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Krieger der Kommunikationstechnik

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Udo R. Krieger an der Fakultät WIAI

Von Richard Alan Herz

Telefonieren ist ein alltäglicher Vorgang. Denkt man. Welche komplexen mathematischen Voraussetzungen aus Sicht der Informatik dahinter stehen, erklärte Udo R. Krieger in seiner Antrittsvorlesung.

Telefonieren ist ein alltäglicher Vorgang. Denkt man. Welche komplexen mathematischen Voraussetzungen aus Sicht der Informatik dahinter stehen, erklärte Udo R. Krieger in seiner Antrittsvorlesung.

Die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Udo R. Krieger am 26. Januar im Hörsaal F137 war für die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik Anlass, ihre formale Gründung zu feiern. Denn mit der Wahl des ersten Fachbereichsrates im Dezember 2004 ist der Aufbau der Fakultät formal abgeschlossen. Mit seiner Professur für Informatik, insbes. Kommunikationsdienste, Telekommunikationssysteme und Rechnernetze, verstärkt Krieger seit dem Wintersemester 2003/04 die Fakultät. WIAI-Dekan Prof. Dr. Elmar J. Sinz nutzte die Gelegenheit für einen Rückblick auf die Gründungsphase und stellte den neuen Kollegen vor.

 

Verkehrsmanagement in mobilen Netzen

Der gebürtige Hesse aus dem Nassauer Land arbeitete bisher am Technologiezentrum der T Systems Nova in Darmstadt. Parallel zu seiner dortigen Tätigkeit lehrte er seit 1994 im Fachbereich Informatik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Studium und Promotion absolvierte er an der Technischen Hochschule in Darmstadt. Kriegers Professur in Bamberg umfasst die Bereiche des Verkehrs- und Netzmanagements von bestehenden Telekommunikationsnetzen und zukünftigen IP-basierten stationären und mobilen Rechnernetzen. Arbeitsschwerpunkte stellen derzeit die Untersuchung von Betriebsmittelmanagementprozessen in drahtlosen lokalen IP-Netzen, die Entwicklung von Dienstgüte-Management-Architekturen für IP-Kommunikationsnetze bei Mobilitätsanforderungen, die verkehrstheoretische Analyse und Leistungsbewertung derartiger technischer Systeme, die Untersuchung der statistischen Eigenschaften des Internet-Verkehrs und seine Charakterisierung sowie die Schätzung entsprechender generischer Modellkenngrößen dar.

 

Kriegers Vortrag behandelte Grundlagen und Geschichte der Kommunikationstheorie, die Lastmodellierung in Telekommunikationsnetzen, die Gestaltungsprinzipien moderner Hochgeschwindigkeitsnetze und das Verkehrsmanagement in mobilen Netzen. Speziell die Frage nach dem Beitrag der Wissenschaft, die regelmäßig von Praktikern in diesem Feld gestellt wird, wurde eingehend beleuchtet und anhand von Beispielen dargestellt. Ausgehend von dem Theoriedreieck der Übertragungstechnik, der Vermittlungstechnik und der Nachrichtenverarbeitung wurde die Rolle der Mathematik mit Stochastik, numerischer Mathematik und nicht-linearen Optimierungsverfahren sowie der Informatik mit der Theorie der verteilten Systeme und der Kommunikationstechnik behandelt.

 

Scheinbar alltäglicher Vorgang: das Telefonieren

Krieger stellte dabei auch die Leistungen berühmter Wissenschaftler in den Vordergrund, deren Wirken seine Forschungsgebiete beeinflusst hat. Neben bekannten Namen wie Bell (erster funktionsfähiger Fernsprecher, 1876) oder Markov (Wahrscheinlichkeitstheorie) und Kolmogorov (Informationstheorie, Funktionalanalyse) hob er die wissenschaftlichen Leistungen von europäischen Wissenschaftlern hervor, deren Namen in der Öffentlichkeit nicht präsent sind. So stellte Philipp Reis bereits 1861 einen Apparat unter dem Namen Telephon vor, der Töne mit Hilfe elektrischen Stroms übertragen konnte. Besondere Bedeutung für das Verkehrsmanagement hat die Erlang-Formel, entwickelt von dem dänischen Telekommunikationsingenieur A.K. Erlang Anfang des 20. Jahrhunderts, mit deren Hilfe das Lastverhalten in Telekommunikationsnetzen auch heute noch modelliert wird.

Der Vortrag zeigte eindrucksvoll die Breite des Themas und die technische Komplexität, die sich hinter dem alltäglichen Vorgang des Telefonierens verbirgt. Mit hessischem Witz und viel Engagement präsentierte sich Krieger den Zuhörern als "Krieger der Kommunikationstechnik".

News Wintersemester 2004/2005 vom 07.02.05