Das türkische Volk schwanke zwischen EU-Euphorie und tiefer Enttäuschung, erklärte Bahri Yilmaz von der Istanbuler Sabanci Universität. Sein Vortrag begleitete die Ehrung für den Bamberger Turkologen Klaus Kreiser.
Die guten Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland werden auch durch gemeinsame Tätigkeiten der Universitäten beider Länder bezeugt. So wurde der Bamberger Turkologe Klaus Kreiser vom Außenministerium der Republik Türkei für seine hohen Verdienste um die Vermittlung der türkischen Sprache, Geschichte und Kultur ausgezeichnet. Überreicht wurde die Auszeichnung vom Generalkonsul der Republik Türkei, M. Munis Dirik. Klaus Kreiser, so Munis Dirik, sei sowohl ein Orientalist als auch ein Okzidentalist, ?da für ihn Bildung, Geschichte, Kultur und Herzensbindung von der atlantischen Küste Europas bis weit über die Türkei zurück reicht?.
Der Rektor der Bamberger Universität Godehard Ruppert erklärte in seinem Grußwort, dass der kulturwissenschaftliche Anspruch der Bamberger Universität auch ein Verdienst des Ausgezeichneten sei. Klaus Kreiser, geboren 1945 in Rosenheim, lehrt mittlerweile seit 20 Jahren in Bamberg. In den späten 70er Jahren war er Referent am Deutschen Archäologischen Institut in Istanbul. Er hat den Lehrstuhl für Türkische Sprache, Geschichte und Kultur in Bamberg aufgebaut und zu einem international anerkannten Studiengang geführt.
Zwischen EU-Euphorie und tiefer Enttäuschung
Mit den Beziehungen zwischen der Türkei und der EU beschäftigte sich Bahri Yilmaz von der Sabanci Universität in Istanbul in seinem Festvortrag. Aktuelle Brisanz bekam der Vortrag durch die zu diesem Zeitpunkt noch bevorstehende Volksabstimmung der geteilten Insel Zypern, die eine Aufnahme der Türkei in die EU beschleunigen könnte.
Die Lösung des Zypernkonflikts sei eine Möglichkeit für ein beschleunigtes Aufnahmeverfahren der Türkei. Ein weiterer Bestandteil des Abkommens mit der EU, das von der Türkei bis Dezember 2004 erfüllt sein müsse, ist die Verbesserung der Meinungsfreiheit. Allerdings könne der türkische Staat zur Zeit noch kein Programm aufweisen, das zur Erfüllung dieser und anderer Punkte führe. So schwanke das türkische Volk weiterhin zwischen EU-Euphorie und tiefer Enttäuschung. Immer wieder schleiche sich der Gedanke ein, Ankara werde die geforderten Auflagepunkte nie erfüllen und eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU nicht möglich sein.
Bahri Yilmaz kritisierte aber auch die Haltung der EU-Kommission, die bis heute noch kein Datum für die Beitrittsverhandlungen festgelegt habe. Freilich müsse die Türkei noch wichtige Schritte in Richtung EU gehen, zentrale Stationen auf diesem Weg seien die weitere Demokratisierung in der Politik und die damit verbundene Übernahme westlicher Standards. Wichtigstes Kriterium sei jedoch, dass sowohl die Türkei als auch die Europäische Union bereit sein müssten, den langen Weg gemeinsam zu gehen und einen Beitritt der Türkei überhaupt zu ermöglichen.
News Sommersemester 2004 vom 26.04.04