Eröffnung der Sonderausstellung „Rückspiegel – Archäologie des Alltags in Mittelalter und früher Neuzeit“

Historische Scherben bringen dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit hoffentlich auch in den nächsten 25 Jahren Glück! (Bilder: Anne Maria Kokert)
Die Hälfte der archäologischen Ausgrabungen der letzten Jahre in Deutschland betrafen das Mittelalter, das Interesse ist riesig. Und auch in Bamberg ist das Engagement am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ungebrochen groß. Zum 25-jährigen Jubiläum erarbeiteten Prof. Dr. Ingolf Ericsson, seit 1995 Leiter des Lehrstuhls, und sein wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Hauke Kenzler mit den Studierenden die Sonderausstellung „Rückspiegel – Archäologie des Alltags in Mittelalter und früher Neuzeit“. Unterstützt wurden sie dabei vom Historischen Museum Bamberg, das neben Fachkenntnis auch historische Objekte zur Verfügung stellte und die Ausstellung jetzt in seinen Räumen beherbergt.
Es reiche nicht, während des Studiums Kenntnisse zu sammeln, sagte Ericsson in seinem Grußwort zur feierlichen Eröffnung, genauso wichtig sei es, die gelernten Inhalte nach außen zu transportieren und „in der Lehre auch Öffentlichkeitsarbeit“ zu betreiben. Diese Pflicht gelte für Dozenten ebenso wie für Studierende. Da das Studienprofil am Institut für Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege (IABD), dem der Lehrstuhl untergeordnet ist, schon immer berufsorientiert war, stand es außer Frage, anlässlich des Jubiläums ein Projekt mit den Studierenden zu verwirklichen, an dem die Öffentlichkeit teilhaben würde. Im Sommersemester 2004 begannen die Planungen zur Ausstellung, die uns jetzt – im Rückspiegel – ein buntes Bild vom Alltag der Menschen im Mittelalter und gleichzeitig vom Alltag des Lehrstuhls zeigt. Die Studierenden sammelten praktische Erfahrung im Museumswesen und in der Publikation. Ericsson dankte den vielen Leihgebern und den Partnern im Historischen Museum für die „beste Kooperation“. Ein besonderer Dank ging an Dr. Kenzler und die vierzig beteiligten Studierenden für ihr Engagement, ihre Geduld und ihre Ideen.
Die aktuelle Kooperation zwischen städtischem Museum und universitärer Lehre zeige die symbiotische Beziehung zwischen Universität und Stadt Bamberg, so der Rektor der Otto-Friedrich-Universität Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert. Es sei erfreulich, betonte Ruppert, dass der historische Rückblick nicht nur innerhalb des Lehrstuhls gehalten werde, sondern dass die Öffentlichkeit durch die Ausstellung daran teilhaben könne. „Nichts wird häufiger mutwillig zerstört als Rückspiegel“, so Ruppert, Aufgabe sei es stattdessen, „die Rückspiegel des kulturellen Erbes zu polieren“.
Frau Dr. Regina Hanemann, Direktorin des Historischen Museums Bamberg, lobte in ihrem Grußwort das gute Präsentationskonzept, das „gleichermaßen Fachpublikum und interessierte Laien“ anspräche. Sie wies auf das umfangreiche Rahmenprogramm zur Ausstellung hin, das Führungen, Vorträge, Workshops und Mitmach-Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene beinhaltet.
Diesen Worten schloss sich Hauke Kenzler ausdrücklich an. Er lud ein, die verschiedensten Alltagsbereiche des mittelalterlichen Lebens kennen zu lernen und mehr über Kinder, Hygiene, Krieg, Kirche und Religiosität der mittelalterlichen Menschen und profanere Themen wie Landwirtschaft, Handel, Bau und Kleidung zu erfahren. Viele besondere Exponate der Ausstellung sind Funde direkt aus Bamberg und der Region. Hörstationen und Filme ergänzen die Ausstellung multimedial.
Das Begleitheft, das, so Kenzler, „bewusst keinen Katalog der Funde“ darstellt, sondern der inhaltlichen Vertiefung der gezeigten Gegenstände dient, ist während der Öffnungszeiten erhältlich. Bis zum 5. November 2006 sind wir täglich außer montags von 9 Uhr bis 17 Uhr eingeladen, im Historischen Museum Bamberg in der Alten Hofhaltung „Rückspiegel - Archäologie des Alltags in Mittelalter und früher Neuzeit“ zu sehen.
News Sommersemester 2006 vom 03.05.06