Semesterabschlusskonzert von Chor und Orchester der Universität Bamberg

Mit der AULA ist die Universität – trotz nicht ganz einfacher akustischer Verhältnisse – musikalisch im Herzen der Stadt angekommen...

...aber nicht nur im Herzen der Stadt, auch in den Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer, die hier Michael Goldbach und seinem Ensemble lauschen
Zu hören und zu erleben gab es beim Semesterabschlusskonzert wieder einiges: Soli, Orchester und Chöre gleichsam im Doppelpack, das heißt jeweils in doppelter Besetzung. Mit Werken von Gabrieli bis Genzmer hatte UMD Dr. Michael Goldbach erneut ein abwechslungsreiches und geschickt arrangiertes Programm gewählt, um anhand eines roten Fadens unterschiedliche Epochen der Musikgeschichte zu beleuchten. Anfangs der Rückblick: Harald Genzmer greift in seinem Divertimento giocoso für Flöte und Oboe unüberhörbar auf barocke Elemente zurück und hat dieses Werk in einem trotz moderner Harmonien klassizistischen Gesamtduktus angelegt. Traten die Oboistin Ines Hauer (derzeit Hof) und die Flötistin Melanie Maunz (Bamberg) im Kopfsatz wie gefordert zunächst eher zurückhaltend auf, so führten sie im durch die tiefen Streicher dunkel timbrierten Mittelsatz die melancholisch schwingenden Tuttilinien atmosphärisch dicht weiter, während sie sich im Scherzo mit dem leicht und tänzerisch agierenden Orchester in klar umrissenen Blöcken abwechselten. Fast brucknerisches Dräuen der Streicher leitete das Finale ein, das die Solisten freilich rasch aufklarten und spielfreudig ausfüllten.
Großartig auch die beiden Solistinnen in Mozarts Konzert für zwei Klaviere KV 365, dessen repräsentatives, auf großen Effekt angelegtes Thema in der Introduktion durch die klangvolle Führung der Holzbläser noch zusätzlich erweitert wurde, bevor das Orchester dann rasch zugunsten der Solistinnen Elsa Duplan und Marija Krämer-Vukovic in den Hintergrund trat. Höchst überzeugend gelang hier das Zusammenspiel, bei dem die Solistinnen dezent und bestimmt zugleich das Orchester mitrissen und etwa durch die lyrische, etwas kühl genommene Molltrübung im Kopfsatz führten, ohne an Elan zu verlieren; auch der lyrische Nebengedanke wurde rasch wieder in die prachtvolle Gesamtstimmung überführt. Von leicht ermüdendem Nacheinander der Soloparts keine Spur: Das herrlich singende Miteinander begeisterte vor allem auch im Andante, das voller Ruhe und entspannter, selbstbewusst-verführerischer Grazie, wie sie in Mozarts Mittelsätzen gerade oft nicht getroffen wird, ausmusiziert wurde. Spielfreudig heiter und voller kompositorisch-geistreicher, auch versteckt gelehrter Scherze dann das Finale – viel Applaus, eine romantische Zugabe vor der Pause.
In Johann Christian Bachs Es-Dur-Sinfonie für Doppelorchester überzeugte die Feinarbeit von UMD Goldbach mit den Einzelstimmen: Da Bach hier zwei Orchester gegenüberstellt, ist Binnendifferenzierung oberstes Gebot, dem die Musiker trotz der halligen Akustik bis zu den letzten Pulten eifrig folgten. Sogar das berührend schlichte Andante mit seiner weitgehend durchlaufenden 16tel-Begleitung gelang als Vorführung subtiler Begleit- und Phrasierungskunst.
Zwei Kurzauftritte absolvierte abschließend der Chor: einer von Gabrieli vertonten höchst sinnlichen Liebesklage verliehen die einander gegenüber gestellten Chöre eine beinahe greifbare sinnliche Freude und satte Klangfülle. Stützten sich die Sänger hier weitgehend auf ein kraftvolles Bassfundament, so trat das Orchestertutti in einer Taufkantate Lullys erneut glanzvoll hervor. Die Chöre, Orchestersolisten und die in Bamberg bekannte Altistin Monika Mühlhölzl übernahmen den tänzerischen Schwung des Vorspiels, sodass dieses Stück politischer Propaganda und monarchischer Repräsentation auch den eingeforderten künstlerischen Anspruch einzulösen vermochte. Und nicht zuletzt konnte Lully damit – wie UMD Goldbach – nicht zuletzt die überzeugende musikalische Kompetenz seiner Ensembles auf sehr unterschiedliche Weise deutlich machen.
News Sommersemester 2007 vom 23.07.07