Die Bundesagentur für Arbeit will sich von einer behäbigen Riesenbehörde zum serviceorientierten Dienstleister und Kundenzentrum mausern. Ihr neuer Chef, Frank-Jürgen Weise, sprach vor Bamberger BWL-Studierenden über die schwierige Reform der BA.
Vormittags präsentierte er den Medien die Arbeitsmarktzahlen, am Abend des 6. Juli erläuterte Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der BA, Studierenden der Uni Bamberg den Reformweg von der Bundesanstalt zur Bundesagentur für Arbeit. Dass dabei das Controlling einen wichtigen Beitrag leiste, zeigte der gelernte Controller anhand einiger Zahlenspiele. Eingeladen hatte ihn Prof. Wolfgang Becker, Lehrstuhl für BWL, insbes. Unternehmensführung & Controlling.
?Die Bundesanstalt für Arbeit war nicht führbar?, sagte Weise zur Einleitung. Deshalb müsse nun vieles anders werden. ?Dabei wäre es aber besser gewesen, wir hätten erst umstrukturiert und dann umbenannt ? so hecheln wir dem Namen 'Agentur' hinterher.?
Mehr Zeit für den ?Kunden?
Die Reform der BA mit ihren 90.000 Mitarbeitern und einem Etat von 55 Milliarden Euro soll drei Ziele erfüllen: Orientierung am Service-Gedanken, kurze Wartezeiten und maßgeschneiderte Produkte. Dazu werden die Menschen, die zum Arbeitsamt kommen, in Gruppen eingeteilt. Die größte Gruppe stellen die Betreuungskunden dar, die nicht arbeitsfähig sind und zunächst beispielsweise eine Schuldner- oder Drogenberatung brauchen. Die so genannten Beratungskunden müssen zum Teil 'nur' gefördert werden ? zum Beispiel Frauen, die aus der Mutterschaft zurück in den Job wollen ?, zum Teil aber auch aktiviert werden wie beispielsweise Arbeitsuchende, denen erst klargemacht werden muss, dass sie Kompromisse eingehen müssen, um wieder eine Arbeit zu finden. ?Die Handlungsprogramme?, die aufgrund der Einteilung entwickelt wurden, ?helfen in 80 Prozent der Fälle?, so Weise.
In Zukunft sollen die BA-Mitarbeiter mehr Zeit für den einzelnen Arbeitsuchenden haben. ?Der Vermittler hatte bisher acht Minuten. Durch die Reform soll er 45 Minuten pro Kunde haben?, erläuterte Weise. Überhaupt stehe der ?Kunde? im Vordergrund. Während früher jeder in den Gängen des Arbeitsamtes lange habe warten müssen, werde jetzt jeder Einzelne am Eingang empfangen und je nach Anliegen weitergeleitet. Dadurch kommen laut Weise nur noch jene Kunden ins Arbeitsamt, die auch mit einem Vermittler sprechen müssen. ?So kann die durchschnittliche Wartezeit auf zwölf Minuten verkürzt werden.?
Kein Vertrauen in den Vorstand
Um die Bundesagentur wieder lenkbar zu machen, wurde die Führung verschlankt. Statt neun gibt es jetzt drei Vorstände. Alle Führungskräfte werden nur noch auf fünf Jahre berufen. Außerdem soll die Struktur der Agentur dezentralisiert werden. ?In Nürnberg werden in Zukunft ausschließlich Führungsaufgaben wahrgenommen, zum Beispiel die Sicherung der Qualität?, erläuterte Weise. Für die konkreten Prozesse der Arbeitsvermittlung seien dagegen die Regionaldirektionen verantwortlich.
Bei einer internen Befragung, an der sich laut Weise 60.000 Mitarbeiter beteiligt haben, kam unter anderem heraus, dass nur acht Prozent der Angestellten und Beamten Vertrauen in den BA-Vorstand haben. ?Da ist Raum für unglaubliche Verbesserung?, kommentierte Weise mit einem Augenzwinkern und fügte hinzu, dass er persönlich die Verantwortung dafür trage, wenn eine erneute Befragung nach der Reform nicht besser ausfalle.
Weise wies darauf hin, dass trotz aller Reformbemühungen der Verbesserung, die die Arbeitsagentur erreichen kann, Grenzen gesetzt sind. ?Wenn wir effizienter arbeiten, können wir einen Prozentpunkt Arbeitslosigkeit vermeiden. Der Rest ist Sache der Politik.?
News Sommersemester 2004 vom 20.07.04
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