Universität Bamberg - Logo
RSS-Feed

Schneidig, bedrückend, unheimlich

Mit Stücken von Josquin des Prez über Dvorák bis zum Zeitgenossen Arvo Pärt präsentierten Uni-Chor und -Orchester bei ihrem Geistlichen Konzert ein reichhaltiges Programm - und trotzten den schwierigen akustischen Verhältnissen in der halligen Michaelskirche.

Von Rupert Plischke

In der Kirche St. Michael stellten UMD Michael Goldbach und Mitglieder von Chor und Orchester der Universität die in einer sommerlichen Probephase einstudierten Werke auch in Bamberg vor. In den zweiwöchigen Arbeitsphasen im August werden in Italien oder einem anderen europäischen Land von etwa 50 Sängerinnen und Sängern sowie etwa zwei Dutzend Instrumentalisten Werke aus verschiedenen Epochen in unterschiedlichen Besetzungen einstudiert und aufgeführt ? dieses Jahr wurde im schleswig-holsteinischen Noer ein Programm geprobt, das sich u.a. von Josquin des Prez über Dvorák bis zum Zeitgenossen Arvo Pärt erstreckte.

 

Warmer Mischklang oder schlanke Präzision?

Zu Beginn erklang die Vertonung des 111. Psalms ?Ich danke dem Herrn? von Heinrich Schütz, das die Musiker unter Goldbachs knapper, präziser Stabführung mit einer Tendenz zum klaren, geraden Klang vorstellten, was dem deutlich gegliederten Werk durchaus entgegen kommt. Trompeten und Oboen lieferten Klangfarben - Schütz hatte, der Gewohnheit der Zeit folgend, keine feste Besetzung vorgegeben; allerdings wirkte das Streicherkorps recht großzügig besetzt. Eine der ewigen Streitfragen ? warmer Mischklang im Tutti oder schlanke Präzision der Wenigen? ? lässt sich nicht befriedigend theoretisch-dogmatisch entscheiden. Insgesamt ergab sich so ein recht homogener, vielleicht streckenweise reichlich glatter, gefälliger Orchesterklang. Trotz der schwierigen akustischen Verhältnisse in der halligen Michaelskirche überzeugend: die Koordination der verschiedenen Stimmen. Gefällig setzten Chor und Orchester auch in Teilen aus Bachs Kantate BWV 45 an; die weichen Choreinsätze präsentierten die Vertonung des ?Es ist dir gesagt, Mensch? als durchaus schmeichelnde, glücksverheißende Verkündigung, deren musikalisches Thema erst im weiteren Verlauf klare, präzise Konturen gewinnt, eingerahmt vom federnd weichen Bass und leuchtenden hohen Streichern.

 

In enger Kopplung mit Arvo Pärt stellte Goldbach den 192. Psalm ?De profundis? für Chor (Josquin des Prez) vor, wobei der erste Teil des a-cappella-Werkes etwas holprig wirkte; erst nach Pärts groß angelegtem ?Fratres? schien der Chor zur erforderlichen einzelstimmlichen Sicherheit und klanglichen Klarheit zu finden. Pärt greift in seinem Werk zum einen auf Kompositionstechniken aus dem späten Mittelalter ? passend zu des Prez ? zurück, entfaltet andererseits ein eigentlich schlichtes Thema durch nur klanglich-dynamisch variierte Wiederholung zu einer großen Steigerung und schafft so einen Spannungsbogen, der historisch und politisch interessierten Lesern vielleicht aus dem Einführungsfilm des Nürnberger Dokumentationszentrums auf dem Reichparteitagsgelände vertraut sein mag ? in diesem Zusammenhang freilich wirkt das an sich friedliche, kontemplative Werk um vieles mehr schneidender, unmittelbarer, auch bedrückender und unheimlicher. Die Wirkung von Musik ? ein Ergebnis des jeweiligen Zusammenhangs?

 

Klare Gegensätze

Die abschließend gebotene Messe in D op. 86 von Antonin Dvorák gehört sicher weder zu den Meisterwerken des Komponisten noch zu den Meilensteinen der Gattung ? das Wesentliche war auf diese Weise längst schon von Mozart, Schubert oder Mendelssohn ungleich kompakter, ergreifender, überzeugender aufgeschrieben ? sie bot aber den Musikern immerhin die Chance, breiten romantischen Orchesterklang zu entfalten, forderte klare Gegensätze wie im Gloria oder zarteste Stimmungslagen wie im vom Chor wunderbar sanft ausgehörten pp-Benediktus, kurz: interessant zu hören, aber ein bleibender Eindruck wird es wohl trotz des reichen Engagements der Beteiligten nicht werden. Und: Zugabekomponist Michael Haydn erscheint im Kontrast als wahrhafter musikalischer Meister ? welche Bescheidenheit der Mittel, welche Effekte!

 

News Wintersemester 2004/2005 vom 20.10.04