Projektseminar "Altenarbeit" - Nachmittagsprogramm für Senioren und Seniorinnen
Die Gesellschaft "veraltet". Für ältere Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, gibt es die Institution des Altenheims. Dort bleiben sie dann aber nicht selten sich selbst überlassen. Das Engagement von Bamberger Studierenden zeigt, dass es auch anders geht. Im Rahmen des von Dr. Monika Rapold vom Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik geleiteten Projektseminars "Altenbildung" gestalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Nachmittage mit Heimbewohnern. Letztes Jahr wurde das Projekt, das bereits seit zehn Jahren fester Bestandteil des Lehrangebots ist, mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Dieser Preis ist eine Initiative von Bundestagsabgeordneten, der Stadt und des Landkreises Bamberg, des Bayerischen Gemeindetages sowie der Sparkasse Bamberg.
Das Projekt führt Studierende an ein späteres Berufsfeld heran, denn der direkte Kontakt zu älteren Menschen innerhalb ihres Lebensbereichs im Altenheim schlägt eine Brücke von der Theorie zur Praxis. Das praktisch-pädagogische Arbeiten mit Seniorinnen und Senioren im Bamberger "Bürgerspital" und im "Antonistift" ist daher der Schwerpunkt des Seminars.
Die Studierenden bieten gruppenweise einmal wöchentlich ein Nachmittagsprogramm für Heimbewohner an, die nicht mehr am gewohnten Heimangebot teilnehmen können. Dabei sollen v.a. jene Senioren integriert werden, die nur noch wenig sozialen Kontakt haben. Ganz auf sich allein gestellt sind die Studierenden dabei allerdings nicht. Vor allem im Umgang mit akuten körperlichen Problemen der Heimbewohner sind sie auf die Mithilfe des Pflegepersonals angewiesen, erklärt Kathrin Heuken, eine von vier Studentinnen der Gruppe, die im "Antonistift" tätig ist.
Das Nachmittagsangebot der Studierenden richtet sich ganz nach den Interessen und Möglichkeiten der teilnehmenden Senioren und Seniorinnen. Bei Kaffee und Kuchen erzählen sie von früher oder über den Alltag im Heim. Die Atmosphäre wird von den Studierenden als locker und ungezwungen beschrieben. Spiele wie "Mensch ärgere dich nicht" oder Singen sind beliebte Aktivitäten. Der herzliche Umgang mit den oft schon von Krankheiten gezeichneten Senioren ist nur möglich, weil die theoretische Ausbildung des drei Semester dauernden Projektseminars darauf ausgerichtet ist, die Studierenden auf die Probleme der Heimbewohner vorzubereiten.
Denn im Theorieteil des Seminars, der stets zu Beginn eines Semesters auf dem Plan steht, werden typische Alterskrankheiten ebenso erklärt wie die Möglichkeiten der Kommunikation mit erkrankten Menschen. Die Auswahl der Themen treffen die Studierenden jedoch überwiegend selbst und orientieren sich dabei an der pädagogischen Praxis ihrer Tätigkeit im Altenheim. Exkursionen in das Sterbehaus des Klinikums dienen ebenfalls der Vorbereitung der Studierenden.
Die Kommunikation zwischen Jung und Alt ist das zentrale Element des Seminars. Zusätzliche Wochenendseminare, die über die Lebensweise der Menschen seit dem Ersten Weltkrieg aufklären, sollen helfen, die zu betreuenden Personen besser zu verstehen. Durch dieses methodische Vorgehen lernen die Seminarteilnehmer auch Möglichkeiten kennen, die Heimbewohner zum Erzählen anzuregen. "Gewöhnliche Fragen nach dem Wie, Wann und Warum sollen dabei eher umgangen werden, da es vielen Senioren schwer fällt, genaue Fragen zu beantworten", berichten die Studentinnen Isabell Rankewitz und Magdalena Hanselt von ihren Erfahrungen.
News Sommersemester 2005 vom 13.06.05