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Windmühlen statt Schutzmauern

Der Dies academicus stand im Zeichen positiver Zukunftssignale und neuer Herausforderungen

Von Tanja Eisenach

Vieles wurde erreicht, aber neue Herausforderungen sind zu bewältigen: Der „Kapitän“ des sturmfesten Uni-Schiffes Godehard Ruppert (Bilder: Pressestelle)

Minister Thomas Goppel lobte die Profilbildung der Bamberger Universität

Die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre Betreuer haben allen Grund, stolz zu sein

Klaus van Eickels sprach über Ehe und Familie im Mittelalter

Profil schärfen, Engagement hoch halten, soziale Verantwortung wahrnehmen – Präsident Godehard Ruppert und Staatsminister Thomas Goppel zeigten sich beim Dies academicus am 12. November erfreut über das Potential und die Leistungsfähigkeit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Festredner Klaus van Eickels befürchtet allerdings negative Auswirkungen der Exzellenzinitiative.

Ein unverkennbar starker Wind blies der Bamberger Universität in den vergangenen Jahren ins Gesicht. Exzellenzinitiative und Zielvereinbarungen zwangen zum Auf- und Umbruch bestehender Strukturen sowie zur Entwicklung neuer Strategien, um in einer sich verändernden Hochschullandschaft nicht das Nachsehen zu haben. Es gelte, sich das Funktionsprinzip der Windmühle nutzbar zu machen, also dynamisch neue Wege zu gehen, statt Schutzmauern zu bauen und das bisher Erreichte zu konservieren. Dieses Bild gebrauchte der Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert beim diesjährigen Dies academicus am 12. November, gleichsam der Geburtstagsfeier der Universität.

Vieles habe man erreicht, aber Projekte wie der Ausbau des Alumni-Netzwerks und die internationale Vernetzung durch neue Forschungskooperationen seien noch zu bewältigen, stellte Ruppert fest. Kollegiale Schützenhilfe erhielt er hierbei von Michael Boehringer, Chair des Departments of Germanic and Slavic Studies an der University of Waterloo, Ontario, Kanada: In seinem Grußwort unterstrich er die enge Verbindung zwischen beiden Universitäten und kündigte neue Kooperationsmodelle an.

Bei der Lösung der anstehenden Aufgaben, so Ruppert, dürfe allerdings nie das oberste Ziel aus den Augen verloren werden: „Die Hochschule muss den öffentlichen Raum mitgestalten, die Freiheit gegenüber Macht und Politik verteidigen und junge Menschen zu Staatsbürgern erziehen, die das Gemeinwohl im Auge haben.“ Erst dies mache die Universität Bamberg wirklich wetterfest.

Mit geisteswissenschaftlichen Wurzeln Zukunft gestalten

„Gegenwind kam auch vom Ministerium“, gab Staatsminister Dr. Thomas Goppel in seinem Grußwort zu. Aber große Leistung habe seinen Preis, der Kurs der Konsolidierung sei unabwendbar gewesen. Auch die Studierenden müssten dabei persönliches Engagement für das Gemeinwohl erbringen. Studienbeiträge seien daher richtig und wichtig, versuchte er die doch erhebliche finanzielle Belastung zu rechtfertigen. Der Minister lobte zudem die sich in Bamberg sinnvoll ergänzende Trias von Geistes- und Kulturwissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Informatik. Dies sei ein zukunftweisendes Konzept und zugleich ein Bekenntnis für die Geisteswissenschaften.

Für wissenschaftlichen Nachwuchs ist ebenfalls gesorgt: Hervorragende Dissertationen und Habilitationen wurden am Dies academicus ausgezeichnet, Thomas Lörner erhielt den Preis für studentisches Engagement.

Schattenseiten der Exzellenzinitiative

Sehr viel skeptischer betrachtete Festredner Prof. Dr. Klaus van Eickels die aktuelle Lage der Bamberger Universität und damit auch den ministeriellen Windmühlenbau: Die Exzellenzinitiative gehe an den Bedürfnissen einer geistes- und kulturwissenschaftlich orientierten Universität vorbei. Gerade hier sei nicht die Homogenität der Forschungsinteressen, sondern die Erweiterung des Spektrums notwendig. Mit seinem Festvortrag „Ehe und Familie im Mittelalter“ wolle er daher die Relevanz einer historisch fundierten kulturwissenschaftlichen Forschung für das Verständnis des gegenwärtigen Geschehens unterstreichen: Die Traditionen von Ehe und Familie, um deren Bewahrung es in den aktuellen politischen Debatten gehe, seien nicht Traditionen des christlichen Mittelalters, sondern des bürgerlichen 19. Jahrhunderts. Das bedeute nicht, dass diese Traditionen schlecht seien; sie unterliegen jedoch dem historischen Wandel und müssten entsprechend immer wieder neu auf ihre soziale Funktionalität hin geprüft werden.

Auch hier bestehen also das Recht und die Pflicht, Windmühlen zu bauen. Allerdings, das wurde beim Dies academicus deutlich, ist die Erzeugung neuer Dynamik und Energien nicht per se ein Garant für sinnvolle und zukunftstragende Reformen.

Eine Bildergalerie zum Dies academicus finden Sie [ hier...]

Uni-Bamberg News vom 20.11.07