Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg erhält Ehrendoktorwürde

Die Erforschung der deutschen Grammatik: Hier hat der neue Ehrendoktor der Universität Bamberg einen Meilenstein in der Forschung gesetzt

In Bamberg rare, aber sehr feierliche Anlässe: Zur Ehrenpromotion von Peter Eisenberg gab es auch musikalische Darbietungen
Kaum ein Germanistik-Studierender, dem der Name Peter Eisenberg kein Begriff ist. Mit seinem „Grundriss der deutschen Grammatik“ aus dem Jahre 1986 ist dem Sprachwissenschaftler und taufrischen Ehrendoktor der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften (SpLit) ein „wissenschaftlicher Paukenschlag gelungen“, der laut Prof. Dr. Ralf Schnell von der Universität Siegen mit seiner „didaktisch-detektivischen Struktur“ Generationen von Deutschlehrern durch ihr Studium begleitet hat.
„Ein Werk, das vor allem durch Kühnheit besticht“, sagte Schell in seiner Laudatio. „Kühn deshalb, weil ihm eine kritische Lektüre aller anderen Grammatiken vorausging. Von diesen hebt es sich durch seine Intention ab, dem Leser nicht nur die Möglichkeit vermitteln zu wollen, grammatikalische Analysen nachzuvollziehen, sondern diese zu analysieren und selbst durchzuführen. Der Studierende lernt Sprache zu verstehen.“
Am 2. Mai hat die Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bamberg mit Prof. Dr. Peter Eisenberg einem der einflussreichsten deutschen Linguisten die Ehrendoktorwürde verliehen. Neben seinem Hauptwerk „Grundriss der deutschen Grammatik“ arbeitete Eisenberg unter anderem an der Duden-Grammatik und am Duden-Band zu sprachlichen Zweifelsfällen mit.
Die größte Herausforderung der vergangen zehn Jahre war für Eisenberg allerdings der Kampf um die „Reform der Reform“, also die Änderung der 1996 beschlossenen Rechtschreibreform hin zu einem orthographisch vernünftigen Regelwerk.
Bei seiner herausragenden Bedeutung für die Germanistik verwundert es zunächst, dass Peter Eisenbergs akademische Laufbahn in den Ingenieurwissenschaften begann. An der Technischen Universität und der Hochschule für Musik in Berlin absolvierte er zunächst sein Studium der Nachrichtentechnik, machte 1969 sein Tonmeisterexamen und Ingenieurdiplom in Nachrichtentechnik und Informatik. Danach erst widmete er sich der Linguistik und Germanistik, die ihn unter anderem als Professor an die Freie Universität zu Berlin, nach Hannover und Potsdam und schließlich ins Ausland nach Peking, Kairo, Tiflis, Paris, Teheran und Bangkok führten. 1996 erhielt er den Deutschen Sprachpreis. 1998 wurde er ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Ferner ist Peter Eisenberg Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und wurde 2004 Sprecher des Fachkollegiums Sprachwissenschaft der DFG.
Die Ehrenpromotion sei das höchste universitäre Instrument der Anerkennung, erklärte Rektor Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert in seiner Rede. Dies gelte an der Universität Bamberg umso mehr, da hier von diesem Instrument wenig Gebrauch gemacht werde, sagte Ruppert weiter und schloss lächelnd mit einem „Herzlich willkommen in Bamberg“ in Richtung erste Reihe, in der ein gerührter Peter Eisenberg den warmherzigen Worten lauschte.
Nach den Worten des Dekans der Fakultät SpLit, Prof. Dr. Christoph Houswitschka, und des Rektors Godehard Ruppert folgte eine anerkennende und angenehm persönliche Laudatio durch Ralf Schnell, bevor Peter Eisenberg offiziell den Ehrendoktortitel entgegen nahm. Er sprach der Universität seinen Dank und seine Verbundenheit aus und hob zu seinem Festvortrag an. Dieser freilich zeichnete sich weniger durch Freundlichkeiten als durch kritische Fingerzeige aus. Seine halbstündige Vorlesung widmete sich im gewohnt eisenbergschen, kritischen und provokanten Stil einer der Hauptaufgaben der deutschen Sprachwissenschaft, der Lehrerausbildung.
Eisenberg analysierte eines der akutesten Probleme, dem sich Deutschlehrer gegenwärtig ausgesetzt sehen: Der Schriftspracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund. Immer präsent blieb dabei die Frage, die Eisenberg eingangs an das Publikum stellte: „Befindet sich die Sprachwissenschaft als universitäre Disziplin in einer Krise?“
Alleine in Berlin lernen laut Eisenberg 88.000 Schüler im Deutschunterricht das Schreiben einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist. „Erschreckend hierbei ist, dass Fremdsprachenlehrer meist mehr über Grammatik und Lexik des Deutschen wissen als Deutschlehrer“, konstatierte er und prangerte die universitäre Ausbildung der Lehrkräfte an. Zu naiv gehe die Germanistik hier an die didaktischen Herausforderungen des Schriftspracherwerbs heran: „Jahrelang ging man davon aus, dass die Kinder eine Sprache, die sie mündlich bereits beherrschen, nur noch in eine schriftliche Form übertragen müssen.“
Hierbei übersah man laut Eisenberg die Tatsache, dass Grammatik und Syntax der geschriebenen und gesprochenen Sprache oft in einem hohen Maße divergieren. Der Erwerb der so genannten Literalität stellt einen Grundschüler also vor eine enorme Herausforderung. Eine Herausforderung, die von der Germanistik nach Ansicht Eisenbergs schon zu lange verharmlost wird. Dass sich diese Schwierigkeiten bei Kindern mit Migrationshintergrund noch um ein Vielfaches potenziere, da sie ja auch bereits im Mündlichen eine fremde Sprache erwerben müssen, verstehe sich von selbst.
Eisenberg appellierte folglich in seinem Vortrag für eine intensivere sprachwissenschaftliche Begleitung der Lehrerausbildung. Nur so sei es möglich, dass die Fehler in der Sprachausbildung von der Wurzel her behoben werden.
News Sommersemester 2007 vom 08.05.07