Das ifb feierte im Rahmen einer Fachtagung seinen zehnten Geburtstag
Welche Ehepaare bekommen Kinder, welche nicht? In welchen Beziehungen finden sich "aktive" Väter? Nur zwei von vielen Fragen, die das Bamberger Staatsinstitut für Familienforschung (ifb) in den vergangenen zehn Jahren untersuchte.
Bereits seit 1994 gibt es das Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb). Mehr als 50 Studien wurden in diesen zehn Jahren durchgeführt. Das ifb verbindet wissenschaftliche Grundlagenforschung und angewandte Forschung und sieht in der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an Politik und Praxis eine seiner zentralen Aufgaben. Aufträge erhält das ifb vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, von verschiedenen Bundesministerien (z.B. Familien, Justiz, Soziale Sicherheit), von der DFG sowie von verschiedenen Stiftungen. Aus Anlass des Jubiläums wurden nun im Rahmen einer Fachtagung ausgewählte Arbeiten des ifb, eingebettet in einen größeren wissenschaftlichen Kontext, vorgestellt. Dazu konnte der Leiter des Instituts, Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, rund 60 Teilnehmer begrüßen.
Der erste Themenblock widmete sich der Fertilitätsforschung. Einen Überblick über die unterschiedliche Fertilität in Abhängigkeit von den familienpolitischen Strategien der EU-Länder bot Prof. Dr. Wolfgang Walter (Würzburg). Daran anschließend zeigten zwei Referate über Ergebnisse des Bamberger Ehepaar-Panels die Entwicklung einer Heiratskohorte, die nach 14 Ehejahren am Ende der fertilen Phase angelangt ist. Dipl.-Soz. Harald Rost (ifb) zeigte, dass die Realisierung des Kinderwunsches beim größeren Teil "plangemäß" verläuft. Dr. Marina Rupp (ifb) setzte den Fokus auf die Kinderlosigkeit und erklärte, dass in der Mehrheit dieser stabilen Ehen Kinderlosigkeit ein ungewolltes Ergebnis von Zögern und Aufschieben bei der Familiengründung ist.
Die "neuen Väter" bildeten den zweiten Schwerpunkt. Harald Rost und Dipl.-Psych. Rotraut Oberndorfer präsentierten dazu einschlägige Arbeiten des Instituts. Deutlich wurde, dass vor allem in gleichberechtigten Partnerschaften oder solchen, in denen die Frau die besseren Einkommenschancen hat, die Väter an der Elternzeit partizipieren. Dass häufig betriebliche und gesellschaftliche Hindernisse und Vorurteile gegen eine stärkere Partizipation der Männer sprechen, bestätigte Thomas Gesterkamp (Köln), und Rainer Volz (Düsseldorf) betonte, dass auch die Partnerinnen nicht nur positiv auf männliches Engagement in der Familie reagierten. Hier wurden tradierte Rollenklischees als Hemmschuhe identifiziert.
Gefeiert wurde das zehnjährige Jubiläum am Abend mit einem Empfang in Schloss Geyerswörth, bei dem die beiden Gastgeber, Oberbürgermeister Lauer und Rektor Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert, die Teilnehmer begrüßten. Großes Lob erhielt das ifb von Seiten des Staatsministeriums, das auch der Träger des Instituts ist und von Ministerialdirigentin Johanna Huber vertreten wurde. Einen Rückblick auf die ersten Jahre des Instituts bot der frühere Leiter des ifb, Prof. Dr. em. Laszlo A. Vaskovics, während sein Nachfolger den Blick in die Zukunft richtete.
Am zweiten Tag stand zunächst das Thema Mobilität auf dem Programm. Einführend erinnerte Prof. Dr. Norbert Schneider (Mainz) an die gestiegenen Erwartungen an die Bereitschaft zur Mobilität. Derzeit sind rund 16 Prozent der Bundesbürger aus beruflichen Gründen mobil, wie eine ifb-Studie ergab. Die Konsequenzen für Familien sind vielfältig, so Dr. Ruth Limmer. Vor allem werde häufig die Familiengründung verschoben. Die Entwicklung der USA zeigt sich - zum Erstaunen der Teilnehmer - von eher rückläufiger Mobilität geprägt. Dennoch begünstigen dort die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - z.B. auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt - eine höhere Mobilität als in Deutschland, wie Dr. Heather Hofmeister (Bamberg) demonstrieren konnte.
Der letzte Teil widmete sich den ökonomischen Rahmenbedingungen. Wie die von Dr. Tanja Mühling (ifb) vorgestellten Reanalysen der Niedrig-Einkommens-Panels zeigten, sind von Einkommensarmut vor allem Familien mit mehreren Kindern betroffen. Marina Rupp sah die Ursache dafür u.a. im geringeren Umfang der Erwerbspartizipation der Mütter. Die Ergebnisse wurden bekräftigt durch die Analysen von Dr. Peter Krause und Tanja Zähle (DIW). Sie zeigten, dass die Armut in den letzten Jahren zugenommen hat und Kinder hier ein besonderes Risiko tragen. Dabei müssen große Familien sowie die Familien Alleinerziehender besonders häufig mit geringen Ressourcen auskommen.
News Wintersemester 2004/2005 vom 06.12.04