Die PISA-Misere hat ihr Gutes: In Bildungsforschung wird wieder investiert. Eine Bamberger Forschergruppe untersucht mit Unterstützung der DFG wie Kinder lernen und welche Rolle Kindergarten, Schule und Elternhaus dabei spielen.
Wann lernen Kinder was? Welche Rolle spielen dabei Kindergarten, Schule und Elternhaus? Auf welcher Grundlage werden Entscheidungen über den Schuleintritt und die Wahl der weiterführenden Schule gefällt? Die interdisziplinäre Forschergruppe ?Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und Formation von Selektionsprozessen im Vor- und Grundschulalter? (BiKS) an der Universität Bamberg hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Fragen empirisch zu untersuchen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hält das Bamberger Schwerpunktthema für besonders förderungswürdig und unterstützt fünf beantragte Teilprojekte in einem Zeitraum von drei Jahren mit einer Summe von insgesamt 2,3 Mio. Euro, inklusive einer C4-Professur.
Bildungsforschung Profilschwerpunkt in Bamberg
Eine besondere Stärke der Forschergruppe ist deren Interdisziplinarität: Die Prozesse des Kompetenzerwerbs und der Entscheidungsformierung im Vor- und Grundschulalter werden aus der Perspektive und mit den Kompetenzen der drei Disziplinen Psychologie, Soziologie und Pädagogik untersucht. An BiKS beteiligt sind die Bamberger Wissenschafter:
· Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach, Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik (Sprecher)
· Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, Lehrstuhl für Soziologie I)
· Prof. Dr. Gabriele Faust, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik)
· Prof. Dr. Sabine Weinert, Lehrstuhl für Psychologie I
· Dr. Steffen Hillmert, Assistent am LS für Soziologie I
· Dr. Christoph Mischo, Assistent am LS für Psychologie I
Durch eine umsichtige Berufungspolitik wurden in den letzten Jahren in Bamberg im Bereich von Psychologie, Pädagogik und Soziologie Schwerpunkte in empirischer Forschung gesetzt, die jetzt zu Synergien führen. Die Initiative von BiKS ist auch ein erster Schritt in Richtung eines ?Interdisziplinären Zentrums für Empirische Bildungsforschung im Vor- und Grundschulalter? (IZEB). Die Forschergruppe und das IZEB, in dessen Rahmen auch ein Graduiertenkolleg angesiedelt werden soll, führen zudem zu einer weiteren Vernetzung mit vorhandenen Strukturen und Ressourcen der Universität Bamberg, beispielsweise mit dem Bamberger Staatsinstitut für Familienforschung (ifb). Bildungsforschung kann dadurch dauerhaft zu einem Profilschwerpunkt an der Universität Bamberg werden.
Fünf Teilprojekte
Die Bewilligung schließt folgende fünf Teilprojekte ein:
- Rahmenprojekt: Familiäre und institutionelle Bedingungen sprachlich-kongnitiver Kompetenzentwicklung und Formation von Bildungsentscheidungen im Vor- und Grundschulalter (Längsschnittstudien)
- Bedeutung von allgemeiner und bereichsspezifischer Anregungsqualität in Kindergarten und Familie für die frühkindliche Kompetenzentwicklung
- Entwicklungsbeziehungen zwischen kognitiv-sprachlichem Kompetenzerwerb, Selbststeuerung und Merkmalen der Erwachsenen-Kind-Interaktion
- Formation von Entscheidungsprozessen im Zusammenhang mit der Kompetenz: Übergänge im Grundschulalter
- Formation von Entscheidungsprozessen im Zusammenhang mit Bildungserwartungen und Kompetenzentwicklung: Übergänge in die Grundschule
Vorbereitungen laufen
Die Projektmittel sind ab Oktober bewilligt, was bedeutet, dass die Vorbereitungen jetzt schon auf Hochtouren laufen. Neben der Ausschreibung der C4-Professur müssen beispielsweise bereits Stichproben generiert, beteiligte Kindergärten festgelegt und Bewilligungen eingeholt werden. Im Oktober möchte man schließlich mit der eigentlichen Arbeit beginnen, so Roßbach für die Forschergruppe.
News Sommersemester 2004 vom 30.07.04