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"Uns liefen die weiblichen Hörer weg!"

Wenn die Mehrzahl der Radiohörer eine bayerische Stimme will, bekommt sie auch eine. BR-Medienforscher Michael Koch über die Suche nach potenziellen Hörerschaften neuer Formate.

Von Barbara Feneberg

?Es gibt viele Kriterien für einen guten Moderator, aber nur wenige, die für seine Karriere wirklich entscheidend sind?, betonte Michael Koch von der Medienforschung des Bayerischen Rundfunks. ?Humor, Kompetenz in der Gesprächsführung und vor allem Identifikation durch die Hörer. Wenn das stimmt, dann schaltet man einen Sender des Bayerischen Rundfunks ein?, so Koch. Im Rahmen des von Prof. Dr. Thomas Gruber, Intendant des Bayerischen Rundfunks und seit 2003 Honorarprofessor der Universität Bamberg, veranstalteten Kolloquiums ?Die Planung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen in der Praxis?, erläuterte er, welche konkreten Ergebnisse aus der Medienforschung für Programmgestalter richtungsweisend sind. Grundlage seiner Ausführungen waren repräsentative Befragungen des bayerischen Hörerpublikums, darunter auch Fragen nach den Kriterien für einen guten Moderator.

 

Ein zweiter junger Sender neben Bayern 3?

Die Beratung für die einzelnen Programmbereiche Radio, Fernsehen und Online geht allerdings weit über Personenfragen hinaus. Mittels Medienforschung können einzelne Zielgruppen der jeweiligen Programmsparten analysiert, die Reichweite ermittelt und ein Imageprofil erstellt werden. ?Beispielweise wird Bayern 3 wegen seiner Nachrichten, Musik, Moderation und seiner Comedy gehört. Das ist ein wesentlicher Unterscheid zum Konkurrenten Antenne Bayern?, erklärte der Medienforscher.

 

Allerdings will man sich keinesfalls an die Konkurrenz angleichen, sondern sich eben unterscheiden. Ein Versuch dazu sei gewesen, die Musik rockiger auszurichten. Doch das Ergebnis habe enttäuscht: ?Uns liefen die weiblichen Hörer weg!? Gerade bei solchen Entscheidungen kann die Medienforschung helfen einzuschätzen, ob es eine potenzielle Hörerschaft für bestimmte Programmformate gäbe. ?Unsere Ergebnisse belegen, dass ein zweiter junger Sender neben Bayern 3 existieren könnte. Praktisch sind da allerdings zu viele Hürden zu überwinden?, prognostizierte Koch.

 

Die Erhebung der Radio-Mediendaten geschieht durch einmalige Befragung von knapp 1000 Hörern. Beim Fernsehen dagegen wird eine bestimmte Gruppe in regelmäßigen Abständen befragt und ihr Fernsehverhalten durch eine spezielle Fernbedienung (Panel) gemessen. Dank des kontinuierlichen Datenflusses ist eine tägliche Bestandsaufnahme möglich. ?Freitag morgen können wir sehen, wie viel Prozent der Zuschauer am Vorabend ?quer? gesehen haben, wie die Alterstruktur war und wann weggeschaltet wurde?, erläuterte Koch. ?So können wir auch einzelne Sendungselemente einordnen und die Inhalte entsprechend modifizieren.?

 

Arbeitslose Heimwerker

Natürlich sind auch generelle Aussagen möglich: In Mecklenburg-Vorpommern wird wesentlich mehr TV gesehen als in Bayern. Die meisten Deutschen sehen am Abend fern, doch der Trend zeigt deutlich ein immer häufigeres Einschalten am frühen Nachmittag. Koch erklärte die Entwicklung: ?Wer keinen Job hat, der schaut mehr als eine arbeitstätige Person, und die Heimwerkersendungen sind einfach ein voller Erfolg.?

 

Insgesamt beurteilte Koch die Medienforschung als eine der wichtigsten Stützen für die Veränderungen im Programm. Neue Formate ins Blaue hinein in das Programm zu holen sei einfach zu kostspielig. Koch machte klar: ?Wenn uns die Mehrzahl unserer Hörer sagt, sie wollen morgens eine bayerische Stimme im Radio hören, dann bekommen sie eine bayerische Stimme.?

 

 

 

News Sommersemester 2004 vom 26.05.04