Die Tagung „Nature, Space and the Sacred“ ruft zu neuer ökologischer Verantwortung auf

Heinrich Bedford-Strohm (rechts) und Oberbürgermeister Andreas Starke diskutieren über eine verantwortungsvolle Städteplanung (Bilder: Lehstuhl für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen)

In der AULA der Universität traf sich eine internationale Forscherschar und interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer

Beate Weber (rechts) konnte mit ihrer Erfahrung als Oberbürgermeisterin von Heidelberg viele wertvolle Impulse geben
Es war eine bunte Gruppe von Menschen, die vom 24. bis 26. Mai in der AULA der Universität Bamberg beieinander waren, um über Fragen ökologischer Verantwortung und der Rolle, die Religion dabei spielt, zu diskutieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern von Hawaii/USA über Südafrika bis Kirgisistan waren zum ersten Kongress des neu gegründeten „European Forum for the Study of Religion and the Environment“ nach Bamberg gekommen. „Das Exekutivkomitee des Forums hat sich spontan für Bamberg als Tagungsort entschieden, nachdem es hier vor einem Jahr zu einem Planungstreffen zusammengekommen war“, erzählt Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Inhaber des evangelischen Lehrstuhls für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen an der Uni Bamberg, der zusammen mit Prof. Dr. Sigurd Bergmann von der Technischen Universität Trondheim Veranstalter des Kongresses war.
Die geisteswissenschaftlich ausgerichtete Universität, das Weltkulturerbe-Ambiente zwischen historischen Häusern, Flussszenerie und zahlreichen Kirchtürmen bot sich als idealer Ort an, um über das Tagungsthema „Nature, Space and the Sacred – Transdisciplinary Perspectives“ nachzudenken.
In dem Eröffnungsvortrag forderte die Theologin Ann Primavesi von der University of London angesichts der Klimakatastrophe eine radikal neue Einstellung des Menschen zur außermenschlichen Natur. Es müsse ein neues globales Bewusstsein wechselseitiger Verletzlichkeit entstehen. Religiösen Quellen maß die englische Theologin ein wichtige Funktion bei der Ermutigung eines solchen Bewusstseins zu. Der Religionswissenschaftler John Grim von der Yale University zeigte anhand des Stammes der Crow, wie die indianische Tradition die Natur in ihre Rituale einbezieht. Anne Buttimer von der University of Dublin, die erste Frau, die zur Präsidentin der International Geographic Society gewählt wurde, gab einen Einblick in die religiöse Landkarte der Welt und ging der Frage nach, wie Natur und Raum in den jeweiligen religiösen Vorstellungen einander zugeordnet werden.
Eine radikale philosophische Infragestellung des traditionellen Konzepts von Raum brachte der Vortrag von Tim Ingold, Anthropologe an der University of Aberdeen. Mary Evelyn Tucker von der Institution for Social and Policy Studies der Yale University, Mitverfasserin der Earth Charter, kontrastierte unsere gängigen Vorstellungen von Natur und Raum mit der Philosophie und Praxis des Ch’i in Ostasien. Sie forderte ein stärkeres öffentliches Engagement der verschiedenen religiösen Traditionen für den Erhalt der Umwelt.
Dass die Konferenz auch in die Öffentlichkeit hineinwirken wollte, zeigte sich an dem Diskussionsabend mit dem Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke und der langjährigen Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber zum Thema „Sustainable Urban Planning“, der bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterließ. Insbesondere die vielen Beispiele für die Umsetzung ökologischer Ideen in der Stadtplanung, die Beate Weber aus ihrer 16-jährigen Amtszeit mitbrachte, erwiesen sich als Quelle der Inspiration für die Konferenz.
Die Hoffnung, die Prorektor Prof. Dr. Rainer Drewello beim Empfang der Unileitung zu Beginn den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt mit auf den Weg gegeben hatte, dass sich während der Tagung fruchtbare Diskussionen entwickeln würden, ging in Erfüllung. Die 20 in vier parallelen Gruppen gehaltenen Referate sowie die Plenumsvorträge werden in eine Veröffentlichung eingehen, die den Ertrag der Konferenz auch denen zugänglich machen wird, die nicht daran teilnehmen konnten. Wer in den Genuss einer fachkundigen Stadtführung kommen möchte, wie sie Matthias Ripp, der Leiter des Dokumentationszentrums Weltkulturerbe der Stadt Bamberg, den Konferenzteilnehmern bot, muss allerdings schon selbst nach Bamberg kommen.
News Sommersemester 2007 vom 06.06.07