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"Gender-Input"

Sind Frauen umweltbewusster als Männer? Wie kann das Interesse von Mädchen an Technik gesteigert werden? Wie beweglich sind Geschlechterrollen? Antworten gibt der jetzt erschienene Tagungsband zur Bamberger Gender-Tagung 2003.

Von Hannelore Piehler

Dem Thema der Geschlechterforschung widmeten die Frauenbeauftragten der Universität Bamberg im Januar 2003 die Tagung ?Strukturierung von Wissen und die symbolische Ordnung der Geschlechter?. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachdisziplinen von der Volkswirtschaftslehre bis zur Schulpädagogik befassten sich zwei Tage lang mit Fragen rund um Frauen- und Genderforschung. Nun sind die Vorträge der Veranstaltung auch in Buchform erhältlich. Im LIT-Verlag Münster ist der Tagungsband unter dem Titel ?Strukturierung von Wissen und die symbolische Ordnung der Geschlechter ? Bamberger Gender-Tagung 2003? erschienen. Gefördert wurde die Publikation maßgeblich vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

 

Etablierung feministischer Wissenschaft

Anlass für die interdisziplinäre Gender-Tagung war das Jubiläumsjahr ?100 Jahre akademische Bildung der Frauen in Bayern?, das 2003 begangen wurde. ?Im Rückblick auf ein Jahrhundert der wachsenden Präsenz von Frauen in der Wissenschaft wird die Wegstrecke ansichtig, die zurückgelegt worden ist?, betont Marianne Heimbach-Steins in ihrem Vorwort. Dieser Weg führte vom Kampf um die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium über die Etablierung feministischer Wissenschaft und Wissenschaftskritik bis hin zu den Veränderungen wissenschaftlichen Fragens durch die Einführung der Genderperspektive.

 

Moderne Gesellschaften benötigen diesen ?Gender-Input?, um vergangene Entwicklungen überprüfen und auf die zukünftigen Herausforderungen reagieren zu können. Längst hat sich die Perspektive der Geschlechterunterschiede bzw. -gemeinsamkeiten als innovativer Bestandteil der Wissenschaften etabliert und wird zunehmend von der Gesellschaft, von Politik und Wirtschaft rezipiert und angefragt. An der Universität Bamberg bildet die Genderforschung seit Jahren ein stetig wachsendes und diskutiertes Forschungsgebiet. Die Universitätsfrauenbeauftragten unterstützen diese Aktivitäten durch den Aufbau eines Netzwerkes, das die fachliche Diskussion und Kooperation zum Ziel hat: den ?Arbeitskreis Gender?. Auch der Tagungsband soll den interdisziplinären Austausch der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die öffentliche Auseinandersetzung mit der Genderforschung weiter anregen und fördern.

 

Sind Frauen umweltbewusster als Männer?

Der Band versammelt entsprechend einen kleinen, doch exemplarischen Ausschnitt aus der Geschlechterforschung in den unterschiedlichen Bamberger Fachbereichen. Es werden zum einen Genderaspekte in der Gegenwartskultur und Gesellschaftspolitik untersucht, zum anderen wird die Geschlechterkategorie in der Kulturgeschichte herausgearbeitet.

 

Vier Beiträge der Publikation stammen von Gastreferentinnen aus Tübingen, Köln, Hannover und Münster. Sie behandeln Grundlagendiskussionen und exemplarische Anwendungsfelder des Gender-Diskurses in den Bereichen Medienwissenschaften, Soziologie, Geschichte und Ethik. Regina Ammicht-Quinn beispielsweise diskutiert den Gender-Begriff und die theologische Ethik im Zeitalter der Globalisierung, während Gudrun-Axeli Knapp die Debatte um einen Bedeutungsverlust der Kategorie Geschlecht aufgreift.

 

Bamberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen sich in ihren Workshop-Berichten aktuelle Fragen wie: Werden Frauen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert? Wie kann das Interesse von Mädchen an Technik gesteigert werden? Oder: Wie beweglich sind die Geschlechterrollen? Hanspeter Buba vergleicht schließlich das Umweltverhalten der Geschlechter, mit dem Ergebnis, dass Frauen sich umweltbewusster verhalten als Männer ? zumindest in den alten Bundesländern. ?In den neuen Bundesländern gilt Gegenteiliges, allerdings nicht durchgängig: Zum Beispiel übertreffen (...) Mütter die Umweltorientierung von Vätern deutlich.?

 

2103: Idealvorstellung verwirklicht

Dem Jubiläum ?100 Jahre Frauenstudium in Bayern? ist der abschließende Teil des Tagungsbandes gewidmet. Hier zeigt Bärbel Kerkhoff-Hader, dass das Jubiläumsjahr nur eingeschränkt Anlass zum Jubeln ist. Die Universitätsfrauenbeauftragte weist auf die sukzessive Ausdünnung der Zahl der Frauen ?auf dem Weg nach oben?, auf der akademischen Karriereleiter hin. So habilitierte sich in Bamberg im Jahr 2002 erstmals eine Frau an der 1974 gegründeten Fakultät Geschichts- und Geowissenschaften.

 

In Ina Schaberts Vision von weiteren hundert Jahren weiblicher Präsenz an Hochschulen haben dagegen die Universitäten im Jahr 2103 die Idealvorstellungen der feministischen Entwürfe des 20. Jahrhunderts endlich verwirklicht. Die Gründe hierfür liegen nicht zuletzt in der demographischen Entwicklung. Denn die zunehmende Zahl an Seniorinnen und Senioren pflegt in dieser Zukunftsvision intensive Kontakte mit jungen Menschen und kümmert sich um die schulpflichtigen Enkel oder Nachbarskinder. Schabert: ?Medizinische und psychologische Untersuchungen bestätigten, dass dies die optimale Wellness- und Fitness-Methode für das Alter war.?

 

Marianne Heimbach-Steins/Bärbel Kerkhoff-Hader/Eleonore Ploil/Ines Weinrich (Hgg.): Strukturierung von Wissen und die symbolische Ordnung der Geschlechter. Gender-Tagung Bamberg 2003. Münster: LIT-Verlag 2004. (Gender-Diskussion, Bd.1) 200 Seiten. 15,90 Euro. ISBN 3 8258 7251 3

 

Weitere Informationen zum Tagungsband finden Sie unter:

www.uni-bamberg.de/frauenbeauftragte/publika.html

 

 

Rückfragen und weitere Informationen:

Büro der Frauenbeauftragten

Dipl.-Germ. Hannelore Piehler

Austraße 37, 3. Stock, Zi. 301

96045 Bamberg

Tel.: (09 51) 8 63 - 12 44

Fax: (09 51) 8 63 - 42 44

E-Mail: frauenbeauftragte@asv.uni-bamberg.de

 

News Sommersemester 2004 vom 19.05.04