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Studieren wie die Großen

Bei der 7. Kinderuni lernt der Nachwuchs die große Welt der Wissenschaft kennen

Von Nicole Dapper und Anna Kammerer

Mein erster Studienausweis! Bei der Kinderuni studieren Schülerinnen und Schüler wie die Großen (Bilder: Pressestelle)

Augen zu und Achtung vor den Mausefallen: Gregor Wind übt unter erschwerten Bedingungen

Liebe Kinder gebt fein acht... der Goldbär und Wolfgang Protzner hatten einige Überraschungen parat

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Friedhelm Marx (rechts) und der Schauspieler Patrick L. Schmitz

Warum ist es überhaupt nicht doof, ein Instrument zu lernen? Wer hat eigentlich die Süßigkeiten erfunden? Und was muss ein Schauspieler alles können, um sein Publikum mitzureißen? Bei drei Vorlesungen der Kinderuni konnten Schülerinnen und Schüler im Mai „den Großen“ wieder Löcher in den Bauch fragen.

Sie kennen sich aus: Manche der kleinen Studierenden steuern so zielstrebig auf den Vorlesungssaal zu als wäre das ihr alltäglicher Schulweg, suchen sich einen Platz in den ersten Reihen, zücken Stift und Papier und spitzen die Ohren. Zum siebten Mal gab es am 9., 18. und 23. Mai für alle neugierigen Schülerinnen und Schüler wieder die Möglichkeit, bei der Kinderuni der Universität Bamberg zu studieren „wie die Großen“.

Die Vorlesungen drehten sich dieses Mal rund um Musik, Süßigkeiten und das Theater. „Ist Üben wirklich doof?“, „Wir ‚Schleckermäuler’: Zur Geschichte der Süße.“ Und: „Was soll das Theater?“ Zu diesen Themen hielten Prof. Dr. Stefan Hörmann und sein Mitarbeiter Dr. Gregor Wind vom Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik, Prof. Dr. Wolfgang Protzner vom Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte und Prof. Dr. Friedhelm Marx vom Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft ihre Vorlesungen und ließen sich nachher von den Nachwuchsstudenten bereitwillig Löcher in den Bauch fragen. Und nicht nur auf die Fragen der kleinen Studierenden waren die Dozenten gespannt: „Ich bin schon etwas aufgeregt“, verriet Protzner den kleinen Studierenden. „Schließlich hält man nicht jeden Tag vor so einem lustigen und lebhaften Publikum eine Vorlesung.“

Klavier üben mit Gregor

Warum spielt Gregor eigentlich so toll Klavier? Die Antwort, da sind sich die vielen kleinen Musiker in Hörmanns Vorlesung einig, ist ganz einfach: Gregor spielt so toll Klavier, weil er immer fleißig geübt hat. Aber wie lange muss man denn üben, um so gut zu werden wie Gregor? Und: Wie übt man eigentlich richtig? Stefan Hörmann, Gregor Wind und die Nachwuchsstudierenden kamen gemeinsam dem Geheimnis des „richtigen Übens“ auf die Spur. Schritt für Schritt versuchte Gregor mit Hilfe der Kinder seine Fehler beim Üben auszubessern. Er spielte schwierige Passagen langsamer, übte nur mit der rechten oder linken Hand und versuchte, die Melodie des Stückes mitzusummen. Und siehe da: plötzlich spielt Gregor fehlerfrei. So macht üben Spaß! Aber wann ist üben denn nun wirklich doof? Zum Beispiel wenn, wie früher, die Hände in Folterwerkzeuge gespannt werden, damit man sich nicht verspielt. Das bekam auch Versuchskaninchen Gregor am eigenen Leib zu spüren. Zwar spielte er trotz zugehaltener Augen und Mäusefallen auf den Tasten fehlerfrei, aber auch er findet: „So macht üben wirklich keinen Spaß!“

Schleckermäulchen-Vorlesung

Rund um Honig, Zucker und Süßholz drehte sich die Schleckermäulchen-Vorlesung von Wolfgang Protzner, bei der die Nachwuchsstudierenden alles über den Ursprung und die Geschichte von Süßigkeiten erfuhren. Denn früher gab es Gummibärchen und Lakritze natürlich nicht einfach zu kaufen. Zucker war für die Menschen sehr wertvoll. Und so mussten sie Bienen hinterher spionieren, um an deren Honig zu gelangen, in mühsamer Arbeit aus Honigschilf Zucker herstellen und die Wurzel vom Süßholzbaum raspeln um daraus ‚Bamberger Bärendreck’ zu gewinnen. ‚Bamberger Bärendreck’? Diese Süßigkeit kennen wir heute alle unter dem Namen Lakritz. Süßholzwurzeln und Zuckerrüben wurden in Bamberg flächendeckend angebaut und sorgten dafür, dass es ab Mitte des 19. Jahrhunderts für alle Bamberger Naschkatzen erschwingliche Süße gab. Und auch die Schleckermäulchen in Protzners Vorlesung sollten nicht leer ausgehen: Als Überraschung hatte sich der Geschichtsprofessor von Mister Haribo, der bekanntesten deutschen Naschkatze Thomas Gottschalk, den echten Goldbären ausgeliehen, der zusammen mit den kleinen Studierenden den Hörsaal unsicher machte.

Wer stört denn da die Vorlesung?

Friedhelm Marx erzählte den Schülerinnen und Schülern in seiner Vorlesung alles über 2500 Jahre Theater. Deshalb saßen die jungen Studierenden auch nicht in einem Hörsaal, sondern in der Studiobühne des E.T.A.-Hoffmann-Theaters und lauschten dem spannenden Vortrag. Die jungen Zuhörer erfuhren, dass bei den alten Griechen Theater zuerst eine religiöse Veranstaltung unter freiem Himmel zu Ehren der Götter war. Theater gehörte später dann zur Stadtkultur, in die riesigen Amphitheater passten teilweise die Bewohner einer ganzen Stadt. Auch über das Wesen des Theaters zu Friedrich Schillers und Bertolt Brechts Zeiten bis heute erzählte Prof. Marx. Doch immer wieder wurde der Vortrag von einem dreisten jungen Mann unterbrochen, der mal hektisch etwas suchend, dann lässig mit dem Handy am Ohr, traurig am Klavier sitzend oder fröhlich tanzend in der Studiobühne auftauchte. Was für ein Theater! Außerdem war der Dialog zwischen dem Unbekannten und Marx immer gleich. Schließlich löste der Germanistik-Professor das Rätsel: der Störenfried entpuppte sich als Patrick L. Schmitz, Schauspieler am E.T.A.-Hoffmann-Theater. Und der Dialog war deshalb immer gleich, um deutlich zu machen, dass es nicht nur wichtig ist, was man auf der Bühne sagt, sondern auch wie. Denn das macht das Wesen des Theaters aus. Nach der Vorlesung spendeten die Nachwuchsstudierenden reichlich Applaus für den Referenten und Patrick L. Schmitz. Letzterer durfte sogar ein paar Autogramme geben.

News Sommersemester 2007 vom 30.05.07