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Verwaltung der Mangelsituation?

Bei der Vollversammlung der Studierenden sprach Prorektor Reinhard Zintl über Studiengebühren und den Umbau der Universität

Von Sarah Laila Standke

Bei der Vollversammlung der Studierenden sprach Prorektor Reinhard Zintl über Studiengebühren und den Umbau der Universität.

"Hochschulleitung zum Anfassen" hieß es am 17. Mai bei der Vollversammlung der Studierenden der Universität Bamberg. Wobei der Titel der Veranstaltung eigentlich in Anführungszeichen gesetzt werden müsste, waren doch gerade einmal 30 Studierende im großen Hörsaal des Marcushauses anwesend. Offenbar wollten viele lieber das traumhafte Wetter genießen, statt mit Prorektor Prof. Reinhard Zintl und dem SprecherInnenRat (Sprat) über Themen wie Studiengebühren, die Umstellung auf Bachelor und Master und die Zukunft der Universität zu diskutieren.

Plädoyer für Profilschärfung

Die für Zintl erfreulichen Ergebnisse der "Mittelstraß"-Kommission waren der Ausgangspunkt seiner Ausführungen: Bamberg als kleine Universität werde sich auf ein bestimmtes Fächerprofil spezialisieren müssen: "Einige Fächer werden verstärkt, andere abgebaut werden, so dass der Schwerpunkt auf den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften liegen wird."

Der Prorektor befürwortete auch die Vorschläge des "Innovationsbündnisses", dessen Ziele unter anderem die Verkürzung der Studiendauer, die Gewährleistung eines qualitativen Studienangebots und die Verstärkung der Frauen- und Eliteförderung sind. Es gebe auch Hoffnung auf einen Zuwachs an Mitarbeiter- und Assistentenstellen in Bamberg bei der Neuverteilung der 650 eingezogenen Stellen, da Bamberg diesbezüglich die am schlechtesten ausgestattete Universität sei. "Das Bündnis ist keine Innovation, sondern nur Verwaltung der Mangelsituation", lautete dagegen die Kritik aus den Reihen des Sprat. Konkret für Bamberg haben die Neuerungen laut Zintl Auswirkungen auf die Fächer Archäologie und Slawistik, die gestärkt werden sollen. Dagegen sei für Historische Musikwissenschaft und Ethnomusikologie eine Versetzung des Studienortes nach Würzburg im Gespräch, und der Diplomstudiengang Volkswirtschaftslehre soll nun endgültig aufgehoben werden. Noch nicht entschieden sei über die Zukunft des FH-Diplomstudiengangs Soziale Arbeit, an dessen Stelle ab 2006 ein Bachelor-Studiengang geplant ist.

Symbolischer Einstieg in Umstrukturierung

Eine Diskussion entzündete sich am Thema Studiengebühren. Dieses Geld soll in die Verbesserung der Studienbedingungen fließen, zum Beispiel in Tutorien und Lehraufträge, Bibliothekskräfte, Lehrbücher, Exkursionen usw. Dass Studiengebühren bzw. "Studienbeiträge" nicht von heute auf morgen einzuführen sind, sei klar, so Zintl. Es sei auch gar nicht zu leugnen, dass es sich um einen vorerst eher symbolischen Einstieg in eine Umstrukturierung der gesellschaftlichen Situation handele. Doch: "Wir leiden auf hohem Niveau in Deutschland", erklärte der Prorektor und plädierte dafür, auch die Argumente ernst zu nehmen, die für Studiengebühren angeführt werden können.

Sprat-Senator Thomas Lörner lobte anschließend die intensive Diskussion zwischen dem Prorektor und den Studierenden. "Die Aussicht auf Schulden mag für manche ein Hemmnis zur Aufnahme eines Studiums sein", erklärte Lörner zum Thema Studiengebühren und erinnerte an die Verunsicherung bei vielen Studierenden. Die Vollversammlung der Studierenden soll laut Sprat "zum festen Gesprächstermin über aktuelle Hochschulthemen werden" und regelmäßig zwei Mal im Semester stattfinden. 

News Sommersemester 2005 vom 06.06.05