Die Bamberger Krimi-Autoren Fröhling & Reuß lasen aus ihrem jüngsten Werk „Teufelswasser“

Die Teilbibliothek 1 bietet ein passendes Ambiente für die Mordgeschichten (Bilder: Knecht Verlag, Andreas Ullmann)
„Ihr Schrei war noch nicht verklungen, als der Faustschlag sie im Gesicht traf und ihr die Sinne schwanden. Sie merkte nicht, wie sie zu Boden fiel und wie ihr Körper in der Dunkelheit über das Gras gezogen wurde. Sie spürte am Ende nur noch die Kälte des Wassers, das über ihr zusammenschlug, spürte, dass ihre Hände wie Fremdkörper an einem Kleidungsstück zerrten, sowie die ungeheure Last auf ihrem Brustkorb und die Todesangst zu ersticken.“
Das ist das tragische Ende der Margarete Müller, eines Mitgliedes des fiktiven Säkularinstituts „Christen in der Welt“ in einem Seitental des Bruderwaldes.
Und das ist zugleich der Anfang der mörderischen Tour de Force, die die Autoren Fröhling & Reuß am 27. Juni 2008 durch ihren jüngsten Kriminalroman „Teufelswasser – Philipp Laubmanns dritter Fall“ veranstalteten. Geladen hatte die Universitätsbibliothek unter Leitung ihres Direktors Dr. Fabian Franke in Kooperation mit der Buchhandlung Görres. Der Einladung gefolgt waren rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörer. Im Anschluss an den ersten Mord des Abends stellten die Autoren die Probleme ihrer Hauptfigur Dr. Laubmann vor: „Ich muss mich um meine Mutter und meine Cousine kümmern. Dann mein Beruf als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Katholische Moraltheologie in Bamberg, wo ich pro Semester ein Seminar zu leiten habe. Ferner muss ich ein sehr umfangreiches Thema für meine Habilitation bearbeiten.“
Als Student hatte man ja schon immer geahnt, dass wissenschaftliche Assistenten ein äußerst hartes Leben führen müssen, aber bei Dr. Laubmann kommt es noch weit schlimmer. Er ist nicht sicher, ob er sich zum Priester weihen lassen möchte oder nicht, denn „stellen Sie sich mal einen Priester vor, der Kriminalfälle löst! Denn das ist eine Nebenbeschäftigung von mir. […] Gerade als Moraltheologe mag ich nicht nur theoretisch mit Schuld uns Sühne zu tun haben.“ Sein Leben aus Studium, Schuld, Sühne und der sauberen Verwandtschaft versetzt den Habilitanden derart in Stress, dass sein Arzt ihm eine Kur im viel beschaulicheren Bad Kissingen verordnet.
Aber auch dort entgeht der arme Mann seinem Schicksal nicht. Kaum versinkt er in einem entspannenden Moorbad, schon wird in seiner Nachbarkabine der nächste Mensch ermordet. Die Badegehilfin Barbara Brender entdeckt die Leiche: „Ihr Herz schlug mit einem Mal schneller, bemerkte sie doch an der Wasseroberfläche das mit Moor überzogene Kopfhaar Reinhold Müllers [des Zwillingsbruders des ersten Mordopfers]. Sie nahm es wahr und wollte es zugleich nicht wahrhaben. Hektisch trat sie an den Wannenrand und langte zitternd mit der linken Hand ins undurchsichtige Wasser. […] Sie schaffte es, den Mesner am Kinn anzufassen, und sie neigte seinen Kopf so nach hinten, dass nun sein Gesicht an der Wasseroberfläche zum Vorschein kam. Augen und Mund waren geöffnet, und es schien, als würde die Moorbrühe daraus hervorquellen. Mit einem Aufschrei, ihrem zweiten an diesem Tag, ließ sie den Mesner sofort wieder los, und der Kopf versank langsam im Moorbad.“
Der klassische Fall einer Moorleiche also, der auch den Bamberger Mittelalter- und Neuzeitarchäologen große Freude bereiten würde, zumal der zweite Ermordete Mesner in Alt-Sankt-Anna war, einer Kirche, die im Zuge der Säkularisation abgebrochen und erst von den Autoren in ihrem Werk aus Worten wieder aufgebaut worden ist.
Die Identität des Mörders, der eine Wasser- und eine Moorleiche auf dem Gewissen hatte, ließen die Autoren bei ihrer Lesung offen. Bereits nach einer guten Stunde wurden die Zuhörer in Richtung Buffet verwiesen, wo sie bei Bedarf entweder bei Sekt und Wasser über den Täter fachsimpeln, ihr Buchexemplar von den Autoren signieren lassen oder köstliche Käsestangen knabbern konnten.
Uni-Bamberg News vom 01.07.08