Sprecherrat lud zu Vollversammlung der Studierenden ein
Studierende der Otto-Friedrich-Universität Bamberg diskutierten auf der Vollversammlung mit Prorektor Prof. Reinhard Zintl über die Verwendung der Studiengebühren.
Nicht nächstes Jahr, aber wahrscheinlich zum Sommersemester 2007 werden Studiengebühren fällig. Da sich dies nicht mehr verhindern lässt, brennt den Bamberger Studierenden jetzt die Frage auf den Nägeln, wie die Einnahmen verwendet werden. Wohin fließt das Geld? Kommt es auch sofort dem Studium zugute? Auf der Vollversammlung der Studierenden am 23. November, zu der der Sprecherrat eingeladen hatte, diskutierten rund 50 Studierende mit Prorektor Professor Reinhard Zintl intensiv über das Thema. Dieser forderte die Hochschüler auf, die Verwendung der Gelder kritisch zu verfolgen und sich einzubringen: „Sie haben es mit in der Hand, wie das Geld verwendet wird.“
500 Euro pro Semester
Mit großer Wahrscheinlichkeit werden mit der Einführung der Gebühren für die meisten Bamberger Studierenden 500 Euro pro Semester fällig, auch wenn das Gesetz Spielraum nach unten ließe. „Die bayrischen Universitäten haben sich darauf verständigt, die Gebühren nicht zu differenzieren“, sagte Zintl. Ungesunder Wettbewerb zwischen den Standorten und den Fächern solle so unterbunden werden. Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg rechnet damit, dass ihr grob und eher optimistisch geschätzt 70 Prozent der Einnahmen aus den Studiengebühren zur Verfügung stehen. Die Gebühren erbrächten damit zusätzliche Mittel in der Größenordnung von zwei Millionen Euro, was fünf Prozent des jetzigen Haushaltsvolumens von 40 Millionen entspricht. Das restliche Drittel steht der Universität nicht zur Verfügung, da beispielsweise Verwaltungskosten anfallen, aber auch Beiträge für einen Risikofonds, der einspringt, falls Studenten Ausbildungsdarlehen nicht zurückzahlen können. Die Verwaltungsgebühr in Höhe von derzeit 108 Euro würde trotzdem weiterhin fällig.
Mit den Studiengebühren möchte die Otto-Friedirch-Universität Bamberg sichtbare und zusätzliche Verbesserungen für die Studenten erreichen. Die Maßnahmen sollen sofort und unmittelbar greifen. Längerfristige Bauvorhaben, von denen erst spätere Jahrgänge profitieren, würden nicht aus den Gebühren finanziert. „Eine Idee wäre es, kostenlose Sprachkurse oder längere Bibliotheksöffnungszeiten einzurichten, oder Lehrbücher zu kaufen, an die man derzeit kaum rankommt“, so der Prorektor. Über die Verwendung der Studiengebühren sollen die Studiendekane der Fakultäten zusammen mit den Studierendenvertretern entscheiden.
Zweifel am Sinn
In der Diskussion machten viele Studierende ihre Zweifel am Sinn der Gebühren deutlich: Ein Student äußerte Bedenken, dass man mit den Einnahmen viel bewirken könne: „Bei dem jetzigen Uni-Budget von rund 40 Millionen machen zwei Millionen Mehreinnahmen aus den Gebühren kaum einen Unterschied. Glaubt die Uni wirklich, dass dadurch vieles besser würde?“ Eine andere Studentin stellte klar, dass kleine Vorteile im Studium die größere Belastung durch die Gebühr nicht aufwiegen könnten: „Viele verzichten gerne auf längere Öffnungszeiten der Bibliothek, wenn sie keine 500 Euro zahlen müssten.“ Verschiedene Hochschüler plädierten dafür, die Gebühren möglichst niedrig zu halten und auch die gesetzliche Möglichkeit, bis zu zehn Prozent von den Zahlungen zu befreien, auszunutzen. Die Gebührenzahlung einfach zu verweigern, davon riet Zintl ab; dies könnte zur Exmatrikulation führen.
Bamberger Modell
Wahrscheinlich werden in Zukunft mehr Hochschüler als bisher ihre Studienzeit über ein Ausbildungsdarlehen finanzieren. Die Stadtsparkasse hat zusammen mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg dafür ein besonders günstiges Modell mit niedrigen Zinsen ausgearbeitet. Das Bamberger Modell läge 1,5 Prozentpunkte unter dem für ganz Bayern diskutierten Modell. Was am Ende verwirklicht wird, könne jetzt noch nicht gesagt werden, so Zintl. „Das muss noch mit dem Ministerium verhandelt werden.“
Kurz angesprochen wurde auf der Versammlung auch die Zukunft der Bamberger Universität. Allgemein soll das Profil einer kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Universität geschärft werden. Gestärkt werden solle beispielsweise die Slawistik, eine Judaistik solle neu hinzukommen, so Zintl. Vom Tisch sei der Plan, die Zahl der Fakultäten zu reduzieren.
Auf der Versammlung stellten Michael Schmitt und Nils Rusche vom Sprecherrat der Universität auch die Arbeit des Gremiums vor. Der Sprecherrat vertritt Studierende gegenüber der Universitätsleitung, der Verwaltung und gegenüber der Öffentlichkeit. „Wir sind ein Dreh- und Angelpunkt für politische Fragen und eure Vertretung gegenüber dem Rest der Welt“, ermunterte Michael Schmitt die Studierenden, das Gremium zu nutzen.
News Wintersemester 2005/2006 vom 30.11.05