Studentenkonzert der Bamberger Symphoniker begeisterte mit Werken von Tschaikowsky
Beim vierten Studentenkonzert der Bamberger Symphoniker stand erstmals nicht Chefdirigent Jonathan Nott am Pult. Mit seiner jugendlichen Frische und südamerikanischem Temperament wurde der Venezolaner Gustavo Dudamel zum Mann des Abends.
Inzwischen kennt sie fast jeder: Die einmal pro Semester stattfindenden Studentenkonzerte mit den Bamberger Symphonikern, die eine günstige Gelegenheit für Jung und Alt bieten, ein klassisches Konzert der etwas anderen Art zu besuchen.
Am Samstag ging es nun in die vierte Runde, diesmal nicht mit Chefdirigent Jonathan Nott am Pult, sondern mit dem Venezolaner Gustavo Dudamel, Gewinner des diesjährigen Bamberger Symphoniker Gustav Mahler-Dirigentenwettbewerbs, an dessen jugendliche Frische und südamerikanisches Temperament sich bestimmt noch einige Musikbegeisterte erinnern konnten. Vor wie immer voll besetztem Haus im Joseph-Keilberth-Saal der "Sinfonie an der Regnitz" konnte der junge Dirigent sein ganzes Talent mit dem Orchester ausleben. Einzig vor den Stücken gönnte er sich und den Musikern etwas Ruhe, um Moderatorin Elgin Heuerding das Wort zu erteilen, die dem Publikum Informationen zu den Komponisten und ihren Werken lieferte.
Drei Werke waren für das vierte Studentenkonzert vorgesehen: "Margariteña" von Inocente Carreño, einem 1919 geborenen Landsmann Gustavo Dudamels, "Sensemayá" des mexikanischen Komponisten Silvestre Revueltas und Peter Tschaikowskys Symphonie Nr. 4 in f-Moll, welche den Höhepunkt des Abends bildete. Der 23-jährige Dudamel zeigte bei seiner Interpretation der Symphonie Gespür für klare Linien und Melodien in den einzelnen Stimmen im Orchester. Ein deutliches Metrum und seine Fähigkeit, dem Klang Zeit und Ruhe zu geben, zogen die Zuhörer im Saal gleich beim ersten Satz in den Bann, "Andante sostenuto - Moderato con anima", der mit schmetternden Fanfaren beginnt, die laut Elgin Heuderding, Tschaikowsky zitierend, "das unerbittliche, in das Leben eingreifende Schicksal" symbolisieren. Schwelgerisch, mit klangdichter Fülle, ließ er die Bamberger Symphoniker auch den zweiten Satz "Andantino in modo di canzona" spielen, so gut melodisch-dynamisch artikuliert, so wunderbar zurückgenommen in den zaghaften Pianostellen, dass man beinah den Beginn des dritten Satzes verträumt hätte: Das "Scherzo. Pizzicato ostinato: Allegro", wie der Titel schon sagt, geprägt von den ausschließlich zupfenden Streichinstrumenten und gar vorlauten Einwürfen der Bläser, steigerte die Spannung zum Finalsatz "Finale: Allegro con fuoco", der furios, aber präzise gespielt, daherkam, und bei dem Gustavo Dudamel aus dem Bamberger Orchester wirklich alles herauszuholen schien.
Nicht weniger interessant waren die zwei vorangegangenen Stücke: Carreños "Margariteña", 1954 uraufgeführt, ein Stück Erinnerung des venezuelanischen Komponisten an seine Heimatinsel, eine "musikalische Ansichtskarte" gleichsam, wie Elgin Heuderding es ausdrückte. Ein Stück voller fegender Paukenwirbel, gershwinesken Floskeln und Rhythmen, mal leicht, mal donnernd daherkommend, gespickt mit filmmusikalischen Klängen und Zitaten aus Kinderliedern, schwungvoll und mit ausladenden Bewegungen vom energiegeladenen Dudamel dirigiert, das die Zuhörer sofort beeindruckte.
Auch mit Silvestre Revueltas "Sensemayá" spielte er sich in die Herzen des Bamberger Publikums. Abgestimmt mit der Moderation Elgin Heuderdings, die ihm Fragen zum Stück auf Spanisch stellte, ließ er die Musiker signifikante Stellen aus dem Werk anspielen: Da erklang eine sich an einen Indianer, der von der Tuba repräsentiert wurde, anschleichende Schlange in der Stimme der Bassklarinette, da hörte man sie immer näher kommen und ihn schließlich mit einem schnellen Biss töten. Ein indianisches Ritual, ein Poème, diente dem Komponisten als Vorlage für sein Stück im rhythmisch sehr lebhaften 7/8-Takt geschrieben, in dem vor allem die sieben Mann am Schlagwerk ihre große Stunde hatten.
Der Mann des Abends aber blieb Gustavo Dudamel. Sichtlich begeistert von den Bamberger Symphonikern, reihte er sich nach jedem Stück in die Orchesterreihen und konnte nach Abschluss des Konzerts gar nicht genug Musikerhände schütteln. Den nicht enden wollenden Applaus, der nach Tschaikowskys Vierter über ihn hereinbrach, teilte er bescheiden mit dem Orchester. Nach dem vierten Satz, einem fröhlichen musikalischen Volksfest oder, mit Dudamels Worten, einer ausgelassenen "Party", ging anschließend die "Party" im Foyer mit Orchestermusikern, dem Dirigenten sowie Speis und Trank zu Studentenpreisen weiter.
Ein Termin für das nächste Studentenkonzert im Sommersemester 2005 steht übrigens schon fest: Am Dienstag, den 26. April, stehen Gustav Mahlers "Totenfeier" und Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 auf dem Programm. Das Dirigentenpult und die Moderation wird dann wieder der Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott, übernehmen.
News Wintersemester 2004/2005 vom 09.11.04