Prorektor Reinhard Zintl im Collegium Oecumenicum über die Zukunft der Otto-Friedrich-Universität
Wo steht und wohin geht die Universität Bamberg? Prorektor Reinhard Zintl sprach mit Studierenden über Profilbildung und Alleinstellung, Zusammenlegungsvisionen und Studiengebühren.
Was wird aus der Uni Bamberg? - diese Frage wollte Rektor Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert am 1. Februar im Internationalen Studentenwohnheim "Collegium Oecumenicum" beantworten. Da er jedoch erkrankt war, stellte sich Prorektor Prof. Dr. Reinhard Zintl den Fragen der Studierenden.
Brodelnde Gerüchteküche
Allerdings hielt Zintl sich, was die mittel- und langfristigen Aussichten der Otto-Friedrich-Universität angeht, bedeckt. "Hierzu muss man erst einmal die Ergebnisse der Mittelstraß-Kommission abwarten". Der Strukturplan dieser Kommission zur bayerischen Hochschullandschaft hätte eigentlich seit Januar vorliegen sollen. Als neuer Vorlagetermin ist jetzt Mai im Gespräch. "Vielleicht kommt zu Pfingsten die Erleuchtung", flachste Zintl.
Die Gerüchteküche brodele natürlich schon seit längerem. So sollen angeblich Möglichkeiten von Fusionen bis hin zur Schließung einer bayerischen Uni geprüft werden. "Schlussfolgerungen kann man bislang nur aus den Fragestellungen der Kommission ziehen", kommentierte der Prorektor und erläuterte, dass es durchaus Fusionsüberlegungen bei bestimmten Unis gebe. Zu erinnern sei etwa an die kurz verfolgte Idee einer "University of Munich". Aber auch über eine Zusammenlegung der Unis Erlangen und Bamberg (etwa: "Universität Erlangen - Campus Bamberg") werde durchaus hier und da gesprochen. Allerdings hielt Zintl eine solche Fusion für wenig plausibel, da sie wahrscheinlich zu aufwändig wäre.
Profilentwicklung und "Alleinstellung"
"Wahrscheinlich müssen die Universitäten markant unterschiedliche Profile entwickeln, um überlebensfähig zu bleiben". Zintl vermutet sogar, dass in 20 Jahren die Universität München die letzte "klassische Uni" in Bayern sein wird, andere Hochschulen werden nicht mehr "alles" anbieten. Die Uni Bamberg werde ihren Schwerpunkt wohl weiter auf die Kultur- und Sozialwissenschaften legen. Es komme für eine so ausgerichtete Universität darauf an, insbesondere für diejenigen Fächer, die in der Öffentlichkeit gerne als "Orchideenfächer" angesehen werden, immer auch deutlich zu machen, "was die Leute hinterher tun können", so Zintl. "Wenn dies gelingt, wird Bamberg wohl respektiert werden".
Unvermeidlich sei bei alledem sicherlich das Setzen von Schwerpunkten und damit auch der Ausbau an der einen und der Abbau an der anderen Stelle. Dies sei ohne innere Konflikte nicht zu bewältigen. Welche Studiengänge letztendlich gestrichen werden, sei bislang aber noch unklar. "Es gibt keine schwarze Liste".
Problematisch sei in dem Veränderungsprozess allerdings die oft an die Unversitäten herangetragene Forderung, überhaupt nur noch Fächer anzubieten, hinsichtlich derer ein 'Alleinstellungsmerkmal' erfüllt sei, unabhängig davon, wie gut die Qualität des vorhandenen Angebots sei: Erzwungene Alleinstellung sei ja erst einmal nichts anderes als Konkurrenzlosigkeit. Wenn man aber Wettbewerb der Universitäten wolle, müsse man durchaus zulassen und sogar wollen, das Bewährtes ausstrahle bzw. nachgeahmt werden dürfe.
"Studiengebühren müssen vertretbar sein"
Außerdem räumte Zintl ein, dass es wahrscheinlich auch in Bamberg Studiengebühren geben wird. Allerdings sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ab wann und in welcher Höhe die Gebühren erhoben würden. "Auf keinen Fall darf man den zweiten Schritt vor dem ersten machen", so Zintl: Der erste Schritt müsse die Schaffung der finanziellen Infrastruktur sein, bestehend aus einem System von Stipendien und Darlehen. Entscheidend sei sicherlich, dass die von politischer Seite immer betonte Bedingung, dass niemandem das Studium allein aus finanziellen Gründen unzugänglich sein dürfe, in glaubwürdiger Weise erfüllt werde. An der Entwicklung von Konzeptionen werde nicht nur hochschulübergreifend in München sondern sehr wohl auch an Ort und Stelle in Bamberg intensiv gearbeitet.
News Wintersemester 2004/2005 vom 18.02.05