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Zeigen, was Musizierfreude heißt

Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert schäumt über vor witzigen Einfällen und verwegenen Melodien. Beim Semesterabschluss-Konzert des Bamberger Uni-Orchesters war das Stück einer der Höhepunkte.

Von Michael Preis

Üben ist lästig, das weiß jeder, der ein Instrument spielt. Manchmal hört man allerdings Stücke, die man so gern selber spielen würde, dass einem, um das eines Tages fertig zu bringen, die ganze Plackerei plötzlich nur noch halb so schwer fällt. Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert ist so ein Stück. Es könnte all die kleinen Mädchen und Jungen dort draußen, die noch nicht wissen, wohin mit ihrem musikalischen Talent, für die Trompete begeistern. Das Haydn-Konzert ist bedeutend, natürlich, vielleicht bedeutender als dasjenige von Hummel. Aber es schäumt nicht so über vor witzigen Einfällen. Hummels Konzert nimmt sich einfach ein bisschen weniger ernst. Es ist verwegen, voller eingängiger Melodien, beinah ein Gassenhauer.

 

Furiositätenkabinett

Vielleicht hat ja Rüdiger Schemm, der als vielbeschäftigter Trompetenlehrer wahrscheinlich ein Liedchen über Über und Nicht-Über singen kann, dieses Stück genau aus diesen Gründen im Repertoire. Am Sonntag, den 18. Juli, war er damit beim Semesterabschluss-Konzert des Bamberger Uni-Orchesters unter der Leitung von UMD Michael Goldbach zu hören. Und er gefiel. Zwar gab es im ersten Satz noch kleinere Tempodifferenzen zum Orchester, auch hätte man sich vielleicht den zweiten Satz etwas ruhiger gewünscht. Spätestens im Furiositätenkabinett des dritten Satzes aber waren Orchester und Solist einander sicher und boten einen fulminanten Ausklang dieses ersten Programmpunktes.

 

Danach gab es Borodins unvollendete dritte Symphonie, die in ihrer überschaubaren Zweisätzigkeit für ein Laienorchester die gleichen Vorzüge bietet wie Schuberts berühmtere Schwester. Es ist ein Werk, das man gerne öfter hören würde, reizvoll instrumentiert, melodienreich, und im Scherzo wird man traurig, dass das schon alles gewesen sein soll.

 

Stimmgewaltige, hochdramatische Interpretation

Weiter ging es dann mit Wagners Wesendonck-Liedern. "Besseres als diese Lieder", schrieb der Komponist am 9. Oktober 1858 an Mathilde Wesendonck, "habe ich nie gemacht, und nur sehr weniges von meinen Werken wird ihnen zur Seite gestellt werden können." Nun muss man einem Künstler ja nicht alles glauben, was er über die eigenen Produktionen erzählt, aber wer auf seinen Wagner nicht verzichten will, ist mit diesen Liedern sicher ebenso gut bedient wie mit den großen Bühnenwerken. Schade allenfalls, dass nur drei der fünf Gesänge gegeben wurden. Denn Mariella Baier hatte mit ihrer stimmgewaltigen und teils hochdramatischen Interpretation vor allem der "Schmerzen" ihre Zuhörerschaft begeistert.

 

Die souverän und intonationssicher agierende Sopranistin konnte zusammen mit dem gut disponierten Orchester unter seinem immer spitzbübisch-gutgelaunten Michael Goldbach dem zahlreich erschienenen Publikum noch einmal zeigen, was Musizierfreude heißt. Doch jetzt war man fast schon am Ende. Als Nachtisch gab es, so Goldbach, "wegen des schönen Anfangsakkords" noch einmal "Schmerzen". Dann viel Applaus für Solisten, Dirigent und Orchester. Eine zackige Verbeugung des Dirigenten Goldbach zum Publikum. Das Gleiche zu seinen Musikern. Und das Semesterabschluss-Konzert des Bamberger Uni-Orchesters war vorüber.

 

 

News Sommersemester 2004 vom 27.07.04