In Benutzung ist die neue Tb 4 bereits seit Beginn des Sommersemesters. Nun fand die offizielle Einweihung des gläsernen Gebäudes im Burgershof statt. Seine technischen Möglichkeiten beeindrucken.
Benutzt wird sie schon seit dem 1. April, nun wurde die neue Teilbibliothek der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften offiziell eingeweiht. Neben Universitätsangehörigen hatten sich zu der Feier am 16. Juni auch Gäste aus der Politik und dem Bauwesen eingefunden. Der Architekt des Gebäudes, Gerhard Meyer, erklärte noch einmal das Konzept, das hinter dem Glasgebäude steht: ?Transparenz sorgt für einen fließenden Übergang der Räume innen und außen.?
Olaf Struck, Leiter des Staatlichen Hochbauamtes der Stadt Bamberg, überreichte symbolisch einen goldenen Schlüssel an Ministerialrat Dr. Wolfgang Strietzel, den zuständigen Referenten für die Otto-Friedrich-Universität Bamberg in München. Als Geschenk an die Universitätsbibliothek überreichte Struck der Leiterin der Teilbibliothek, Dr. Irmingard Keunecke, ein Faksimile des Buches ?Der Ackermann und der Tod? von Johannes von Tepl, das 1461 von dem Bamberger Gutenberg-Schüler Albrecht Pfister gedruckt worden war.
Ein Mehr an Büchern
Seit dem Start am 1. April haben wohl schon die meisten Studierenden die neue Teilbibliothek kennen gelernt. Dennoch wissen viele der Benutzer noch wenig über die Vorzüge des neuen Gebäudes. Welche Möglichkeiten bietet der Neubau? Da ist zunächst einmal das Mehr an Büchern: Während im alten Gebäude 80.000 Bände Platz fanden, stehen nun 150.000 Bücher griffbereit. Früher mussten täglich 200 Bände aus dem Magazin geholt werden, das Kilometer weit entfernt war ? heute befindet sich der größte Teil des Magazins unter dem Gebäude, wo weitere 320.000 Bände stehen. Insgesamt speichert die Tb 4 also über 470.000 Bände. Ende 2004 sollen es bereits 500.000 sein; das Magazin im Keller reicht dann schon wieder nicht mehr aus.
Die Bücher, die dort nicht mehr untergebracht werden können, kommen dann in dem Gebäude der alten Tb 4 unter. Der oberste Stock des Gebäudes wird in Zukunft als Hörsaal genutzt werden. Und da der Bestand der Teilbibliothek immer weiter wächst, soll in fünf bis sechs Jahren auch der zweite Bauabschnitt abgeschlossen sein: ein weiterer Gebäudeteil zur Stangstraße. Der Gesamtkostenaufwand für die neue Teilbibliothek beträgt allein für den ersten Bauabschnitt 8,8 Millionen Euro.
Ausgemusterte PCs aus München
Doch nicht nur das Gebäude wurde erneuert. Auch die technische Ausstattung der Tb 4 wurde modernisiert. Es gibt Stehpulte für kürzere Recherchen sowie Sitz-Arbeitsplätze. Alle PCs haben zwar neue Flatscreens, aber es wurden keine neuen Rechner angeschafft. Dipl.-Ing.Günther Fößel: ?Wir hatten große Finanzierungsprobleme bei der EDV-Ausstattung für die Bibliothek. Die ursprünglich vorgesehenen Erstausstattungsmittel sind uns ersatzlos gestrichen worden.?
Doch wenn es sein muss, müssen unkonventionelle Lösungen gefunden werden: Es wurden ausgemusterte PCs aus der Bezirksfinanzdirektion in München in der Tb 4 aufgestellt. ?Wenn man rechnet, dass jeder Rechner uns in der Neuanschaffung ca. 1000 Euro gekostet hätte, kann man sich ausrechnen, wie viel wir hier sparen konnten?, so Fößel. Gar nicht gespart wurde jedoch an der Datennetz-Infrastruktur: An jedem Platz gibt es die Möglichkeit, sich mit dem eigenen Notebook ins Datennetz der Universität einzuloggen. ?So kann der Bibliotheksnutzer sowohl das volle Angebot der Universität als auch die für ihre Arbeiten nötigen eigenen Programme nutzen.? Auch Access-Points für Wireless-Lan-Netzzugang sind für die nahe Zukunft geplant. ?Schrittweise möchten wir es in jeder Teilbibliothek möglich machen, dass Nutzer mit ihrem eigenen Laptop im Internet recherchieren können.? Eine Anleitung dazu findet sich in der Bibliothek. Und wer über kein Netzwerkkabel verfügt, kann sich ein Patchkabel an der Theke ausleihen.
Geringe Zugriffszahlen
Abgeschafft hingegen wurde die Möglichkeit, Texte ausdrucken zu können. Stattdessen ist es nun möglich, sich die gewünschten Dateien ins .pdf-Format umzuwandeln und dann entweder digital weiter zu verwenden oder an anderer Stelle auszudrucken. Auch dies ist eine Kosteneinsparung. ?Wenn ein Drucker in einer Bibliothek steht, braucht man Personal, das ständig danach sieht und für Probleme wie Papierstaus Zeit hat?, so Fößel. Die Anschaffung eines Scanners steht noch aus; in Zukunft soll er in dem ?Glaskasten? neben der Ausleihtheke seinen Platz finden. Dieser ?Kasten? dient dazu, gewisse Dinge unter Überwachung zu halten, wie zum Beispiel technische Geräte und Bücher, die nur unter Aufsicht gelesen werden dürfen.
Eine Sorge bleibt jedoch die insgesamt geringe Nutzung der Webdienste der Bamberger Universitätsbibliothek. Der Bibliothekarische Direktor Dr. Werner Zeißner: ?Verglichen mit Universitäten wie Würzburg oder Augsburg haben wir eine auffallend geringere Zugriffszahl auf die Webseiten.? In Würzburg fanden beispielsweise im Jahr 2002 2,6 Millionen Zugriffe auf die Internetseite der dortigen Uni-Bibliothek statt, in Bamberg gab es nur 360.000. Zeißner erklärt sich dieses Phänomen damit, dass in Bamberg nur vergleichsweise wenige Benutzerschulungen stattfinden: ?Unsere Mitarbeiter konnten 2003 gerade einmal 230 Stunden für Schulungen aufwenden. Das ist nur ein verschwindend geringer Teil dessen, was Würzburg seinen Benutzern bietet.? Und Zeißner ist sich sicher: ?Wer die Möglichkeiten der Universitätsbibliothek nicht kennt, nutzt sie natürlich auch nicht!?
Stellenstreichungen zu befürchten
Das Personal allerdings wird voraussichtlich in Zukunft eher verkleinert, laut Zeißner müssen in nächster Zeit wahrscheinlich Stellen gestrichen werden: ?Bisher haben wir in allen Teilbibliotheken alle Sparten des Bibliothekswesens abgedeckt: Präsenzbestand, kompetente Auskunft, Ortsleihe und Fernleihe. Sollten Stellen gestrichen werden, wird dies in Zukunft vielleicht nicht mehr möglich sein.? Eine Entscheidung diesbezüglich erwartet Zeißner im Herbst.
News Sommersemester 2004 vom 16.06.04