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"Frieden und Ruhe für alle"

Für Comenius war das gemeinsame Handeln ein Weg, Streitigkeiten zu vermeiden. Sein pragmatisches Friedensdenken erläuterte der Bamberger Philosoph Uwe Voigt in einem Vortrag.

Von Tanja Eisenach

Ein gemeinsames Handeln, das dauernden Frieden schafft, indem es die Einheit der Kulturen in ihrer Verschiedenheit und durch sie verwirklicht, ist das Ziel des pragmatischen Friedensdenkens, wie es der mährische Philosoph Johann Amos Comenius entwickelt hat. Welche unterschiedlichen Sichtweisen sich darin zusammenfügen und was für verschiedene Entwicklungsstadien sich darin erkennen lassen, stellte Uwe Voigt in seinem Vortrag am letzten Tag des deutsch-tschechischen Comenius-Kolloquiums dar, der den Titel ?Nicht durch Spekulieren und Betrachten, sondern durch Handeln und Herstellen ...? trug.

 

Exemplarisch griff Voigt drei Deutungsmöglichkeiten dieses pragmatischen Denkens auf, die jeweils einem Entwicklungsstadium zuzuordnen sind. Bei der ersten Betrachtungsweise werde der instrumentelle Charakter des Handelns betont. Im Laufe der Geschichte könne der Mensch die Grundstrukturen der Wirklichkeit immer besser erfassen, was sich unmittelbar in seinem Handeln niederschlage. Gemeinsames Handeln bedeute hier, das Ziel der Geschichte zu erreichen.

 

?Was auch immer die anderen behaupten ...?

Im zweiten Stadium scheine das gemeinsame Handeln gelegentlich als etwas auf, ?das mehr ist als nur ein bloßes Mittel zum Zweck: eine Antizipation des Zwecks selbst.? Voigt betonte die Überzeugung Comenius?, dass ein gut gemeintes Streben nach theoretischer Einsicht ohne begleitendes gemeinsames Handeln seinen Zweck radikal verfehlen könne. Ausführlicher ging der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie I auf eine dritte Bedeutung von pragmatischem Denken ein, die seiner Ansicht nach aus der comenianischen Erfahrung entstanden sei, ?das konträre theoretische Überzeugungen häufig zu unfruchtbaren, ja sogar verheerenden Auseinandersetzungen führen können.? Das Handeln sei für Comenius nicht nur zu einem Maßstab gelingender Erkenntnis geworden, sondern auch zu einem Weg, Streitigkeiten zu vermeiden: ?Was auch immer die anderen behaupten, mache du es zum Inhalt des Handelns.? Denn wenn alle trotz einander entgegengesetzter Überzeugung nach Wegen suchen, miteinander zu handeln, dann ?wird für alle Friede und Ruhe herrschen?, zitierte Voigt den mährischen Philosophen.

 

Abschließend gab er einen Ausblick darauf, was die interkulturellen und interdisziplinären Aspekte des comenianischen pragmatischen Friedensdenkens für unsere heutige Zeit leisten können. Dabei führte er aus, dass pragmatisches Denken nicht dazu diene, ontologische oder theologische Überzeugungen zu diskreditieren. Vielmehr wolle es sie in einen Kontext stellen, in dem sie erst ihren Beitrag zu einem kreativen Frieden leisten können. Pragmatisches Denken trage demnach nicht nur zu einem friedlichen Dialog der Kulturen bei, sondern auch zu einer wechselseitigen Bereicherung zwischen verschiedenen Disziplinen wie Ontologie und Ethik.

 

News Sommersemester 2004 vom 26.04.04