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Katastrophale Folgen für deutsche Hochschullandschaft?

Deutliche Kritik am Bologna-Prozess - Gastvortrag der FAZ-Redakteurin Heike Schmoll

Von Holger Klatte

Ist der Bologna-Prozess noch aufzuhalten? FAZ-Redakteurin Heike Schmoll übte in Bamberg scharfe Kritik an der Umstellung auf Bachelor und Master-Abschlüsse.

Leser der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kennen Dr. Heike Schmoll als genaue, aber vor allem kritische Beobachterin der deutschen Hochschullandschaft. Auf Einladung des Deutschen Hochschulverbandes und dessen Bamberger Sprecher, Prof. Dr. Helmut Glück und Prof. Dr. Martin Haase, hielt die Redakteurin am 18. April einen Vortrag zu den Folgen des "Bologna-Prozesses".

"Zerstörung der humboldtschen Tradition"

Vor sechs Jahren haben in Bologna die europäischen Hochschulminister die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums vereinbart. Seitdem hat auch in Deutschland die einschneidendste Universitätsreform seit Wilhelm von Humboldt begonnen. Die deutschen Kultusminister versprechen sich davon kürzere Studienzeiten, höhere Erfolgsquoten durch Kontrolle und Verschulung des Studiums und eine bessere Berufsqualifizierung der Abgänger. Die Vereinheitlichung der Abschlüsse soll den Studierenden und Lehrenden größere Mobilität in Europa verschaffen und Vergleichbarkeit ermöglichen.

Wer Heike Schmoll aus der FAZ kennt, konnte bereits mit einer gewissen Erwartungshaltung zum Vortrag kommen. Er wurde nicht enttäuscht. Schmoll stellte fest, dass "Bologna die Zerstörung der Universität humboldtscher Tradition zugunsten eines Systems amerikanischer Prägung" bedeutet. Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hätte katastrophale Folgen für die deutsche Hochschullandschaft, auch für die Universität Bamberg, so die Redakteurin.

USA neidisch auf deutschen Diplom-Abschluss

Die Ziele, die mit der Reform angestrebt wurden, seien verfehlt worden oder von Beginn an nicht zu erreichen gewesen. Allenfalls sei in einigen weniger praxisrelevanten Fächern die Studienstruktur überarbeitet worden. Die internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge und Abschlüsse sei nach wie vor ein frommer Wunsch, denn nicht einmal in den angelsächsischen Ländern ließen sich die einzelnen Studienabschlüsse vergleichen. "Amerikanische Universitäten denken nicht daran, den neu geschaffenen Bachelor-Abschluss anzuerkennen", sagte Schmoll. Im Gegenteil: Neidvoll blicke man aus den USA auf das deutsche Diplom und wundere sich darüber, dass der Abschluss, der für Qualität bürgt, einfach abgeschafft wird.

Zudem gebe es für die neuen akademischen Abschlüsse nach sechs Semestern auf dem Berufsmarkt gar keinen Bedarf. "Diese Studierenden verringern zwar die Quote der Studienabbrecher, tauchen dafür in der Arbeitslosenstatistik wieder auf", prophezeite Schmoll. Sicher sei für die Universitäten nur eines: Durch das neue dreijährige "Schulstudium" verlören die Studienabschlüsse an Qualität. Die Folgen zeigten sich bereits jetzt: Grundlageninhalte, selbst in den technischen Studiengängen, werden gestrichen. Inhaltsleere Studiengänge, wie der "Kulturwirt" in Passau, produzierten Studienabgänger allenfalls für den Niedriglohnsektor.

Nur so tun, als ob?

Trotz dieser Perspektiven halten deutsche Hochschulpolitiker daran fest, dass der Reformprozess unumkehrbar sei, und treiben die Einführung der gestuften Studiengänge voran. Dementsprechend reagierten Schmolls Bamberger Zuhörer wütend bis niedergeschlagen. Der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern im Deutschen Hochschulverband, der Würzburger Anglist Prof. Dr. Rüdiger Ahrens, machte Vorschläge, wie sich die Modularisierung verhindern ließe: "Die Einführung von Bachelor und Master verpflichtet rechtlich zu nichts", sagte Ahrens. Der Deutsche Hochschulverband bereite in Bayern sogar eine Popularklage gegen die Einführung der neuen Studienabschlüsse vor.

Heike Schmoll fasste am Schluss zusammen, was viele dachten: "Der Bologna-Prozess demotiviert die Leistungsträger in der Wissenschaft und Lehre und unterdrückt Kreativität an den Universitäten", sagte sie und riet den Professoren, sich nicht bedingungslos den "Zeitgeistsurfern" zu fügen. Das Grundrecht auf Freiheit von Forschung und Lehre berechtige dazu. Ein letzter Vorschlag eines Zuhörers zielte darauf hin, dass "wir nur so tun könnten, als ob wir Bachelor und Master machen", in der Hoffnung, am Ende zur bewährten Traditionen zurückzukehren. 

News Sommersemester 2005 vom 20.04.05