Universität Bamberg - Logo
RSS-Feed

Frühere "Clashs of Generations" werden erforscht

Eröffnung des Graduiertenkollegs "Generationenbewusstsein und Generationenkonflikt"

Von Konstantin Klein

In Zeiten sinkender Geburtenraten und steigender Sozialbeiträge ist der Begriff "Generationenkonflikt" in aller Munde. Welche Bedeutung dieses Problemfeld jedoch schon in Antike und Mittelalter hatten, erforscht nun in Bamberg ein neues Graduiertenkolleg.

In Zeiten sinkender Geburtenraten und steigender Sozialbeiträge ist der Begriff "Generationenkonflikt" in aller Munde. Welche Bedeutung dieses Problemfeld jedoch schon in Antike und Mittelalter hatten, erforscht nun in Bamberg ein neues Graduiertenkolleg.

In Zeiten sinkender Geburtenraten und steigender Sozialbeiträge sind Begriffe wie "Generationenkonflikt" oder "Generationenbewusstsein" in aller Munde. Welche Bedeutung diese Problemfelder jedoch bereits in Antike und Mittelalter hatten, erforscht nun ein neu gegründetes Graduiertenkolleg der Universität Bamberg. Grundlegende Elemente kollektiver Identität vormoderner Gesellschaften sollen von dem interdisziplinär und komparatistisch orientierten Kolleg ebenso beschrieben werden wie entsprechende Traditions- und Rezeptionslinien.

Forschen in Zeiten wissenschaftspolitischer Kurzatmigkeit

Nachdem Rektor Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert bei der Eröffnungsfeier am 23. November an den Stellenwert einer Promotion erinnert hatte, betonte der Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Hartwin Brandt, Inhaber des Bamberger Lehrstuhls für Alte Geschichte, die Bedeutung von Graduiertenkollegs in der heutigen Hochschullandschaft. "Wir leben in Zeiten wissenschaftspolitischer Kurzatmigkeit. Die neuen Bachelor-Studiengänge prämieren nachlassendes Leistungsvermögen und fallen im Vergleich zum Ausland ab." Das Graduiertenkolleg sei eine Investition in die Zukunft, mit der allerdings auch eine große Verpflichtung einhergehe. So stehe den 14 Stipendiaten ein anspruchsvolles Programm bevor. Das Graduiertenkolleg wurde von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) zunächst für viereinhalb Jahre bewilligt, wobei neben den 13 Doktoranden- auch ein Postdoktorandenstipendium vergeben wurde. Die Themen reichen von Darstellung und Bedeutung des Alters in der griechischen Antike über männliche und weibliche Perspektiven in der römischen Liebeslyrik, Kindererziehung, Kindsein und Kinder-Minne in der mittelalterlichen Literatur bis hin zum Wandel des nationalen Identitätsbewusstseins im mittelalterlichen England. Allen Themen gemein sei, so Brandt, dass sie im Kontext der Erforschung von Generationenzusammenhängen und -konflikten stünden, die Krisen und Wendezeiten in Antike und Mittelalter prägten.

Über eine krisenhafte Wendezeit der Vergangenheit sprach auch der Berliner Althistoriker Prof. Dr. Wilfried Nippel von der Humboldt-Universität in seinem Gastvortrag. Nippel zeigte anhand der Lebensgeschichte des Athener Staatsmannes und Feldherrn Alkibiades das Zusammenwirken von politischen und generationenspezifischen Konflikten im Athen des 5. vorchristlichen Jahrhunderts auf. Alkibiades hatte in Athen vorübergehend einen Verfassungssturz hin zur Oligarchie bewirkt, eine, so Nippel, "pseudo-legale Auflösung der Demokratie", die durch gezielten Terror seitens der Oberschicht gefestigt wurde. Dass die Athener Gesellschaft fähig war, diesen gesellschaftsinternen Bruch bereits nach kurzer Zeit aus eigener Kraft zu heilen, gehöre zu den erstaunlichsten Leistungen dieser antiken Demokratie.

News Wintersemester 2004/2005 vom 30.11.04