Dagmar Steuer-Flieser ist ab 1. Februar neue Kanzlerin an der Universität Bamberg

Präsident Godehard Ruppert freut sich, dass mit Dagmar Steuer-Flieser die Universitätsleitung wieder vollständig ist (Bild: Pressestelle)

Was für ein Pensum: Dagmar Steuer-Flieser arbeitete als Rechtsanwältin und Dozentin, bevor sie an der Universität Bayreuth die Funktion der Abteilungsleiterin für Akademische Angelegenheiten und das Amt der Vizekanzlerin übernahm (Bild: privat)
Thurnau hat uns aufgrund seiner historischen Prägung gefallen. Aber auch aus strategischen Gründen haben wir uns für Thurnau entschieden, weil wir eine große Affinität zu Bamberg haben und gerne hierher kommen, zum Beispiel am Sonntag zur Messe mit anschließendem Frühschoppen. Ich schätze das katholische Umfeld. Der katholische Glaube ist mir sehr wichtig.
Die Stadt kenne ich zumindest so gut, dass ich mich freue, jetzt auch beruflich in Bamberg zu sein.
Ja, unbedingt. Insbesondere, da die Universitätsleitung mich nicht nur vertretungsweise als Vizekanzlerin gesehen, sondern mich von Anfang an in alle Angelegenheiten der Leitung einbezogen hat. Ich war zum Beispiel bei allen Leitungssitzungen dabei. Das ist natürlich für die Umsetzung des Bologna-Prozesses besonders wichtig. Aber auch darüber hinaus war die Zusammenarbeit immer sehr eng.
Dazu kann ich momentan noch nichts Konkretes sagen, weil ich die Strukturen an der Universität Bamberg noch viel zu wenig kenne. Das Thema Qualitätsmanagement ist sicher ein aktuelles und wichtiges. So verschafft ein gut funktionierendes Qualitätsmanagement beispielsweise im Bereich der Lehre der jeweiligen Hochschule mehr Autonomie und interne Transparenz. Aber mit welchen Mechanismen und Instrumenten an einer Universität die Qualität in Lehre und Studium gesichert wird, hängt zunächst einmal von der Universität selbst, ihren internen Strukturen und bereits etablierten Prozessen – und natürlich von der Bereitschaft aller Beteiligten – ab. Der Begriff Qualitätsmanagement besagt ja zunächst einmal nichts anderes, als dass gezielte Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung und Sicherung des Erreichten ergriffen werden. Ziel und Zweck definiert man dabei immer selbst. Mein Wunsch ist es auf jeden Fall, alle wesentlichen Akteure mit einzubeziehen und gemeinsam etwas zu erarbeiten.
Herr Professor Zintl und ich haben uns bereits bei einem Akkreditierungsverfahren im Rahmen des Pilotprojektes kennen gelernt und werden sicher gut zusammenarbeiten.
Als Jurist ist man gewohnt, strukturiert zu denken und Prioritäten zu setzen. Als Anwältin habe ich dann gelernt, effektiv zu arbeiten, Ruhe zu bewahren und vor allem, vom Ergebnis her zu denken. Da ist ein Mandant, der ein Problem hat, das es zu lösen gilt. Um den besten Weg hierfür zu finden, muss man erst einmal sehr genau zuhören und das Ziel, auf das er hinaus will, umreißen. Dann ist man gefordert, mit den bestehenden rechtlichen Möglichkeiten erfolgreich zum gewünschten Ergebnis zu führen. Dabei interessieren nicht vorrangig die rechtlichen Schwierigkeiten und Bedenken, sondern der zulässige Weg dorthin. Dieses ergebnisorientierte Denken ist sicher auch für eine Universitätsverwaltung hilfreich.
Das wird man wohl nicht, weil die Vereinbarkeit von so vielen Aufgaben nicht mehr möglich ist. Aber ich habe während meiner Anwaltszeit und auch als Abteilungsleiterin kontinuierlich und gerne gelehrt. Ich denke, dass mir aus dieser Zeit ein tiefes Verständnis für die Belange der Dozierenden geblieben ist.
Mal abgesehen davon, dass bestimmte Standards mittlerweile vom Gesetzgeber gefordert werden und familienfreundliche Strukturen ein relevanter Faktor bei der Vergabe von Förderprogrammen sind, darf man die Wirkung nach außen wie nach innen nicht unterschätzen.
