Seit 1. Oktober hat die Universität Bamberg zwei neue Prorektoren
Neu sind den beiden neuen Prorektoren hochschulpolitische Fragen und universitäre Strategien zur Profilbildung nicht. Doch Rainer Drewello und Reinhard Zintl stehen vor denkbar schwierigen Aufgaben.
Beide haben in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn eine Menge Erfahrungen sammeln können, die der Universität Bamberg nun zugute kommen. Doch Prof. Dr. Rainer Drewello und Prof. Dr. Reinhard Zintl sehen der Realität ins Auge: Die in der gegenwärtigen Profilbildungsdebatte anstehenden Aufgaben wie die Umstrukturierung von Forschungsförderung und die Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge stellen eine besonders schwierige Herausforderung dar.
Als studierter Natur- und promovierter Ingenieurwissenschaftler versteht Rainer Drewello, der seit vier Jahren in Bamberg Professor für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege ist, sich selbst als eine Art "Schnittstelle" zwischen den Geistes- und Naturwissenschaften. Die beiden unterschiedlichen Wissenschaftskulturen miteinander zu verbinden, hält er für eine der größten Herausforderung. "Und dabei sollten sich die Geisteswissenschaften nicht als kleinerer Partner verkaufen", betont er.
Als Naturwissenschaftler kenne er die Praxis der Drittmitteleinwerbung, die für die Zukunft der Forschung so wichtig ist, sehr gut. Und auch seine Tätigkeit als "Expert" der Europäischen Kommission, DG Research, habe ihm wichtige Einblicke in die internationale Forschungsförderung gewährt. Der Erfahrungsschatz kommt jetzt der Universität Bamberg zugute: Der neue Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs möchte gezielt und verstärkt Drittmittelforschung unterstützen und Anreize für den wissenschaftlichen Nachwuchs schaffen, zum Beispiel durch differenzierte Preissysteme und Anschubförderungen.
Den künftigen Ort für Drittmittelförderung sieht Drewello vor allem in fächer- und fakultätsübergreifenden Einrichtungen wie Zentren, Kollegs und Forschergruppen. Dort werde so geforscht und gearbeitet, wie es auf internationaler Ebene erwartet wird: interdisziplinär und kooperativ - und von dort finde in der Regel auch leichter der gewünschte Wissenstransfer in die Praxis statt. Mit praxisbezogenen Kooperationsprojekten dieser Art hat Drewello bereits Erfahrung: Am Projekt Digitales Dombauarchiv (www.dombauarchiv.de) beispielsweise sind Drewello und der Bamberger Kulturinformatiker Prof. Christoph Schlieder beteiligt.
Wie wichtig politisches Handeln auch im universitären Kontext ist, weiß Reinhard Zintl nicht nur, weil er Politikwissenschaftler ist. An der Bundeswehr-Universität in München, wo er elf Jahre lang Professor für Sozialpolitik war, ging es gelegentlich politisch hoch her. In seiner Funktion als Prorektor für Lehre und Studium will er sich den anstehenden Veränderungen der Fächerstrukturen und neuen Studiengängen widmen. Vier Jahre als Studiendekan seiner Fakultät sowie sechs Jahre als Leiter der Kommission für Lehre und Studium haben Zintl sensibel gemacht für die anstehenden Herausforderungen. Trotzdem, darauf besteht er, hat er "keine Routine im Mitspielen".
Was die zukunftsweisenden Aufgaben wie die Neustrukturierung von Fächern und Studiengängen angeht, ist Zintl zuversichtlich, aber auch vorsichtig: "Interdisziplinarität setzt intradisziplinäre Trittfestigkeit voraus. Disziplinen müssen also tradiert, studiert und gelehrt werden können." So sehr auch er eine fächerübergreifende Kommunikation für erkenntnisfördernd und notwendig hält, eine "erkennbare Mitte" sei bei jedem neuen Studiengang-Angebot vonnöten. Und diese Mitte sollte zuerst an dem ja nicht zufällig gewachsenen Charakter der Disziplinen und nicht so sehr an gerade aktuellen Problemen orientiert sei: "Wir tun vielmehr gut daran, ein Wissen zu erwerben, das möglichst auch mit solchen Problemen umgehen kann, die wir noch gar nicht kennen."
News Wintersemester 2004/2005 vom 25.11.04