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Wettlauf der jungen Forscher

Nachwuchswissenschaftler präsentieren sich bei der Nacht der Forschung – erstmals Phoenix-Preis verliehen

Von Martin Nejezchleba

Nomen est omen: Karl-Heinz Renner zeigt in einem Selbstversuch, dass Langlauf ungemein motivierend sein kann. Neben ihm seine Kollegin Anja Geßner (Bilder: Monica Fröhlich)

Der kleinste Schnupfen, und sie lamentieren ohne Pause: Männer. Ob sie wirklich so wehleidig sind, klärte Miriam Kunz in ihrem Vortrag

Die „Jungen Phoenixe“ Sybille Enz und Carsten Zoll werden eingerahmt von Präsident Godehard Ruppert (links) und Vizepräsident Rainer Drewello

Natürlich, Bücher zu wälzen gehört auch zum Alltag eines jungen Wissenschaftlers. Aber Popmusik hören und einen Halbmarathon laufen? Bei der Nacht der Forschung überraschten die Bamberger Nachwuchswissenschaftler mit außergewöhnlichen Themen – zwei von ihnen wurden erstmals mit dem Phoenix-Preis ausgezeichnet.

Eine Universität zeichnet sich nach Humboldt durch die Einheit von Lehre und Forschung aus. Hohes Bildungsniveau und wissenschaftlicher Fortschritt soll so sichergestellt werden. Dass auch an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg nach diesem Prinzip gearbeitet wird, dürfte niemanden überraschen. Dass Bamberger Wissenschaftler erforschen, warum Menschen sich den Qualen eines Halbmarathons durch das Weltkulturerbe Bamberg aussetzen, dass sie der Frage nachgehen, ob Männer wehleidiger sind als Frauen und dass Literaturwissenschaftler sich mit Popsongs beschäftigen – das entspricht wohl weniger den allgemeinen Erwartungen.

Am 29. Juni fand in der AULA der Uni Bamberg die „Nacht der Forschung“ statt. Der wissenschaftliche Nachwuchs präsentierte bis Mitternacht seine Projekte in der ehemaligen Dominikanerkirche. In der Eröffnungsrede betonte Vizepräsident Prof. Dr. Rainer Drewello vor allem eines: „Die Vorträge zeigen, dass Wissenschaft nicht nur brottrocken ist. Sie kann durchaus Spaß machen.“ Um Förderungsgelder zu ergattern und ein breites Publikum anzusprechen, sei vor allem die richtige Präsentation entscheidend, so der Vizepräsident. 

Schäferhunde und Wandmalereien

Beim Wort nahmen ihn da vor allem die Psychologen Anja Geßner und Dr. Karl-Heinz Renner.  Letzterer legte nach seinem Vortrag zum Thema „Warum sie laufen. Motive, Bewältigung und Persönlichkeitsmerkmale von LangstreckenläuferInnen“ Hemd und Hose ab und joggte mit Laufklamotten und Sonnenbrille aus der AULA. Menschen, die sich freiwillig  beim Marathon quälen, verfolgen laut den Forschungen am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie vor allem drei Ziele: Selbstfindung, Attraktivität und Wettbewerb. „Die Läufer berichten dabei von überwältigenden und intensiven, positiven Emotionen“, erklärte Renner, bevor er das überraschte Publikum von seiner eigenen Leidenschaft für das Laufen überzeugte.

Für Überraschung sorgte auch der Vortrag von Martin Rehfeldt. Unter dem Titel „Claudia, ihr Schäferhund und die Bundesprüfstelle“ machte der Literaturwissenschaftler deutlich, dass die  Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien dringend das Wissen der Rezeptionsforschung zu Rate ziehen sollte, bevor sie vermeintlich gefährliche Pop-Songs auf den Index setzt. Anhand des pikanten Beispiels eines Stücks der Rockband „Die Ärzte“ argumentierte Rehfeldt für einen realistischeren Umgang mit Popkultur: „Dass Menschen Texte subjektiv unterschiedlich wahrnehmen, das zeigte jahrelang das literarische Quartett, wenn es sich darum stritt, um was es in einem Buch ‚eigentlich’ gehe. Jugendlichen scheint man solche Fähigkeiten nicht zuzutrauen.“

Das Glück, ihr Publikum direkt mit dem Objekt ihrer Forschung konfrontieren zu können, hatte die Restaurateurin Stephanie Fundel, die den aufwändigen Prozess der Konservierung der Wandmalereien in der Dominikanerkirche erläuterte. Fundel zeigte, dass ein einziger Pinselstrich Denkmalschützer zu ethischen Grundsatzdiskussionen anstacheln kann. Zuvor erfuhr das Publikum außerdem von Dr. Jan Schmidts Forschungen zum Web 2.0 und wurde von Dr. Maja Viethen über die Fragwürdigkeit von Krisenszenarien zur Zukunft deutscher Familien aufgeklärt. Dr. Miriam Kunz räumte mit dem Vorurteil auf, dass Männer wehleidiger sind als Frauen. Warum die in Stein gehauenen Verdammten des jüngsten Gerichts über dem Fürstenportal des Bamberger Doms sich vor Lachen biegen, erfuhren die Gäste schließlich in einem Vortrag von Stefan Bießenecker zur sozialen Unerwünschtheit des Lachens im Mittelalter.

Phoenix-Preis verliehen

Damit eine Universität innovativ forschen kann, ist sie heute zunehmend auf die Förderung von außen angewiesen. Um dies zu unterstreichen, wurde anlässlich der diesjährigen Nacht der Forschung erstmals der Phoenix-Preis verliehen. Von Professorinnen und Professoren der Universität und der Universitätsleitung gespendet, wird er an Nachwuchswissenschaftler verliehen, die sich besonders um Drittmittelförderung verdient gemacht haben. „Es wird immer wichtiger, dass bereits junge Nachwuchswissenschaftler Erfahrungen mit Drittmittelgebern und Stiftungen sammeln und Kontakte knüpfen“, erklärte Rainer Drewello. Die ersten beiden Phoenix-Preisträger sind die Psychologen Sibylle Enz und Dr. Carsten Zoll. Sie teilen sich 700 Euro.

Am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie beschäftigen sich die beiden Nachwuchsforscher mit der Problematik des Bullying. Sie arbeiten an neuen Konfliktlösungsstrategien zur Reduzierung der Gewalt an Schulen. Die Forschung läuft im Rahmen eines EU-Projektes, das den Bamberger Psychologen eine Förderung von rund 200.000 Euro eingebracht hat. Das Team um Enz und Zoll arbeitet an einem Computerprogramm namens „FearNot!“, in dem Schüler virtuell verschiedene Mobbing- und Gewaltszenarios durchleben können.

Auch Präsident Godehard Ruppert betonte die Wichtigkeit der Drittmittelforschung für die Entwicklung der Universität Bamberg, bevor er den ersten Phoenix-Preis an die strahlenden Gewinner überreichte. „Wir wollen diese Preisverleihung zu einer Tradition führen“, erklärte Ruppert und fügte hinzu, dass sich die Universitätsleitung verpflichtet hat, den von einem Professor gespendeten Betrag jeweils zu verdoppeln.

Eine Bildergalerie finden Sie hier.

News Sommersemester 2007 vom 02.07.07