Chor und Orchester der Universität musizierten in der Kirche St. Michael
Zuversicht. Das war ein großes Thema des Geistlichen Konzerts am 14. Oktober in der Kirche St. Michael. Damit ist indes nicht nur die Zuversicht auf ein gutes Konzert gemeint, sondern die Zuversicht auf Gott, die in den vorgetragenen Stücken immer wieder zum Vorschein kommt.
Eröffnet wurde das Konzert mit der Motette für zwei Chöre und Orchester „Quaerite primum regnum Die“ von S. Calvisius, bei der beide Chöre nebeneinander aufgestellt wurden, sodass die Doppelchörigkeit optisch betont wurde.
Die Reihe der protestantischen Kirchenmusiker wurde mit J. S. Bach fortgesetzt, von ihm erklang die Kantate „Der Herr denket an uns“ (BWV 196), die die göttliche Segenskraft thematisiert: Der einleitenden „Sinfonia“ des Orchesters folgt der „Chor“, der die Segenshandlungen – deutlich musikalisch abgesetzt – hervorhebt. Regina Binder war Sopran-Solistin der anschließenden „Aria“, die mit vielen Koloraturen in dem ruhigen Satz über dem Orchester erklang. Anknüpfend singen auch Tenor und Bass „Der Herr segne euch“, was vom abschließenden Chor aufgegriffen und in klarer Deklamation bestätigt wurde.
Solistisch gefordert wurden auch die Orchestermusiker Eva-Maria Arendt (Orgel), Susanne Rödel (Violine) und Boris Bojadzhiev (Violoncello) im „Orgelkonzert g-Moll“ von G. F. Händel (HWV 291). In dem viersätzigen Werk konnten die Musiker auf allen Gebieten überzeugen, ob solistisch oder im Tutti-Klang, melancholische Stimmung verbreitend oder durch rasch gespielte zarte Verzierungen einen heiteren Eindruck erweckend.
Michaela Horn und Julia Deutsch glänzten als Sopran-Solistinnen in L. Mozarts Offertorium „Parasti mensam“ mit fröhlichem, filigranem Gesang, bis der Chor in die Freude über die bereiteten Gaben einstimmte. Sowohl Solisten als auch Chor überzeugten mit der Fröhlichkeit zum Lob Gottes.
Durchweg vokale Musik aus dem 20. Jahrhundert folgte mit drei Motetten: „Lobe den Herrn, meine Seele“ von H. F. Micheelsen eröffnete diesen Teil und bestach besonders durch das verwendete natürliche Moll und so dem Ohr scheinbar fehlende Leittöne. Mit „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ von K. Marx, wo Solisten in einen anschließenden Choral überleiteten, und „Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit“ von H. Distler erfüllte der Chor die Kirche mit warmem Gesang, der das Publikum in seinen Bann zog.
Fröhlich blieb die Stimmung auch bei „Dicite in gentibus“, einer Motette für Solisten, Chor und Orchester von A. C. Adlgasser. Zwar sind die Solo-Passagen von Julia Deutsch (Sopran), Christine Blum (Alt), Johannes Schaller (Tenor) und Stefan Eideloth (Bass) nur kurz, aber das nimmt ihnen nicht die im Text verhandelte, auffällige Freude über das „süße Holz“, das als Kreuz Christi würdig ist, „süße Last“ zu tragen.
Das letzte rein instrumentale Werk bildete an diesem Abend die „Sinfonie Nr. IV“ von A. Scarlatti: Die drei Sätze forderten sowohl durch Fröhlichkeit als auch durch bedrückende Seufzer-Motive eine Bandbreite musikalischer Affekte von den Musikern. Leider ein kurzes Werk, dem man gerne länger gelauscht hätte.
Gleiches dachten wohl auch viele Zuhörer bei der folgenden Kantate „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ von F. Mendelssohn Bartholdy. Umrahmt von zwei Chorälen, die an Intensität zunahmen, je mehr die Zuversicht auf Gottes Handlungen thematisiert wurde, erklang eine Sopran-Arie, gesungen von Corinna Mühl. Sie sang einen langsamen Satz, dennoch mit innerem Schwung und konnte sich mit ihrer kraftvollen Stimme mühelos über das Orchester erheben, ohne dass die Arie an Charme eingebüßt hätte.
Den Abschluss dieses gelungenen Konzertes bildete die „Missa brevis in F“ von J. Haydn. In den bekannten Mess-Teilen waren zusätzlich zum Chor zwei Sopranistinnen solistisch zu hören, Regina Binder und Corinna Mühl. Prachtvoll und würdig erklangen „Kyrie“ und „Gloria“, das „Credo“ wirkte zunächst langsam und eher nachdenklich, mündete jedoch auch in fröhliche Zuversicht. Davon geprägt waren auch „Benedictus“ und „Agnus Die“, bis schließlich im „Dona nobis pacem“ Chor und Solisten gemeinsam den Frieden Gottes erbaten.
So überzeugend wie die Darbietungen der Musiker war auch der kraftvolle Applaus des Publikums nach diesem außerordentlichen Konzert-Abend. Dafür wurden die Hörer ein weiteres Mal belohnt, mit der Zugabe „Vollendet ist das große Werk“, dem Schluss-Chor aus der „Schöpfung“ von J. Haydn.
UMD Dr. Michael Goldbach bescherte mit Chor und Orchester dem Publikum einen außergewöhnlichen, kurzweiligen Konzert-Abend, und zugleich einen Einblick in 400 Jahre kirchenmusikalischen Schaffens; einen Abend, geprägt von der Zuversicht auf Gott, wie sie nicht nur in der Musik seit so langer Zeit besteht.
News Wintersemester 2006/2007 vom 20.10.06