Universität Bamberg - Logo
RSS-Feed

Gelungener Spagat

Konzert des Kammerorchesters der Universität im Audimax

Von Rupert Plischke

Technisch diffizile Werke, unterschiedlichste Stile: Das Kammerorchester der Universität Bamberg bewies mit einem anspruchsvollen Programm trotz knapper Probezeit Mut zum Risiko.

Technisch diffizile Werke, unterschiedlichste Stile: Das Kammerorchester der Universität Bamberg bewies mit einem anspruchsvollen Programm trotz knapper Probezeit Mut zum Risiko.

Es war ein höchst anspruchsvolles Programm, das UMD Michael Goldbach für das Kammerorchester der Universität Bamberg ausgesucht hatte: mit Werken von Rautavaara, Mozart, Telemann und Janacek waren nicht nur unterschiedlichste Stile erfasst, sondern vor allem technisch und musikalisch diffizile Werke ausgewählt worden. Bedenkt man, dass das Kammerorchester im Wesentlichen von knapp bemessenen Probenwochenenden zehrt, war die gezeigte Leistung beim Konzert am 7. November umso erstaunlicher.

Kühl-ätherische Atmosphäre

Mit einem Divertimento aus der Studienzeit des finnischen Komponisten E. Rautavaara begann das Konzert im gut gefüllten Audimax der Universität; der Komponist bezieht sich hier intensiv auf die Volksmusik seines Heimatlandes. Trotz einiger heikler Einsätze, etwa bei den geforderten ersten Geigen, wirkte die rhythmisch straffe Wiedergabe durch die herausgearbeiteten einzelnen Stimmgruppen recht klar. Die kühl-ätherische Atmosphäre des Adagio litt leider stark unter dem Einmarsch weiterer Zuhörer; im Kontrast zu dieser leicht statischen Höhenlage hat Rautavaara das Allegretto ma energico zunächst den tiefen Streichern anvertraut, die mit sattem Klang durch den dissonant geschärften Satz mit melancholischer fugato-Passage führten.

Mozarts "Kleine Nachtmusik" stand - bewusst nicht als erfolgheischender Rausschmeißer positioniert - an zweiter Stelle; mit insgesamt gemäßigten Tempi gelang den Musikern der Spagat zwischen ungebändigt-laienhafter Spielfreude und bewusster musikalischer Gestaltung: die Oberstimmen bemüht um Feinheiten in Verzierung und Phrasierung, dezente, aber präzise vernehmbare Mittelstimmen und eine federnde Bassgruppe als sicheres Fundament. Das Andante freilich, in dem UMD Goldbach jede Versüßlichung und Verkitschung vermied und vielmehr die interessanten Momente und vielfältigen Stimmungen darlegte, wirkte durch das zügige Tempo und die überdeutlichen Akzente leicht hemdsärmelig - etwas mehr Zartheit und Delikatesse könnte einer "Romance"wohl nicht schaden.

 

Biegsame Tongebung

Die Bamberger Geigerin Susanne Rödel gestaltete Telemanns eher unspektakuläres Konzert mit biegsamer Tongebung und einfallsreicher Gestaltung zum interessanten Hörerlebnis, bevor Janaceks so farben- wie ideenreiche Suite die Matinee beendete. Das Werk verleugnet seine Herkunft aus der Jugend des Komponisten nicht, ist aber in sich durchaus reizvoll gestaltet. Dem impulsiv-tänzerischen Kopfsatz folgt eine sordinierte Adagioidylle, die das Orchester mit der Ruhe einer schlichten Volksweise vortrug. Fehlten hier Celli und Bass, so prägten die Unterstimmen den Beginn des zweiten Adagios. Dazwischen ein Presto, eine Art Schumann für Anfänger sowie zwei Andantesätze. In der befreit gegebenen Zugabe schließlich, dem ersten liedhaften Andante, wurde nochmals deutlich, wie klangschön und homogen das Kammerorchester klingen könnte, hätte es etwas mehr Übungszeit zur Verfügung.

News Wintersemester 2004/2005 vom 16.11.04