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"So dass dort ein ewiges Schmausen und Zechen herkömmlich ist...?"

Ein Geschichtsband zur 1200-Jahr-Feier Forchheims mit vielen Beiträgen

Von Anne Kathrin Reiter

Wie heizte man im Mittelalter den riesigen Kaisersaal? Was macht das Bildnis eines Kranichmenschen in der Kaiserpfalzkapelle? Wann entstand das "Annafest"? 500 großformatige Seiten über eine 30.000-Einwohner-Stadt im Herzen Frankens.


Hermann Ammon (Hrsg.): Forchheim in Geschichte und Gegenwart. Beiträge aus Anlass der 1200-Jahr-Feier. Bamberg: Universitäts-Verlag 2004. 24,80 EUR. ISBN 3-933463-18-1

Wie heizte man im Mittelalter den riesigen Kaisersaal? Was macht das Bildnis eines Kranichmenschen in der Kaiserpfalzkapelle? Wann entstand das "Annafest"? 500 großformatige Seiten über eine 30.000-Einwohner-Stadt im Herzen Frankens.

Über 500 großformatige Seiten über eine 30.000-Einwohner-Stadt im Herzen Frankens. Kann man einen so dicken Geschichtsband mit Informationen und Geschichten über den Fachwerkort Forchheim füllen? Man kann! Und zwar so spannend und bildreich, dass man das Buch des Universitäts-Verlags Bamberg gar nicht mehr aus der Hand legen möchte und selbst alteingesessene Franken erstaunt sein werden. Wie heizte man zum Beispiel im Mittelalter den riesigen Kaisersaal? Was macht das Bildnis eines Kranichmenschen in der Kaiserpfalzkapelle? Wann entstand das "Annafest"? Und wie lebte die jüdische Minderheit umgeben von Katholiken? Von wegen verstaubte Stadthistorie - die meist reich illustrierten Beiträge in dem von Hermann Ammon herausgegebenen Band lassen Geschichte anschaulich werden. Stadtgeschichte als Geburtstagsgeschenk Das umfassende Werk ist gewissermaßen ein Geburtstagsgeschenk, denn Forchheim wird heuer stolze 1200 Jahre alt. Anno 805 wurde der Name Forchheims im "Diedenhofer Kapitular" Karls des Großen zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Zur Feier musste eine Chronik her, der Beschluss dafür stand schon seit Jahren fest. Herausgekommen ist ein Werk aus 36 Einzelbeiträgen, zum Großteil von Wissenschaftlern der Universität Bamberg verfasst. Denn Forchheim ist seit Jahrzehnten angestammtes Forschungsgebiet der Bamberger, am 1990 wurde zwischen der Stadt Forchheim und der Universität Bamberg ein Vertrag zur gegenseitigen Unterstützung unterzeichnet. Seither sind zahlreiche Dissertationen und andere Abschlussarbeiten über Forchheim erschienen und viele Forschungsprojekte durchgeführt worden. Das Inhaltsverzeichnis des Buches liest sich deshalb auch wie ein "Who is Who" der Otto-Friedrich-Universität, viele Disziplinen sind vertreten: Archäologie (Sage, Ericsson und Grabungsleiter Feil), Bauforschung und Baugeschichte (Schuller), Denkmalpflege (Hubel), Historische Geographie (Krings), Geographie (Becker), Mittelalterliche Geschichte (Schneidmüller) und Neuere/Neueste Geschichte (Möckl). Prof. Klaus Guth, Volkskunde und Historische Landeskunde, war beratend tätig. Vertreter der genannten Disziplinen veröffentlichen hier ihre aktuellen Forschungsergebnisse zu Forchheim; zudem sind in dem Band einige neuere Aufsätze zum Thema noch einmal nachgedruckt. Multiperspektivische Sicht auf die Stadt Den Anfang machen die Archäologen (Abels, Haberstroh, Ericsson) mit Texten zur Vorgeschichte der Stadt. Anschauliche Fotos zeigen Grabbeigaben aus dem 6. Jh. v. Chr. im Forchheimer Umland. In der Regnitz entdeckte man sogar Bronzebeile aus dem späten 17. Jh. v. Chr. und ein kostbares Bronzeschwert aus dem 14. Jh. v. Chr. Es folgen kulturelle Beiträge zur Herkunft von Orts- und Gewässernamen (George), zu Wandmalereien in der "Kaiserpfalz" (Beckett) und Hochzeitstrachten der Franken (Jauernig). Historiker (Schneidmüller, Ninness, Konrad, Endres, Greif u.a.) erzählen die Geschichte der Stadt vom Mittelalter über die Zeit des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart. Wie viele Juden wurden aus Forchheim deportiert, und wie entwickelte sich die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg? Historische Aufnahmen in dem Beitrag von Rolf Kießling zeigen die zerstörte Synagoge und SA-Aufmärsche auf dem Paradeplatz von 1936. Einem erfreulicheren Kapitel der Geschichte widmet sich der Kulturbeauftragte der Stadt Forchheim, Dieter George: Er blickt mit zahlreichen Bildern auf die Geburtsstunde des beliebten "Annafestes" 1840 zurück. Stammgäste werden an den nostalgischen Fotos ihre Freude haben. Aber was wäre das "Annafest" und Franken ohne sein Bier? Die Umgebung von Forchheim, Bamberg, Teilen der Fränkischen Schweiz und des Steigerwaldes ist die Region mit der weltweit größten Brauereidichte. Da darf natürlich auch ein Beitrag über die lokalen Brauereien nicht fehlen (Ermann) - vier an der Zahl sind es heute noch. Trotzdem wird in Forchheim noch nicht einmal so viel Bier hergestellt, wie von den Einwohnern getrunken wird. Den Band runden die Geographen (Becker, Krings, Jess) mit einem Blick in die Zukunft ab: Internationale Handelsbeziehungen, die industriewirtschaftliche Standortqualität Forchheims und der Weg zur Globalisierung sind die Themen. Das Buch ist erhältlich im regionalen Buchhandel, in allen Geschäftsstellen des Fränkischen Tages und über den Universitäts-Verlag Bamberg Gutenbergstraße 1 96050 Bamberg Tel. 0951/188-125, Fax 0951/188-529, E-Mail: universitaets-verlag.bamberg@fraenkischer-tag.de externer Link folgt www.ft-buchverlag.de

News Wintersemester 2004/2005 vom 18.02.05