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Schlafzimmer vorm Hörsaal

Neue Protestaktion gegen Studiengebühren - Studierende gründen in der Feldkirchenstraße die erste Uni-WG

Von Julian J. Rossig

Unter dem Motto: "Gebührend wohnen statt Gebühren zahlen" haben Studierende in der Universität in der Feldkirchenstraße die erste Uni-WG gegründet.

An der Wand das Schuhregal, daneben der Kühlschrank und direkt um die Ecke ein großes Plakat mit "WG-Regeln" - so stellt man sich eine typische studentische Wohngemeinschaft vor. Insofern entspricht Timo Reicherts neues Zuhause ganz dem Klischee. Nur die Adresse ist etwas seltsam: Feldkirchenstraße 21 - ist das nicht die Uni?

"Der kürzeste Weg zur Vorlesung?"

Nein, das ist kein Übermittlungsfehler: Die neue "Uni-WG" hat tatsächlich mitten in der Universität ihre Zelte, pardon: Isomatten, aufgeschlagen. "Wir haben den garantiert kürzesten Weg zur Vorlesung!", freut sich Reichert: In zehn Sekunden ist er am Audimax. Schneller geht's nun wirklich nicht.

Der Grund für diesen ungewöhnlichen Standort liegt freilich nicht in der Zeitersparnis: "Wir wollen die Kommilitonen aufrütteln und gegen Studiengebühren protestieren", hat sich die Gruppe auf ihre Fahnen geschrieben. Ganz nach dem Motto: "Gebührend wohnen statt Gebühren zahlen". Fast 750 Euro kostet das Leben eines Durchschnittsstudierenden Monat für Monat, davon macht die Miete den größten Einzelposten aus. "Wenn jetzt noch Studiengebühren hinzu kommen?" - Reichert befürchtet das Schlimmste.

Haustelefon "konfisziert"

Der Ausgangspunkt aller Überlegungen: Während sich tagsüber Tausende von Studierenden in die chronisch überlasteten Hörsäle zwängen, steht das Gebäude nach Vorlesungsende fast zwölf Stunden lang leer - eine gigantische Verlockung für (Zeit-) Ökonomen. Außerdem stehen nachts auch die übrigen Annehmlichkeiten des Universitätsbetriebs - CIP-Pools, Bibliothek, Sanitäreinrichtungen - ungenutzt herum. Wieso sollte man dann nicht Uni und WG einfach zusammenlegen?

Seit vergangenem Dienstag nun campieren die knapp zwei Dutzend Studierenden vom fakultätsübergreifenden "Rat gegen Studiengebühren" (rage-S) in der ersten Feki-Etage. Mit Küche, Wohn- und Esszimmer, Büro und mehreren abgeteilten "Schlafzimmern" ist sie von einer echten WG kaum zu unterscheiden. Selbst ein Telefonanschluss steht bereit: Das an der Wand montierte Haustelefon mit der Durchwahl 1207 wurde kurzerhand konfisziert.

Wenig Resonanz bei Studierenden

Die Universitätsleitung hat sich - um der Respektierung des Rechts auf freie Meinungsäußerung willen - zu einer Duldung der Uni-WG entschlossen. Sogar einen Schlüssel für den Seiteneingang sollen die WG'ler erhalten, um auch nach Torschluss noch in ihre harten Betten zu gelangen.

Zumindest eines ihrer Ziele hat die Aktion erreicht, sie wurde prompt zum Medienereignis: Zuerst kam TV-Oberfranken vorbei, dann Campus-TV; und neben dem FT und einer Reihe anderer Lokalzeitungen interessierte sich schließlich sogar die Nachrichtenagentur dpa für die ungewöhnliche Wohngemeinschaft. In gewisser Weise "entschädigt" das Medieninteresse die "Uni-Besetzer" also für das schwache Interesse ihrer Kommilitonen: Die Reaktionen der Bamberger Studierenden zu der Aktion blieben bislang eher lauwarm.  

News Sommersemester 2005 vom 21.06.05