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Schätze über und unter der Erde

Stadtarchäologie hautnah auf dem Welterbetag 2007

Von Lukas Werther

Bamberg bietet Schätze über und unter der Erde: Aber wer kümmert sich um die „unterirdischen“? (Bild: Photocase)

Es gibt immer etwas Neues zu entdecken! Interessante Einblicke auf einer Stadtführung zum Domberg (Bilder: Lukas Werther)

Wie sieht die Zukunft der Stadt Bamberg aus? Der Computer zeigt mögliche Entwicklungen...

Seit 1993 ist die Bamberger Altstadt Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Um die Welterbestätten im Bundesgebiet einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, rief die deutsche Welterbekommission einen jährlichen „Welterbetag“ aus, der 2006 erstmals in Bamberg durchgeführt und am 3. Juni wiederholt wurde.

Der Welterbetag 2007 stand am 3. Juni unter dem Motto „Archäologie in Bamberg“ und wurde vom Dokumentationszentrum Welterbe der Stadt Bamberg zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Universität Bamberg durchgeführt. 

Im Rahmen von Führungen und Vorträgen wurde ein breites Spektrum an stadtarchäologischen Themen der Öffentlichkeit vorgestellt. Rundgänge im Bereich des Domberges, der Inselstadt und der Theuerstadt fanden rege Beteiligung und informierten vor Ort über den aktuellen archäologischen Forschungsstand zur Stadtgeschichte und die  Grabungen der letzten Jahrzehnte. Eine Kinderführung gab auch den jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Welterbetages die Möglichkeit, einen anschaulichen Einblick in die Archäologie Bambergs zu gewinnen.

Im Anschluss an die Führungen bot eine Vortragsreihe im Marcus-Haus die Gelegenheit, einen spannenden Überblick über stadtarchäologische Projekte der letzten Jahrzehnte zu bekommen. Nach einem einführenden Vortrag über die Entwicklung der stadtarchäologischen Forschungen in Bamberg seit den 1960er Jahren folgten Ausführungen zum Domberg, zu Brücken und Mühlen an der Regnitz, zum Sandgebiet sowie zum Zinkenwörth. Präsentationen des Lehrstuhls für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der Universität Bamberg, des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Dokumentationszentrums Welterbe boten weitere Informationsmöglichkeiten. Den Abschluss des gelungenen Welterbetages bildete ein Abendvortrag des Lübecker Stadtarchäologen Prof. Dr. Manfred Gläser, der die vielfältigen Möglichkeiten einer kommunalen Stadtarchäologie am Beispiel der hanseatischen Welterbestadt aufzeigte.

Unterirdisches Welterbe in Gefahr

Dass zum Welterbe Bamberg neben der obertägig sichtbaren (Bau-)Substanz auch ein reiches archäologisches Bodenarchiv gehört, wurde den Bamberger Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der Veranstaltung eindrucksvoll vor Augen geführt. Deutlich wurde allerdings auch gezeigt, wie stiefmütterlich dieses bodendenkmalpflegerische Kleinod in den letzten Jahren und Jahrzehnten häufig behandelt wurde. Unzählige Bodeneingriffe im Stadtgebiet haben großflächig archäologische Substanz unwiederbringlich zerstört. Wichtige und unersetzliche Quellen zur Stadtgeschichte sind so Jahr für Jahr ohne Dokumentation den Baggern zum Opfer gefallen – und ein Ende dieses unverantwortlichen Umganges mit dem unterirdischen Teil des Welterbes ist bisher nicht in Sicht.

Um diesen Missständen effektiv entgegenzuwirken und das Bodenarchiv der Bamberger Altstadt optimal zu schützen, müsste dringend eine kommunale Stadtarchäologie etabliert werden. Im Rahmen der Veranstaltung wurde mehrfach darauf verwiesen, dass eine entsprechende Stelle eines Stadtarchäologen bereits 1998 im Stadtrat beschlossen, aber bisher nicht eingerichtet wurde. Dem stellvertretend für Oberbürgermeister Starke anwesenden Stadtrat Brändlein wurde von den Organisatoren und Referenten dringend nahegelegt, diesen Missstand im Stadtrat zu thematisieren, damit die Stadt Bamberg ihrer Verpflichtung zum Schutz ihres Bodendenkmales nachkommt.

News Sommersemester 2007 vom 09.06.07