, die "Musik" noch nicht kannten, freuten sich also auf eine spannende Mischung, hofften auf eine innovative Melange für Geist und Ohr.
Enzyklopädisches statt Musik
Doch Thomas Meinecke wählte aus seinem Roman in erster Linie Textstellen, die sich auf den englischen Dichter D.H. Lawrence bezogen. (Meineckes Protagonist Kandis begibt sich auf die Spur des Genies, der zusammen mit seiner Geliebten für kurze Zeit in der Nähe von Wolfratshausen gelebt hat). Wie später klar wurde, war dieser Bezug der Grund für die Einladung des Autors. Denn schon am folgenden Tag sollten Mitglieder des Center of British Studies zu D.H. Lawrence tagen.
Der Zuhörer bekam also Passagen serviert, die in erster Linie enzyklopädische Züge trugen. Gespickt mit englischen Zitaten Lawrences, näherte sich Meineckes Romans hier dem Genre der wissenschaftlichen Abhandlung. Der Autor beweist zwar enormes Wissen, zeigt Bezugspersonen und Querverweise auf, doch vielen Zuhörern fiel es schwer zu folgen und Gefallen an dem zähen Stoff zu finden.
Hinzu kam die etwas hektische Vortragsweise des Autors. Meinecke machte es dem Leser wirklich nicht einfach. Einen Hauch zu schnell las er seinen anspruchsvollen Text, wirkte zeitweise unnötig verkrampft. Umso sympathischer am Ende Meineckes Geständnis, selbst nicht allzu verstehen, was er in seinem Roman geschrieben hat. Das dürfte so manchem Zuhörer die Angst vor einer Lektüre genommen haben. Vielleicht muss man der Lakritze eine echte Chance geben, sich durchbeißen und schließlich sehen, wie man sie verdaut. Ein Versuch sollte es wert sein.
News Wintersemester 2004/2005 vom 20.12.04