Nicht nur, aber auch. Ich habe es schon erlebt, dass in Berufungsverhandlungen nach Betreuungsangeboten für Kleinkinder gefragt wurde und nach anderen Aktivitäten. Die so genannte „Work-Life-Balance“ ist für viele arbeitende Eltern und also auch für Professorinnen und Professoren ein wichtiger Faktor geworden. Aber auch für Studierende wird es immer wichtiger, möglichst individuell auf ihre Biographie abgestimmt studieren zu können. Wir haben in Bayreuth daher Teilzeitstudiengänge eingeführt, ein Angebot, das durchaus angenommen wird.
Ja, so in etwa. Die Regelstudiendauer ist einfach doppelt so lang ausgelegt, dafür zahlen die Studierenden nur den halben Studienbeitrag. Sie dürfen aber auch nur ein bestimmtes Pensum erledigen. Das ermöglicht es ihnen, die Zeit, zum Beispiel mit ihren Kindern oder einer zusätzlichen Tätigkeit, flexibler einzuteilen.
Für mich war es nicht so schwierig, da sich die Universität Bayreuth sehr entgegenkommend gezeigt und mir ermöglicht hat, einen Teil meiner Arbeit zu Hause zu erledigen. Im Vergleich zu dem mittelständischen Unternehmen, für das mein Mann arbeitet, war das sehr flexibel. Mein Mann hat, als er seine Elternauszeit nahm, um sich um unseren Sohn zu kümmern, einige Funktionen verloren. Man redet immer so viel vom Rollenwechsel, aber wenn man ihn tatsächlich praktizieren will, werden die Hürden sichtbar. Ich halte einen zeitweisen Rollentausch aber in jedem Fall für gut. Der Perspektivwechsel, der damit einhergeht, macht in mancher Hinsicht gelassen.
Es gibt schon einiges, was mir besonders wichtig ist: Ich höre viel zu, weil mir die Person als Ganzes wichtig ist. Es ist von Bedeutung, dass jemand nicht nur auf der Grundlage seiner fachlichen Qualifikation eingesetzt wird, sondern auch nach dem, was seine Persönlichkeit ausmacht und was er sonst noch für Fähigkeiten und Talente besitzt. Zur Erledigung klar umrissener Aufgaben setze ich zum Beispiel gerne auf Teams mit Personen, die mir geeignet erscheinen, eben diese Aufgabe zu lösen – was auch bedeuten kann, dass man Personen über die „hierarchischen“ Strukturen hinweg einsetzt. Das kann der Sache meistens dienen.
Es wird regelmäßige Mitarbeitergespräche, aber auch Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern geben. Meiner Erfahrung nach, will jeder gleichermaßen gefördert und gefordert werden. Dazu muss man die Personen, ihre Stärken und Schwächen kennen lernen sowie über die ihnen zugewiesenen Aufgaben Bescheid wissen; ebenso muss man aber auch auf den Einzelnen und sein Aufgabengebiet abgestimmte Ziele und Konzepte von ihm abverlangen. Danach sollten beide Seiten verlässlich miteinander umgehen.
Der Eindruck trügt nicht, ich freue mich tatsächlich sehr auf den Start in Bamberg.
Dr. jur. Dagmar Steuer-Flieser
geboren am 9. Juli 1962 in Amberg/Opf.
verheiratet mit Dipl.-Ing. Jos Flieser seit 1989
1 Kind Maximilian Josef, 2 Jahre
wohnhaft in Thurnau
Studium
1982-1988 Jura-Studium in Regensburg und München
1991 Auslandsaufenthalt an der Deutschen Botschaft in Helsinki
Juli 1991 Abschluss des Zweiten Juristischen Staatsexamens
1996-1998 Lizentiatsstudium Kanonisches Recht in Münster
Berufspraxis
1988-1991 Nebentätigkeit in oberbayerischer Anwaltskanzlei
1991-1997 Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie und Kirchenrecht an der Universität Bayreuth
WS 1997/98 Promotion zum Dr. jur. („summa cum laude“)
Juli 1998 Rechtsanwältin in Kulmbach
April 2000-Januar 2008 Abteilungsleiterin für Akademische Angelegenheiten einschließlich Studienangelegenheiten / Umsetzung des Bologna-Prozesses, Qualitätssicherung, Hochschulrecht und Bauangelegenheiten an der Universität Bayreuth
seit Februar 2002 zugleich Ständige Vertreterin des Kanzlers der Universität Bayreuth
1997-2006 Dozententätigkeit an der Thüringer Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung und Lehraufträge an den Universitäten Bayreuth und Münster
Interessen
Lesen, Garten, Konzertbesuche, Reisen, gutes Essen und Trinken
Uni-Bamberg News vom 08.01.08